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Gloria Connolly

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KurzportraitBearbeiten

GC1C.jpg

Fotojournalisten mit Langeweile (NY)

geboren 01. Mai 1982, Charlottesville, VA
Staatsbürgerschaft US amerikanisch
Mutter Natalia Connolly (Highschool Lehrerin)
Vater Luke Connolly (freischaffender Journalist) - aka Lugh, Lámhfhada, Samhildánach, Lonnbeimnech, uvm.
Pantheon Tuatha dé Dannan (Irisch)
 
Größe 1,64 m
Gewicht ~ 55 kg
Haarfarbe rötlich braun
Augenfarbe grau
 
Beruf studierte Journalistin (MA)
Sprachen Englisch (M), Spanisch, Französisch, Russisch, Arabisch


Beschreibung Bearbeiten

Gloria ist durchaus als sportlich zu beschreiben, aber von Modelmaßen ist sie mancher Hinsicht weit entfernt.
Ihre Haut ist recht blass und sonnenempfindlich; sie neigt leicht zu Sonnenbrand und Sommersprossen. Ihr braunes Haar hat einen unübersehbaren Rotschimmer; wenn sie viel in der Sonne ist, sticht das Rot noch mehr hervor. Was sie auch tut, es scheint immer mindestens eine Strähne in ihr Gesicht zu hängen; darum sieht man sie auch häufig mit eben diesen Strähnen kämpfen.
Ihr Gesicht ist nicht hässlich, jedoch würde man sie auch nicht als Schönheit bezeichnen: die Nase ist etwas zu vorwitzig, kleine Fältchen sind um ihre Augen, die Lippen sind eher schmal. Nur die klaren, grauen Augen stechen hervor.


HintergrundBearbeiten

GC4B.jpg

Bild aus Verbindungszeiten

Gloria wuchs in einem Vorort von Charlottesville auf, welcher der Idylle einer Werbebroschüre des "American Way of Life" entsprungen sein könnte: adrette Häuschen reihen sich mit ihren gepflegten Gärten und weiß gestrichenen Holzzäunen aneinander. In den Auffahrten stehen blitzende Autos, die Straßen sind breit, ruhig und sauber. Dort lebte sie ein ruhiges Leben - nunja, fast. Da ihr Vater "arbeitsbedingt" wesentlich häufiger unterwegs war als zu Hause, musste sie sich mit ihrer Mutter arrangieren; und es stellte sich heraus, dass man am besten mit Gloria auskam, wenn man ihr möglichst viel zu tun gab:

Gloria war eine gute Schülerin, die ein breites Spektrum an Schul- und Freizeitaktivitäten aufzuweisen hat: Schülerzeitung, Volleyball, Photographie, Tauchkurs, diverse Organisationskomitees, Reisen nach Europa und Asien, diverse Schülercamps, Jobs als Kassiererin, Photoassistentin, Zooführerin, Nachhilfelehrerin, Volleyballlehrerin für die Kleinsten, an der Essensausgabe für Bedürftige, Kindergärtnerin und Babysitterin sind darunter. Daneben schrieb sie noch Geschichten und Artikel für kleinere Magazine und Zeitungen, von denen auch eine Handvoll veröffentlich wurden.

Nach der Highschool besuchte sie das Miami Dade College - School of Entertainment and Design Technology, um für zwei Jahre TV- und Radioproduktion zu lernen und ihre Kenntnisse im professionellen Fotographieren zu vertiefen.

Ihre herausragenden Leistungen in Englisch, Literatur und ihr Engagement für ihre Zeitungen verschafften Gloria ein Stipendium an der UCLA: Journalismus und Anglistik - So zog sie nach LA, anstatt die berühmte University of Virginia zu besuchen; denn Charlottesville kannte sie ja schon in- und auswendig. Schnell schloss sie sich einer Studentinnenverbindung (Schwesternschaft) an: Kappa Alpha Theta. Die Gründe hierfür waren eher praktischer Natur: Man weiß nie, wofür man die Kontakte, die man hier knüpfen konnte, baucht. Dort lernte sie auch Sofia kennen, die mit ihr zusammen die "Hell Week" über sich ergehen lassen musste.
Während der Semesterferien arbeitete sie fast ausschließlich in einem journalistischen Bereich: bei Zeitungen und Magazinen, beim Radio und Fernsehen rund um LA hatte sie immer wieder Jobs und Praktika. Zudem schrieb sie für die Universitätszeitung und versuchte, Artikel an überregionale Zeitungen und Magazine zu bringen. Darum galt sie als über alles informiert und war oftmals auch Vorort, wenn irgendetwas in ihrem Umfeld passierte: Von Parties bis zu Sportveranstaltungen, Konzerten bis Charity-Events. Und manch einer fragte sich, wie sie an und vor allem in so manche Veranstaltung kam.
Mit der Zeit tauchten auch immer mehr Artikel und Geschichten in diversen Magazinen und Zeitungen von ihr auf.
Mit Sofia verband Gloria bald eine Freundschaft - beide teilten das Leid, den gutgemeinten Ratschlägen ihrer Mitschwestern in Sachen Äußeres permanent ausgesetzt zu sein. Wo Sofia allerdings zu sehr in ihre Studien verteift war, war es Gloria einfach zu zeitaufwendig, sich jeden Tag mindestens eine Stunde um das eigene Aussehen kümmern zu sollen. Diese Zeit verbrachte sie lieber damit, sich mit Sofia zu unterhalten und ihren eigenen Horizont dadurch zu erweitern. Besonders bei der Recherche über ökologische Themen war Sofia eine unbezahlbare Hilfe.

Gloria verließ die Universität mit ihrem Master in Journalismus ("cum laude") vor fast drei Jahren. Seitdem arbeitete sie in San Francisco (KGO-TV), Vancouver (The Vancouver Sun), New York (The Brides Magazine) und zuletzt in New Orleans (The Times-Picayune).

Geburtsrechte Bearbeiten

Creatures, Followers & GuidesBearbeiten


RelictsBearbeiten


¹ Diese Geburtsrechte sind (noch) nicht mit Punkten bezahlt und unter SL-Hoheit

Was bisher geschah...Bearbeiten

Erwachen - oder Der Ganz Normale WahnsinnBearbeiten

Es fing alles damit an, dass ich meine alte Mitschwester Sofia auf der jährlichen Ehemaligenfeier unserer Verbindung ΚΑΘ (LA) wiedertraf. Wie jedes Jahr fand die Party am Strand des Gästehauses in Malibu statt.
Es erstaunte mich doch sehr, sie wieder zu treffen. Zum einen hatte sie die letzten 3 Jahre keine Zeit für die Feier gefunden. Zum anderen hatte sie sich verändert. Aus dem zwar gut aussehenden aber doch grauen Mäuschen war ... etwas anderes geworden. Früher hätte sie sich mit Bikinioberteil und Rock nicht mal in eine öffentliche Dusche getraut - außerdem hatte sie eine Frisur, manikürte Nägel und einen Hauch von Makeup. Wenn man bedachte, dass Sofias abgebrochene, schmutzige Nägel nach ihren Aufenthalten in den Naturschutzgebieten unsere Mitschwestern regelmäßig an den Rand des Nervenzusammenbruchs geführt hatten, war diese Veränderung wirklich erstaunlich.

Zudem kannte sie noch andere Gäste, was für sie ebenfalls ungewöhnlich war: Sie stellte mich einem X-Games-Fahrer vor. Ich erinnerte mich daran, wie Cecil aus der Sportredaktion von ihm schwärmte (vermutlich, weil er auf ihn gewettet und gewonnen hatte). Außerdem schien sie einen asiatischen Actionstar zu kennen, der mit einer Schwester kam. Und sowohl der Afro, der hinter der Bar eine Show abzog, als auch der anscheinend reiche Playboy waren ihr ein Begriff.

So weit, so ungewöhnlich. Allerdings sollte alles noch seltsamer werden.

Dass Sofia mich irgendwann in die Bibliothek bat, fiel an sich nicht aus dem Rahmen. Viele Stunden hatten wir früher dort verbracht, oft in mehr oder weniger hitzige Diskussionen vertieft. Allerdings war die Katze, die sie bei hatte, ein neuer Tick. Und die Katze war auch nicht ganz bei Trost, stürzte sie sich doch auf eine Landkarte aus dem 19ten Jahrhundert und zerfetzte Australien. Sofia, die vorher schon einen eher besorgten Eindruck gemacht hatte, wurde kreidebleich, stammelte irgendetwas von "so schnell wie möglich dort hin" und zog mich wieder auf die Veranda, wo sie mir ihre Katze in die Arme drückte und in der Menge verschwand.
Dieses Mistvieh jedoch konnte mich genauso wenig leiden wie ich es - Katzen sind mir einfach suspekt - und verschwand ebenfalls, nachdem es mir die Bluse ruiniert und die Arme zerkratzt hatte. Kaum war es verschwunden, tauchte der Playboy auf. Erst jetzt fiel mir auf, dass Sofia tatsächlich über ihn hergezogen hat - indirekt, da über seine Begleitung, die er irgendwo zurückgelassen hatte. Dabei schien er ganz ok zu sein, reichte mir ein Glas mit was auch immer. Nach der Katze konnte ich das gut gebrauchen.
Es dauerte auch nicht allzu lange, da tauchte Sofia wieder auf, aus irgendwelchen Gründen den Motorradfahrer und den Barmann, sowie den Actionstar und einen muskelbepackten Latino im Schlepptau. Sie fing an mit ziemlich seltsamer, teilweise sehr sprunghafter Argumentation alle davon überzeugen zu wollen, dass man sofort nach Australien müsse - bis sie auf einmal stockte. Sie hatte bemerkte, dass Marc und ich uns wohl ein wenig unterhalten hatten, und schoss wieder gegen ihn.
Trotz der kurzzeitigen Ablenkung überredete sie alle dazu, dass man doch aufbrach.

Auf dem Parkplatz wurde es dann für mich ziemlich abgespaced:
Zuerst fing Sofias Katze an zu kreischen und flitzte davon, Sofia panisch hinterher. Da tauchte plötzlich ein Mann auf. Komplett in schwarzer, lederner Motorradmontur samt schwarzem Helm, mit zwei Katanas, zwei MPs und Raketenwerfer. Irgendetwas musste in dem Drink gewesen sein, den Mr. Playboy mir gegeben hatte. Jedenfalls änderte Sofia ihren Kurs und stürzte auf mich, um mich anzuschreien und wegzustoßen. Mit dem Erfolg, dass sie zur Zielscheibe des Ersatzninjas wurde; er griff sie an und verletzte sie schwer. Dann ging alles sehr schnell: während sich der Motorcrossfahrer um Sofia kümmerte (er schnappte sie einfach und rannte mit ihr davon, schneller als jemand auch ohne Last überhaupt rennen können sollte), tauchte aus dem Nichts Marc auf, schnappte mich und sprang mit mir in einem riesigen Satz weg vom Kampfgeschehen. Mit riesig meine ich riesig. Die Bank, die er anvisiert hatte, stand locker 30 Meter vom Kampfgeschehen weg. Seelenruhig setzte er sich, zauberte von irgendwoher eine Art Kelch und etwas zu Trinken herbei und sah sich an, was die anderen auf dem Mini-Schlachtfeld trieben. Der Drink war mir wirklich willkommen.
Vom Kampf, den der Latino und der Actionstar mit dem Angreifer führten, weiß ich nur noch zwei Dinge: Es muss nur ein kurzer Moment gewesen sein, aber mir kam es fast wie eine Ewigkeit vor. Irgendwo schrie ein Vogel und die Zeit blieb für mich fast stehen. Wie in Zeitlupe bewegten sich alle. Es schien unendlich lang, und war trotzdem schlagartig vorbei. Kurz darauf zündete irgendwer den Raketenwerfer und verwandelte den Parkplatz in einen Kriegsschauplatz.
Das war der Moment, an dem sich Marc mit mir vom Kampfplatz verabschiedete.

Alles kam mir immer noch wie ein Traum vor, als wir zum Stadtanwesen des Milliardärssohn fuhren. Ging es Sofia wirklich gut? Ob es die Drinks waren oder nur der Kampf, der wie aus einem Film schien, oder beides - ich habe immer das Gefühl, dass es mir die Erinnerung auch heute noch durcheinander würfelt.
Irgendwann fing Marc an, von Götterkindern zu erzählen. Wohl nach einem kurzen Gespräch mit Simon, der irgendwann mit dem Latino in der Villa auftauchte. Dann rief Louis bei Simon an, Sofia bei mir; und sie war nicht erfreut darüber, dass Marc mich mitgenommen hatte. Es gab ein furchtbares Durcheinander, weil Sofia zwar verletzt war, aber unbedingt am Besten schon gestern in Australien gewesen wäre. Und zu allem Überfluss versuchte Marc auch noch, mir weiß zu machen, dass sie wohl "so was wie Herkules, nur cooler" waren. Und dass Simon den Verdacht hegte, dass ich auch dazu gehören würde. Es wurde schließlich irgendwann beschlossen, dass man sich auf nach Australien machen würde, sobald es Sofia wieder gut ging. Also am nächsten Tag. Wie auch immer sie das mit Sofia schaffen wollten.
Dass ein Laden extra für Marc morgens um vier die Türen öffnete, damit ich mir was für die Reise holen konnte, schien dagegen fast unspektakulär.

Pünktlich zum Frühstück rief Sofia wieder an, dass es ihr gut ginge und sie am liebsten sofort aufbrechen würde. Aus "sofort" wurde allerdings, trotz Marcs Privatjet, wegen eines Großaufkommens am LA Flughafen Nachmittag. Louis und Sofia sollten zur Villa kommen, in der Simon, Marc, Miguel und ich schon frühstückten. Simon stichelte dabei immer wieder - zuerst Marc, dass ausgerechnet er versucht hatte, mir beizubringen, was es denn alles mit den Göttern auf sich hatte, wo er es doch bisher noch nicht mal geschafft hatte, sich über sein Pantheon wirklich zu informieren. Dann auch gegen mich. Ich hatte bisher nicht wirklich Veränderungen an mir festgestellt, die mich anders oder besonders machen sollten. Und Simon bestand darauf, dass wohl einer meiner Eltern irgendwann wohl ein kleines Stelldichein mit einem Gott gehabt haben musste. Er war sich sicher. Und ich hielt ihn für ziemlich daneben; da klingelte es an der Tür.
Aus irgendeinem Grund -jetzt im Nachhinein wirkt es auf mich noch unwirklicher- ging ausgerechnet Marc an die Tür. Und er folgte einer unglaublich anmutigen Erscheinung wie ein kleiner Hund, der sein Frauchen über alles anbetete.
Die Erscheinung stellte sich als Wildrose vor, begrüßte mich und eröffnete mir -während Marc ihr persönlich einen Saft brachte- dass mein Vater sie geschickt habe und er untröstlich sei, dass er sich mich gerade nicht selbst besuchen könne. Man konnte Wildrose nicht böse sein, mit ihrem gold glänzenden Haar, den großen, blauen Augen und den Duft nach einer Blumenwiese. Aber er hätte Geschenke für mich: Sie überreichte mir einen Weidenkorb, in dem ich eine Kette und einen Stirnreif fand. Wildrose sagte mir, dass mein Vater beide Schmuckstücke eigenhändig für mich angefertigt hatte. Und dass man den Stein an der Kette nur für eine Nacht ins Herdfeuer legen müsse, und man würde immer wieder den Weg nach Hause finden - was auch immer das heißen sollte.
Aber damit nicht genug: Sie hatte auch - sehr zu meinem Leidwesen - einen Hund für mich, der auf mich achten sollte. Nicht irgendso ein Schoßhündchen, das man in der Handtasche verstecken konnte. Nein. Ein ausgewachsenes Kalb von einem weißen irischen Wolfshund musste es sein. Ich fühlte mich ehrlichgesagt ein wenig unter Schock. Nach Wildroses Abschied war mir nur noch Simons selbstgefälliges Grinsen und sein Spruch, dass meine Mutter wohl die Untreue gewesen war, in Erinnerung.

Kurz darauf waren Louis und Sofia an der Tür. Sofia war fast unverletzt, wie auch immer sie das angestellt hatte. Und sie war gar nicht erfreut, mich immer noch vorzufinden. Als wir ihr eröffneten, dass bei mir wohl auch ein Gott seine Finger im Spiel hatte, war sie noch verstimmter - oder es lag an dem Hund, der von Sofias Cleo auch nicht begeistert war? Aber alles Murren half nichts, anscheinend wollte irgendetwas nicht, dass sie mich los würde. So machten wir uns auf gen Brisbane.


Katzenjammer in Down UnderBearbeiten

Anstatt in der Stadt selbst zu landen, wurde Marcs Privatjet auf eine Hoppelpiste umgeleitet und wir durften per Jeeps in die Stadt fahren. Der arme Louis - der Motorcrossheld - musste Hund und Katze ertragen, auch wenn er wohl an eigenen Problemen zu kauen hatte. Aber mir war das immer noch angenehmer, als mit einem Pseudo-Großwildjäger das Auto zu teilen.
Je näher wir Brisbane kamen, desto unruhiger wurde Sofia. Sie wollte dort einen Club besuchen. Aber aus welchem Grund, wusste sie auch nicht genau, nur dass es wichtig war. Und dann eskalierte es fast, als Marc beinahe eine schon fast leblose Katze erschoss, weil er kein Känguru oder - was er mir nicht glauben wollte, dass es die hier als Plage gibt - Dromedar vor seine Flinte bekommen hatte.
So wie ich zu meinem Leidwesen mit Nebelschweif irgendwie kommunizieren kann, kann Sofia es wohl mit Katzen. Hätte mich auch gewundert, wenn eine Bastettochter das nicht könnte. Und sie erfuhr anscheinend von der mittlerweile toten Katze, dass es all ihren Artgenossen hier alles andere als gut ging.

In Brisbane bestand Marc darauf, wieder einmal das beste Hotel der Stadt zu nehmen - zumindest wenn man den anderen in dieser Hinsicht Glauben schenken mag. Beim opulenten Abendessen rückte Louis dann heraus, dass er an den Folgen eines früheren Abenteuers zu leiden habe: Er konnte sich nicht am Festmahl erfreuen, da alles für ihn zu Wasser und Brot wurde. Nicht erfreulich, aber immer noch besser als der Midasfluch. Aber ich kann ihm nachfühlen, dass er davon nicht begeistert war. Als auch noch Simon mit schadenfrohen Sticheleien anfing, verabschiedete sich Louis missmutig. Kurz darauf verschwand auch Sofia.

Sie traf ich wieder, als ich auf dem Weg in mein Zimmer war. Es war zwar schon eine Weile her, seit ich das letzte Mal in Brisbane war, aber es schadete ja nie, Erinnerungen aufzufrischen. Ich wollte mich ins Nachtleben stürzen, auch weil ich nicht sonderlich müde war. Da Sofia fast ebenso griesgrämig dreinblickte wie Louis zwei Stunden zuvor, lud ich sie ein, mitzukommen. Zu meiner Freude sagte sie zu.
Ausnahmsweise entpuppte sich der Hund als guter Begleiter und hielt uns jene vom Hals, deren Avancen zu weit gingen. Irgendwann in den frühen Morgenstunden fiel ich ins Bett.

Doch kurze Zeit später wusste ich wieder, warum ich bisher keine Haustiere gehalten hatte: Nach gefühlten zehn Minuten Schlaf meldete sich Ceo Riabh, dass er unbedingt Gassi musste. Im Halbschlaf fand ich das kleine Eckcafé wieder, das immer noch den besten Coffee-To-Go von ganz Brisbane anbot. Der Hund war ekelhaft gut gelaunt.
Wieder im Hotel musste ich erstmal Marc wieder aus meinen Zimmer schmeißen. Was er genau von mir wollte, ist mir trotz dreifachem Espresso nicht im Gedächtnis geblieben. Nur dass er nach meiner Dusche - endlich wieder ein fast ganzer Mensch - wieder verschwunden war.

Aus Sofias Absicht, den "Cats' Club" so früh wie möglich aufzusuchen, wurde nichts. Glücklicherweise litt ich nicht unter einem Kater wie sie. Wäre ich böse, würde ich behaupten, dass von einer Bastettochter zu erwarten war, dass sie nach dem Feiern einen Kater mit nach Hause nahm. Anstatt wie alle anderen reinzuhaun beim gemeinsamen Frühstück, hielt sie es lieber wie der appetitlose Louis: Wasser und Aspirin. Trotz Doktortitel hat sie wohl noch nicht verstanden, dass man entweder Magnesium oder noch besser entsprechendes Essen nehmen sollte. So lange hatte sie das Feiern also doch noch nicht für sich entdeckt.
Beim Frühstück meinte Miguel nur knapp, dass Krieg auf dem Weg hierher wäre. Die anderen konnten mit dieser Neuigkeit mehr anfangen als ich. Zumindest verschlechterte sie Sofias Katerlaune noch mehr.
Und nicht, dass das genug wäre. Dass Simon sehr gerne die Geschehnisse um sich herum kommentiert, hatte ich ja schon in LA mitbekommen. Diesmal hatte er sich Louis' Schicksal zu Herzen genommen. Er betonte, dass Louis an seiner misslichen Lage selbst Schuld sei und dass der erste Weg zur Besserung wohl Selbsterkenntnis wäre. Louis schien von den Ratschlägen des Voodookünstlers überhaupt nicht angetan zu sein, was diesen aber überhaupt nicht irritierte. Nein, er stichelte und ratschlagte sogar noch weiter - so lange, bis der Griechensohn seine Beherrschung verlor und Simon in die Wand donnerte. An sich wäre das ja nicht schlimm, nur war der Hotelmanager überhaupt nicht begeistert, einen menschlichen Abdruck von der Größe Simons in seiner Restaurantwand vorzufinden; er bat uns, doch das Hotel zu wechseln.

Nachdem wir unterschiedliche Unterkünfte bezogen hatten, beschloss man, sich zuerst im "Cats' Club" umzusehen.
Wie wir es erwarteten, war er geschlossen. Kurzerhand wurde dort eingebrochen. Da ich bis dato außer der Fähigkeit, mit Hunden zu sprechen, keinerlei sonstigen Veränderungen an mir feststellen konnten, stand ich lediglich Schmiere, während Sof, Marc, Louis, Miguel und Xin in den Club einbrachen.
Leider vergaßen sie, die Alarmanlage vorher zu deaktivieren. Nach nicht einmal zehn Minuten war die Polizei Vorort. Nicht, dass mich das groß tangierte. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich absichtlich aus einer Situation herausredete, während die anderen sich aus dem Staub machten. Und Simon war darin fast genauso gut wie ich.
Als wir wieder zu den anderen stießen, hatte Sofia wohl eine göttliche Prophezeiung erhalten: Eine Katzenstatuette war gestohlen worden von einer Inkarnation des Kriegstitanen - Simon klärte mich nebenher auf, dass sie dem schon früher begegnet waren. Und dass sie ihren Tod gesehen hatte, als sie die Statue retten wollte.

Sofia zog es daraufhin an den Strand, weil sie ziemlich durch den Wind war. Uns begleiteten Louis, Simon und Marc, wobei ersterer schnell merkte, dass sein Fluch sich wohl auch auf die Begegnung mit dem Meer ausdehnte: Er drohte, im knietiefen Wasser zu ertrinken. Mittlerweile war seine Laune nahe dem Nullpunkt, und er legte sich schmollend in die Sonne. Währenddessen versuchte Marc erfolglos, Sofia und mich zum FKK-baden zu überreden.
Während Sof und ich surfen waren, um ihre Laune zu bessern, nahm Simon ein Gespräch entgegen. Besser gesagt: er irritierte meinen alten New Yorker Kollegen Simon Maddensen. Jener wies mich auf seltsame Ereignisse in Kairo hin. Doch auch Farid, der alte "Fremdenführer" aus Kairo selbst wusste nichts genaues. Irgendwas war im Tal der Könige geschehen, und selbst so ein gewitzter Kerl wie der alte Farid konnte sich das bisher nicht ansehen, da alles hermetisch abgesperrt war. Ich erzählte zwar den anderen von der Sache, aber anscheinend waren unsere Probleme hier akuter. Kairo sollte folgen, sobald wir die Statuette hatten.

Als Sofia den Kopf wieder frei hatte von ihrer Todesangst, wollte sie sich auf die Suche nach der verschwundenen Katzenstatue machen. Außerdem wurde angemerkt, dass ein Paket mit was-auch-immer in den Hotels angekommen sei, was wir dringend abholen mussten.
Simon hatte die Eingebung, dass er wohl zu einem Kreuz auf seiner Straßenkarte müsse, um die Statuette finden zu können. Da es keine weiteren Anhaltspunkte über den Verbleib der Statue gab: gesagt, getan. Nun, Sofia wollte sich nicht von Louis trennen, ich mich nicht von Sofia und Marc sich nicht von den Frauen der Gruppe; so fanden wir vier uns in einem Wagen wieder, da kein Auskommen zwischen Louis und Simon war, und folgen den anderen dreien durch Brisbane.
Allerdings sollten wir nicht so einfach an unser Ziel kommen: Bald bemerkten wir, dass wir verfolgt wurden. Das war nicht wirklich schwer bei dem Aufgebot an schwarzen Vans und Kampfhubschraubern. Per Handy wird schnell beschlossen, dass die Wagen in unterschiedliche Richtungen fahren sollen, damit man die Verfolger möglicherweise abschütteln kann. Doch schienen sie gerade uns zu mögen. Marc und Louis vermuteten, dass sie hinter Sofia her waren. Diese schien durch die Verfolger wieder halb in Todesangst zu schweben und war zu keiner Entscheidung fähig. Kurzerhand verabredeten Louis und Marc, dass man sich wieder trennte. Der Playboy schnappte sich Sof und wiederholte seinen Stunt, indem er mit ihr aus dem fahrenden Auto auf ein Hausdach sprang, während Louis beschleunigte.
Doch auch wilde Fahrmanöver hingen die Vans hinter uns nicht ab. Wenigstens war der Kampfhubschrauber verschwunden, wenn ich auch meinte, Schüsse zu hören. Aber der Van war auch nicht besser; als ich in den Rückspiegel blickte, glitt dessen Tür auf und ein vermummter Kerl mit einem Raketenwerfer zielte auf uns. In dem Moment, als er abdrückte, riss Sofia, die aus irgendeiner Ecke herbei sprang, ihn herum und die Rakete erwischte "nur" eine Hauswand. Glücklicherweise hatte Louis sie auch bemerkt, riss das Steuer herum und wir sammelten sie ein. Diesmal teilte ich seine schlechte Laune, auch wenn Sof dies ihrem Gesichtsausdruck nach nicht verstand. Wir hatten sie aus der Gefahrenzone bringen wollen und sie katapultierte sich heldenhaft - oder dämlich? - wieder hinein.

Inzwischen hatten wir den Kontakt zu Simon ganz verloren. Louis fluchte, wo wir denn hin sollten, gerade mit den Kriegsanhängern im Nacken. Da meldete sich unerwartet Ceo Riabh. Für so einen riesigen Hund hatte er sich im Auto erstaunlich unbemerkbar machen können. Er wies mich darauf hin, dass ich noch die Geschenke meinen göttlichen Vaters hatte, die ich bisher (bis auf die Kette, die ich bei mir trug) unbeachtet in meinem Rucksack liegen hatte. Ich nahm den Stirnreif und kam mir ziemlich blöd dabei vor, in einem Auto während einer Verfolgungsjagd dem Ratschlag eines Hundes zu folgen. Ich schob mir den Reif ins Haar.
Prompt hatte ich drei Gewissheiten: Zum einen würde ich alles finden, was ich finden wollte. Und zum anderen würde ich alles verstecken können, was ich wollte. Und als letztes würde ich alles sein können, was ich sein wollte. Um die letzten beiden Dinge konnte ich mir später Gedanken machen.
Ich konzentrierte mich auf die Uhr in meinem Gepäck und sah, wie ein schimmernd nebeliger Faden dorthin führte. Gut, es funktionierte. Ich wusste zwar nicht wie, aber das war in dem Moment egal. Katzenstatuette... Ich hatte nicht einmal die Ausbuchtung auf diesem Sarkopharg-Ding gesehen, das die anderen gefunden hatten. Wie wollte ich die richtige Statuette finden? Ich konzentrierte mich, so gut es mit quietschenden Reifen im Ohr ging und wieder erschien dieser milchig weiße, mit glitzerndem Staub durchsetzte Faden. Ich fuhr Louis an, abzubiegen. Perplex gehorchte er im ersten Moment. Auf seine Frage, woher ich das wusste, meinte ich nur, dass jetzt nicht die Zeit für Fragen sei.
Es war nicht leicht, durch Brisbane zu manövrieren. Der Faden verlief weder nach einem Straßenmuster, noch kerzengerade in eine Richtung. Und dann waren da noch die Verfolger, die irgendwann verschwanden. Wann genau, konnte ich nicht sagen. Aber irgendwann realisierte auch ich, die ich mit dem Verlauf des Fadens beschäftigt war, dass sie weg waren. Wir waren auf dem Weg Richtung Hafen. Ich bekam noch mit, dass Louis irgendwann mit Marc sprach, den Simon aufgegabelt hatte. Und dass sie ebenfalls auf dem Weg zum Hafen waren. Ob zwei sich irren konnten?

Am Hafen sah ich den Faden in einem Verwaltungsgebäude verschwinden. Es deckte sich mit Simons Beobachtungen. Also brachen wir in das Gelände der Import/Export Firma ein. Doch leider hatten wir unsere Verfolger doch nicht abgehängt: Am Himmel tauchte ein Transporthubschrauber auf. Im ersten Moment dachte ich, die Fracht, die er abwarf, wären Bomben. Aber es kam schlimmer: anstatt zu explodieren, setzten sie eine unheimliche Fracht frei. Zwei mannshohe Schlangen aus glühenden Kohlen tauchten auf. Alles stob in verschiedene Richtungen. Miguel und Xin versuchten, die Schlangen direkt anzugreifen, während Louis Sofia deckte und Marc zu einem Kran verschwand. Ein kurzer Blick - und Simon und ich stürzten in Richtung Verwaltungsgebäude, in der Hoffnung, dort etwas zu finden, was gegen die glühenden Gegner helfen würde.
Während Marc es irgendwie schaffte, eine der Schlangen mittels eines ISO-Containers unschädlich zu machen, fanden Simon und ich Feuerlöscher. So überraschten wir die Schlange, die uns folgte, indem wir sie regelrecht schockfroren. Leider musste ich feststellen, dass sie nicht komplett durchgekühlt war - der heiße Dampf versengte mir die Haut, als ich das Vieh mit dem Feuerlöscher zerschlug.

Doch die Schlangen waren auch nicht ganz ohne gewesen. Miguel war gebissen worden und es ging ihm von Minute zu Minute schlechter. Marc versuchte, mit viel Singsang und beschwörendem Gefuchtel etwas gegen das Gift mit seinem Kelch zu brauen. Er sah selbst überrascht aus, als es Miguel nach einem Schluck tatsächlich besser ging.
Frisch gestärkt folgten wir weiter den Fäden in das Gebäude. Unser Weg führte - ich hätte es mir auch denken können - in den Keller.
Kaum waren wir am Ende der Treppe, verdunkelte sich der Raum und eine handvoll ninjaähnlicher Gestalten tauchte aus der Dunkelheit auf und stellte sich uns in den Weg. Besser gesagt allen außer Sofia. Mir war es mittlerweile zu bunt und ich fuhr meinen Gegner einfach nur mit "Verschwinde!" an. Zu meinem Erstaunen tat er das auch postwendend. Ich sah gerade noch, wie Sofia um die Ecke bog und setzte ihr nach.
Kaum war ich auch um die Ecke, wurde ich von irgendetwas festgehalten und musste mit ansehen, wie Sofia die gesuchte Statue hoch nahm. In diesem Moment löste sich ein Schatten aus der Wand und der Mann rammte Sof ein Messer in die Magengegend. Ihre Katze drehte durch, verwandelte sich in ein zwei Meter großes, schwarzes, geflügeltes Etwas und stürzte zusammen mit Ceo Riabh auf Sofias Widersacher, während sich bei mir die unsichtbaren Fesseln lösten. Ich sah die Statue fallen, für die Sofia ihr Leben geben wollte. Während die Tiere den Mann beschäftigt hielten, hechtete ich zur Statue.
Plötzlich war der Mann verschwunden und Sofia lag schwer verletzt unter ihrer Katze, die niemanden an sie heran lassen wollte - bis sich Louis beherzt an dem Vieh vorbeidrückte.

Ich hielt noch immer die Katzenfigur in der Hand, als wir mit der verletzten Sofia in Richtung Autos hasteten - Plötzlich zischte es hinter uns. Die vom Container erschlagene Schlange war doch nicht in tausend Stücke zerbrochen. Sie wollte gerade ihren zerstörerischen Auftrag in die Tat umsetzen, als sie von jemandem zweigeteilt wurde.
Ein Schwarzer im Anzug stand lässig mit einer Klinge über der Schlange. Simon schien zufrieden zu sein, den Mann zu sehen - und Louis drehte fast durch. Er hievte die verletzte Sofia in den Wagen und brauste mit uns los, da ich meine Freundin nicht allein lassen wollte. Er fluchte dabei leise etwas von Voodoogöttern vor sich hin. Doch er schien die Orientierung verloren zu haben, denn nach einigem Herumgekurve, fuhren wir wieder auf die anderen zu. Aus dem Augenwinkel sah ich, während ich mich um Sofia kümmerte, dass sich Simon dem Jeep in den Weg stellte; aber Louis dachte gar nicht daran, vom Gas zu gehen. Im Gegenteil, es kam mir fast so vor, als würde er noch einen Zahn zulegen. Er wirkte grimmig entschlossen, Simon den Garaus zu machen.
Ein Ruck ging durch den Wagen, als wir auf Simon stießen und dieser über uns hinweg geschleudert wurde. Dann stieg Louis endlich in die Eisen, um nicht auch noch die anderen über den Haufen zu fahren. Der Schwarze - wie sich später herausstellte Kalfu - schien recht amüsiert über die Vorgänge und meinte zu Louis, dass er so die Freundin nicht retten könne. Er öffnete die Tür und machte irgendetwas mit Sofia. Ich konnte es nicht genau erkennen. Aber er meinte zu Louis, dass Sofia so sicherlich zur Klinik durchhalten würde.
Eine kurze, hitzige Diskussion folgte. Sie endete damit, dass Louis und Simon Sofia in die nächstmögliche Klinik brachten und der Rest die Katzenstatue sicher in den "Cats' Club" zurück brachte. Marcs Blut würde sicherlich genauso gut sein wie das von Sofia, um die Statue wieder an ihren Ort zu binden - was auch immer sie damit genau meinten. Kalfu schloss sich uns an. Durch den Gott waren wir vor den Schergen der Titanen verschont: Anstatt durch die komplette Stadt zurückfahren zu müssen, führte er uns über eine Kreuzung und wir waren an unserem Bestimmungsort.

Während Kalfu den Sandsturm erledigen wollte, machten wir uns auf in den "Cats' Club". Im Keller des Clubs befand sich ein Sarkophag, auf den die kleine Statue passte. Marc schnitt sich theatralisch in den Finger und das sollte es gewesen sein. Miguel bekam einen Anruf und verschwand mit Xin.
Kalfu wartete im Clubraum. Da alles nun angeblich vorbei sei und es hier für die Titanen nichts mehr von Interesse gäbe, wollte er Party machen. Marc, der einzige, der mit mir noch da war, sprang sofort darauf an. Kurz darauf kamen Miguel und Xin mit Simon im Schlepptau zurück. Louis war bei Sofia im Krankenhaus geblieben. Während sich der Club füllte, betätigte sich Simon kunstvoll hinter der Bar. Kalfu fand sich wieder zufrieden ein, und genoss die Menge um sich herum.
Marcs Avancen wurden immer offensichtlicher. Zwar war mir durchaus klar, dass er damit Sofia reizen wollte - auch wenn sie gerade nicht da war - aber das machte mir in dem Moment wenig aus. Nach den letzten Tagen konnte ich etwas Ablenkung gut gebrauchen und warum nicht Marc?
Wir verschwanden in einem separaten Teil des Clubs und später ins Hotel.

Am nächsten Morgen konnten wir zu Sofia. Marc konnte es nicht lassen und legte vor Sofia seinen Arm demonstrativ um meine Hüfte - aber den erhofften Effekt hatte das anscheinend nicht auf sie.
Sie lamentierte, dass sie ihre Aufgabe nicht erfüllt hatte. Und dass Louis so abweisend war. Ich las ihr die Leviten, dass ausgerechnet der ach so abweisende Louis sich mit dem Titan und mit Kalfu regelrecht angelegt hatte, nur um sie sicher ins Krankenhaus zu bringen. Das ließ sie sehr kleinlaut werden. Und Kalfus Schutz vom vorigen Tag schien noch etwas weiter zu wirken, denn sie konnte das Krankenhaus auch wesentlich früher als geplant verlassen.


الشرقية البينية - Orientalisches IntermezzoBearbeiten

Marc hat mich mehr oder weniger dazu überredet, mit nach Kairo mitzukommen. Eigentlich hatte ich erstmal zurück nach New Orleans wollen, aber auch gut. Gekündigt hatte ich schon - die Rücklagen aus der New Yorker Zeit waren noch ganz ordentlich. Und frei arbeiten war eh schon länger in meinem Hinterkopf gewesen.
Da Marc, Sofia und Simon erst einmal ins Museum wollten, um Marc einen Crashkurs in altägyptischer Geschichte zu geben, hatte ich mich abgesetzt. Ich war wohl nicht die einzige, denn Louis war plötzlich auch nicht mehr auffindbar.
Dass hier wohl mindestens genauso viel los war, wie in Brisbane, schient die vier nur peripher zu tangieren. Von mir aus. Somit hatte ich etwas Zeit, mich im Basar mit frischem Tee und anderen Kleinigkeiten einzudecken. Und zu telefonieren: Farid konnte nicht wirklich etwas Neues sagen, außer dass das Tal der Könige immer noch gesperrt war. Nur bestätigte er, dass die Artikel in den Zeitungen niemanden überzeugten - ein Sandsturm. Genau. Lag wohl an der Pressestelle; die Artikel waren auch grausam zu lesen.
Doch meine Freude an der ägyptischen Hauptstadt währte nicht lange. Marcs Anruf war schon beinahe panisch, dass man unbedingt nach Frankreich müsse. Ein Glück, dass ich meine Koffer noch nicht ausgepackt hatte...


La ville de l'amour ... et de l'Euro DisneyBearbeiten

les affaires ardentesBearbeiten

Im Flugzeug eröffnete und Marc dann, worum es wirklich ging. Da er seinem Vater gegenüber in einen riesiges Fettnäpfchen getreten war, gab es nur einen Weg sich zu beweisen: Er war für die Organisation eines Kriegsrats der Götter zuständig. Paris war unser Ziel. Aber warum Marc sich ausgerechnet Eurodisney in den Kopf gesetzt hatte? Simon unterstützte ihn dabei noch tatkräftig. Mir soll es nur recht sein.
Aber uneingeschränkte Hilfe bot ich ihm nicht an. Ein "Nein" wollte ich mir noch vorbehalten.
Auf die Frage, welche Götter denn teilnehmen würden und wie man diese erkennen sollte, wusste Marc auch keine rechte Antwort. Ihm war nicht gesagt worden, wer welches Pantheon vertrat. Er war sich nur sicher, dass die wenigsten absolut inkognito reisten - dafür würden sie Aufmerksamkeit zu sehr lieben.

Mein "Nein" setzte ich um, sobald wir in Paris ankamen. Obwohl Marc alle Suiten der Hotels und auch eigene Räume für uns reservierte, quartierte ich mich lieber bei Madame Martin ein. Ihre kleine Pension hatten Simon und ich während unserer Paris-Reportage entdeckt. Erfreut stellte ich fest, dass sich die gute Madame auch noch an mich erinnern konnte. Die Pension war der perfekte Ausgangsort für eine Pariserkundung. Marc würde sich schon melden, sobald er mich brauchte.
Ich suchte mir ein kleines Bistro an der Seine, etwas abseits vom Touristentrubel, und rief Luc an, einen befreundeten Reporter aus Paris. Er war angenehm überrascht, wieder von mir zu hören, und umso mehr, dass ich tatsächlich in Paris war. Darum wunderte es ihn auch wenig, als ich ihn nach Neuigkeiten fragte. Behutsam wühlte ich mich durch Events hin zu Persönlichkeiten, die plötzlich erwartet wurden. Laut seinen Informationsquellen hatte das chinesische Top-Model Chan-Juan völlig unerwartet für eine winzige Modenschau in Paris zugesagt. Die jungen Designer waren vollkommen aus dem Häuschen. Außerdem war die gesamte Gourmet-Welt in heller Aufregung, denn der weltbekannte Meisterkoch Fushimi Tsukiya hatte einen spontanen Besuch angekündigt. Eine eigene kleine Veranstaltung hier in Paris. Für eine Karte würde mancher Feinschmecker hier töten. Nach einigem guten Zureden, wollte sich Luc um solche Karten bemühen.
Dass eine chinesische Gottheit in Gestalt des Models erscheinen würde, darüber war Marc schon unterrichtet. Der japanische Koch war ihm neu.
Ich stürzte mich ins Pariser Nachtleben.

Nicht wenig überrascht war ich vom Anruf am nächsten Morgen: Louis hörte sich gut angeheitert an und lud mich in einen Park "zum Feiern" ein. Neugierig, wie er es trotz seines Fluchs geschafft hatte, so ausgelassen zu sein, kaufte ich ein wenig Baguette und Käse und vorsichtshalber auch etwas Wein für mich und machte mich auf den Weg. Nicht nur mich hatte Louis verständigt. Zu meiner Überraschung waren auch Xin und Miguel schon anwesend, wie auch immer die beiden nach Paris gekommen waren. Und ein Unbekannter. Dieser trank schon gut mit Louis, auf den sein Fluch gerade wenig zu wirken schien - oder anstatt zu Wasser wurde alles nun zu Alkohol. Lallend stellte sich der Kerl als Flint vor. Weder Marc noch Simon waren anwesend, was wenig verwunderlich war.
Die heitere Stimmung von Flint und Louis schlug schnell um sich. Flint schien auch etwas mit den Göttern zu tun zu haben. Wir mussten ihm versprechen, seine Anwesenheit nicht zu erwähnen. Er war nicht sonderlich gut auf die Obersten zu sprechen und hielt den Kriegsrat für Zeitverschwendung.
Sofia meldete sich bei mir, dass sie gerade in Paris angekommen sei. Ich gab ihr noch durch, dass wir in Disneyland untergebracht waren und dass fast alle sich gerade im Park aufhielten. Ich war nicht wenig erstaunt, dass sie nach einiger Zeit tatsächlich im Park auftauchte. Da sich Marc nicht hilferufend an uns wandte, verlagerte sich das Geschehen als es dunkel wurde Richtung Montmatre. Irgendwie fanden uns Simon und Marc dort - sehr zum Missfallen von Louis. Denn plötzlich war auch Flint verschwunden.

Am nächsten Morgen reiste der erste Gott an: Baldr, der Liebling des Pantheons, wird die Asen vertreten. Sofia nahm sich ihm auf Marcs Bitte an, was ihr gar nicht so unrecht war. Vermutlich besser als irgendetwas asiatisches. Xin war schon nicht mehr ansprechbar, da er mit den Vorbereitungen für das Model alle Hände voll zu tun hatte. Marc fragte mich wegen ihr tatsächlich, wo man hier einen Jadethron her bekäme - als ob es diese in Massen gäbe. Ich verwies ihn an ein Museum. Er bat mich nur noch, dass ich mich um den Vertreter der Iren kümmern sollte, was ich schon erwartet hatte. Aber weit und breit gab es noch keine Anzeichen, wen ich zu erwarten hatte und vor allem wann.

Als ich am späten Nachmittag in meine Pension zurück kam, wartete dort Wildrose auf mich. Ich freute mich übermäßig und Ceo Riabh war begeistert - aber es schlich sich auch ein leicht mulmiges Gefühl in meine Magengegend. Ihr Erscheinen hieß, dass mein Vater am Kriegsrat teilnehmen würde. Und ich wusste nicht so recht, ob ich ihn kennenlernen wollte. Nein, kennenlernen wollte ich ihn schon. Aber es ging nicht in meinen Kopf, dass mein vielbeschäftigter bisheriger Dad eben nicht mein Dad sein sollte.
Ich brachte Wildrose sehr zur Freude Marcs nach Eurodisney. Wir richteten die Suite nach Lughs Wünschen her. Viel war es nicht: ein ordentlicher Vorrat an Met und Ale und Verbandszeug. Um Essen würde sich das hauseigene Restaurant schon kümmern. Laut Wildrose würde Lugh erst kurzfristig zur Konferenz erscheinen, da er gerade aktiv gegen die Titanen kämpfte. Ich hatte also noch Zeit. Und viel Freizeit, da sich Wildrose um das weitere Ambiente in der Suite kümmern wollte. Ich überließ ihr Marcs Kreditkarte. Meine spärlichen Ausgaben konnte ich auch von meinem eigenen Geld bestreiten.

Am nächsten Morgen war der verheerenden Waldbrand im Südwestens von Paris überall in den Nachrichten. Am frühen Nachmittag rief man mich an: Der Brand im Forêt Domaniale de Verrieres hatte eine übernatürliche Ursache. Die menschliche Feuerwehr würde nie dagegen ankommen. Man hätte einen Plan und jede Hilfe war willkommen. Natürlich sagte ich zu. Der Feuersalamander, der für den Brand verantwortlich war, würde nur ein schlechtes Licht auf Marc werfen, wenn er nicht unschädlich gemacht wurde.
Kaum war ich bei Miguel und Louis angkommen, nahm dieser uns zur Seite. Simon und Sofia organisierten gerade Feuerwehrauto, Stickstofftanks und ein Löschflugzeug. Aber wir könnten noch andere Hilfe bekommen. In einer Seitenstraße wartete Flint. Er bot uns Hilfe an - allerdings durften nur Miguel oder ich sein Geschenk annehmen. Louis war schon gestraft genug, was dieser schmollend hinnehmen musste. Flint zog ein Schwert hervor. Es würde helfen, sich gegen das Feuerwesen stellen zu können. Mir war etwas mulmig zumute. Ich hatte noch nie ein Schwert geführt. Ich sah das Leuchten in Miguels Augen. Flint blickt zwischen uns beiden hin und her und meinte, wir könnten uns so einigen oder aber wir könnten darum spielen. Ich wollte Miguel gerade die Waffe überlassen, als mich irgendetwas überkam. Kleinlaut beigeben bei einem Spiel? Niemals!
Bevor Miguel die Waffe ergreifen konnte, stimmte ich dem Spiel zu. Flint schmunzelte und zauberte ein Kartendeck hervor. Wir zogen Karten und das Schwert fiel an mich. Miguel war alles andere als begeistert.
Flint drückte mir den Griff in die Hand. Mir fröstelte leicht. Schnell schlang er ein Band um meine Hand und das Heft und murmelte einige fremdartige Worte. Dann sagte er, Frostbrand wäre an mich gebunden. Ein Schwert aus dem Zahn der Riesin Ymir. Er wünschte mir Glück und verschwand grinsend.
Jetzt hatte ich nur ein Problem: Ich wusste nicht, wie man mit einem Schwert, geschweige denn einem Anderthalbhänder, umgehen musste. Miguel hätte es gewusst. Und für einen Crashkurs in Sachen Schwertfechten blieb keine Zeit.
Sofia und Simon stießen zu uns. Xin wurde von seiner Göttin aufgehalten und Marcs Anwesenheit war anderswo erwünscht. Während wir uns mit Brandschutzsalbe in Feuerwehruniformen zwängten, machte sich Simon auf Richtung Löschflugzeug.
Wir besprachen gerade unseren waghalsigen Plan, als Sofia einen Anruf bekam. Gut gelaunt verabschiedete sie sich von uns, ihr Typ werde anderswo gebraucht. Also waren wir nur noch zu viert. Toll.
Miguel, Louis und Simon koordinieren ihren Einsatz noch. Das Flugzeug brauchte länger als erwartet. Und Timing war alles. Wir suchten uns erst einmal mit dem Löschzug unseren Weg zum Brand.
Doch anscheinend konnte sich Sofia nicht so richtig entscheiden, was sie nun tun wollte. Sie meldete sich bei mir, dass sie uns nun doch helfen wollte. So warteten wir auf sie, bevor wir uns der Feuerwehr anschlossen. Der Aufzug, in dem Sofia schließlich auftauchte, gehörte definitiv in die Kategorie "unpassende Kleidung": Im Cocktailkleid und komplett gestyled wollte sie dem Feuersalamander den Garaus machen. Den Feuerwehranzug zog sie sich zwar noch über, aber die Brandschutzsalbe sagte ihr nicht mehr zu, da sie später wieder Unmengen an Shampoo bräuchte, um die Salbe aus den Haaren zu bekommen. Das war für mich immer noch besser, als potentiell ohne Haare aus der ganzen Angelegenheit wieder herauszukommen. Aber ich hatte andere Probleme, als Sof wegen solcher Kommentare zur Schnecke zu machen. Manche lernen es eben nur auf die harte Tour.
Louis und ich redeten mit den Feuerwehrleuten. Wir waren also eine Spezialeinheit der Lyoner Feuerwehr. Man beobachtete uns zwar leicht misstrauisch, aber jede Hilfe wurde benötigt, da irgendetwas die Feuer immer wieder anfachte und man einfach nicht zum Brandherd durch kam. Der Hauptmann würde Augen machen, wüsste er, was da wirklich los war.
In irgendeine Richtung zeigend, machten wir uns auf zum Minivan, den Miguel mitgebracht hatte. Mit ihm fuhren wir wie ein Selbstmordkommando weiter in die Flammen.
Louis entledigte sich seines Anzugs. Hitze von Feuer machte ihm dank seines Vaters nichts aus. Stattdessen warf er sich in eine Hercules-Theme-Park-Rüstung und steckte sich ein Schwert und seinen Schmiedehammer an die Seite. Als es zu heiß für den Van wurde, machten wir uns zu Fuß weiter Richtung Brandherd. Sofia hatte sich ein Maschinengewehr geschnappt. Auch Miguel hatte sich mit schweren Waffen eingedeckt. Außerdem hielt alles von ihm Abstand, da er auf seinen Sprengstoff bestanden hatte. Ich hatte Frostbrand gezogen. Von dem Moment an, als ich das Schwert in den Händen hielt, war die Hitze der Flammen wie weggeblasen. Sie schienen sogar ein wenig vor mir zurückzuweichen.
Zügig folgten wir den Schneisen, die die Löschflugzeuge schlugen. Sie hielten nicht lange, und direkt durch Feuer wollte noch niemand. Ich bemerkte, dass die Flammen, die mir zu nahe kamen, kurz in ihrer Bewegung erstarrten.
Ein Flugzeug flog tiefer über uns hinweg als die anderen. Trotz der Entfernung, dem Rauch und den blendenden Flammen meinte ich, Simon auszumachen. Das Flugzeug warf etwas ab. Nicht weit vor uns prallte ein riesiger Tank auf den Boden. Kälte explodierte um uns herum, gefolgt von einer wütenden Feuerwand. Im letzten Moment konnte ich in Deckung springen. Miguel lag nicht weit, und Louis hatte sich schützend vor Sofia gestellt. Wenige Minuten später hatte ich weniger Glück. Der zweite Tank zielte auf den Salamander und eine weitere Flammenwand kam auf uns zu. Aber hier gab es keine Deckung mehr. Während sich Miguel und Louis der Welle entgegenstemmen konnten und Sofia zwar einen Großteil ihres Feuerwehranzugs einbüßte, aber elegant den Impuls mit einem Salto abfing, schleuderte es mich einige Meter weiter gegen ein Baumskelett.
Jegliche Flammen in einem Umkreis von zig Metern waren erloschen. Eine Ascheschicht überzog alles. Sollte es so einfach gewesen sein? Vorsichtig näherten wir uns einem kleinen Hügel in der Mitte einer ausgebrannten Lichtung. Plötzlich schüttelte sich der Ascheberg und ein Feuerring schoss in den Himmel. Ich war mittendrin und mir sicher, dass es mein Ende war. Doch um mich herum gefror das Feuer regelrecht und zersprang in tausende Splitter, bevor es erlosch. Nach vorne war die einzige sinnvolle Richtung. Ein zweites Mal würde ich nicht freiwillig durch die Feuerwand gehen - Schwert hin oder her.
Der Salamander war riesig. Wesentlich größer, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Louis war ebenfalls innerhalb des Feuerrings. Seine Rüstung war dahin geschmolzen und er prügelte auf das Untier ein. Versuchsweise führte ich das Schwert mit aller Kraft gegen die Seite des Tiers. Verfehlen konnte ich nicht, aber effektiv war ich damit auch nicht. Ungeübt hatte ich keine Möglichkeit, irgendeine Schwachstelle auch nur ansatzweise erkennen zu können. Und alte Filmweisheiten wie "Immer auf die Augen" waren wesentlich schwerer umzusetzen, als man glauben mochte.
Auch Louis schien kein besonderes Glück zu haben. Ich kam ihm in meinen unzureichenden Versuchen immer näher, und sah, dass auch sein Schwert mittlerweile geschmolzen war. Um mich herum war es angenehm kühl, aber Louis' sah man an, dass es ziemlich heiß war, vielleicht schon zu heiß für ihn. Eher nebenbei bekam ich mit, dass Simon einen Stunt aus dem Flugzeug machte und mit einem Fallschirm zufälligerweise auf dem Biest landete. Es scherte sich wenig um den Schwarzen, behandelte ihn eher wie eine lästige Fliege und zermalmte ihn. Irgendwoher kam Miguel durch die Flammenwand geschossen und nahm den bewusstlosen Simon mit sich. Louis und ich waren wieder allein.
In dem ganzen Durcheinander und Lärm schrie mir Louis irgendetwas zu. Er wappnete sich mit seinem Schild, das auch schon im Begriff war, den Geist aufzugeben. Mehr intuitiv als irgendetwas sonst folgte ich ihm. Ich hatte keine Ahnung, was er vor hatte. Indem er sein nutzloses Schwert gegen den Kopf des Salamanders donnerte, zog er die Aufmerksamkeit des Kolosses auf sich. Louis setzte zum Sprung an. In einem gewaltigen Satz drehte er sich, und stieß das Schild mit der vollen Wucht seiner Beine gegen den Kopf des Salamanders. Vom Impuls mitgezogen, hielt ich das Schwert wie einen Speer und trieb ihn, Louis knapp verfehlend, tief in den ungeschützten Hals der Bestie.
Der Salamander brüllte schmerz- und hasserfüllt auf. Doch anstatt sich auf uns zu stürzen, gefror er in seinen Bewegungen. Abwechselnd wurde es heiß und kalt - jetzt da ich Frostbrand nicht mehr in den Händen hatte, spürte ich die Hitze nur umso mehr. Ein letztes Mal bäumte sich der Salamander in einem Hitzeschwall auf, dann erstarrte er und wurde von einer Eisschicht überzogen. Entschlossen packte Louis seinen Schmiedehammer, nahm Anlauf und versetzte dem Eissalamander in einem gewaltigen Satz einen Schlag. Es klang eher nach einem Gong, als nach Glas oder splitterndem Eis - der Salamander zersprang, Frostbrand lag auf dem Boden.
Nach einigen Minuten Verschnaufpause war nun unser größtes Problem, unbemerkt mit unseren mehr oder minder Verletzten vom Brand zu entkommen, bevor uns die Feuerwehr zusetzte.
Louis informierte Marc, dass alles erledigt war.


les divertissements divinsBearbeiten

Ich war froh, als ich endlich die Brandsalbe aus den Haaren hatte. Wenigstens waren diese trotz des in Mitleidenschaft gezogenen Feuerwehranzugs unversehrt. Im Gegensatz zu denen von Sofia - ihre Haare waren nun ein ganzes Stück kürzer.
Ich kam gerade aus dem Bad, als es an meiner Tür klopfte. Sofia wollte mit mir sprechen, fragte mich mit unheilsschwangeren Blick nach meiner Zeit. Schulterzuckend bat ich sie herein - es war weit und breit immer noch nichts von Lugh zu sehen, somit hatte ich Zeit. Der Kriegsrat begann ja erst übermorgen. Sie druckste etwas herum, bevor sie mit der Sprache herausrückte, dass sie sich Sorgen um Louis machte. Er schien wenig an ihr interessiert zu sein, seit er den Fluch auf sich lasten hatte - welch ein Wunder. Und er ließe sich auch nicht helfen. Sofia wolle ihm ein wenig die Last abnehmen, und wenn es nur durch Reden ist; und da kam ich ins Spiel: der Kanadier schien sich sehr gut darauf zu verstehen, sich aus "Wir sollten Reden"-Situationen herauszuwinden und alles aufzufahren, was er an Verteidigungsmechanismen aufzuweisen hatte. Sofia war sich aber sicher, dass er zwei Frauen nicht entkommen konnte. Ich konnte ihre Sorge verstehen; allerdings beschäftigte mich der Kriegsrat, Frostbrand und mein Dad etwas mehr als Louis' Fluch. Aber da ich nichts weiter zu tun hatte oder nichts weiter tun konnte, stimmte ich zu, ihr mit Louis etwas zu helfen.

Wir machten uns also auf gen Eurodisney. Aber Louis war nicht in seinem Hotelzimmer. Einen Angestellten zu überreden, das Zimmer für uns zu öffnen, war nicht weiter schwer - es waren immer noch Franzosen. Anzügliche Andeutungen konnte ich getrost übergehen. Also begann das Warten. Sofia erklärte mir noch, dass sie unbedingt erreichen wollte, dass Louis das Gefühl hatte, man würde sich um ihn und sein Schicksal kümmern, dass er nicht allein wäre. Auch gut. Ceo Riabh genoss, dass ich Zeit für ihn hatte.
Plötzlich meldete sich Simon bei mir. Ich entschuldigte mich kurz bei Sofia, die wenig begeistert war. Also ob sie Angst hätte, dass Louis ihr wieder entwischte. Also auf zu Simon. Der wollte mir jedoch nur etwas klar machen, was ich selbst schon längst bemerkt hatte: Wir sollten wohl eine Gruppe sein, da unsere Gegner recht stark waren. Dass er Schicksalsfäden zwischen uns sah, war mir allerdings neu. Er gab mir einen kurzen Abriss über diese Fähigkeit und meinte, dass ich wohl mit dem Finden der Gegenstände eine ähnliche Gabe hatte. Vielleicht ließen sich diese irgendwann verbinden.
Doch zurück zum "Team": Von Einigkeit waren weit und breit wenig zu sehen. Im Gegenteil - wir hatten richtige Kleinkriege laufen und jeder machte nur sein Ding. Richtig widersprechen konnte ich Simon nicht. Doch an unserem Zusammengehörigkeitsgefühl ließ sich frühestens nach dem Kriegsrat arbeiten. Und so sehr sich Simon auch für Einheit aussprach, war er selbst doch einer derjenigen, die Zwistigkeiten herausforderten. Also wieder auf zu Sofia.
Louis war immer noch nicht aufgetaucht und Sofia hatte es sich zwischenzeitlich auf seinem Bett gemütlich gemacht und vor sich hingedöst. Ob das so eine gute Idee war?

Endlich tauchte Louis auf, aber er war wenig begeistert über unseren Besuch. Noch weniger, als Sofia ihm eröffnete, das wir "nur reden" wollten. Er verabschiedete sich erst einmal ins Bad.
Ein paar Minuten mehr oder weniger Warten, machte nun auch nichts mehr. Plötzlich zogen einige Schmetterlinge, die vor dem Fenster gaukelten, meine Aufmerksamkeit auf sich. "Kleiner Schmetterling" schoss es mir durch den Kopf und Unruhe erfasste mich. Auch Ceo Riabh war aufgeregt. Ohne viel Aufhebens verabschiedete ich mich von einer sichtlich verwirrten und entnervten Sofia. Sie würde das mit Louis auch ohne mich schaffen.
In der Lobby traf ich Wildrose. Überrascht war ich nicht wirklich darüber. Sie bestätigte, dass Lugh ankommen würde. Schnell waren zwei Wägen organisiert. Auf meine Frage, wo Lugh denn ankäme, wusste Wildrose auch keine genaue Antwort. Wir sollten aufs Land fahren, ins Grüne. Sie würde den Gott schon finden.

An einer ausgedehnten Weide lies Wildrose den Fahrer halten. Ich harrte also der Dinge, die da kommen würden - daraus schien ja bisher der ganze Tag zu bestehen - dann tauchten ohne großes Brimborium fünf Männer und einer Meute Hunde auf der Wiese auf. Sie kamen einfach gelaufen. Und in der Mitte mein Vater... also, mein Dad... nicht irgendein Gott, sondern Luke (verdammte Namensähnlichkeit!), von dem ich ein Foto im Geldbeutel und meine Mum ein halbes Dutzend Fotoalben voll hatte - und der versucht hatte, zumindest an Weihnachten und zu Geburtstagen da zu sein. Ich konnte nicht anders, als mich freuen und ihn umarmen. Darum traf es mich umso mehr, dass er verletzt war.
Er stellte mir seine vier Begleiter vor. Sidhe - Feenwesen wie Wildrose, nur diesmal die Kämpferausgabe. Sie wirkten alle sehr ernst. In diesem Moment fast göttlicher als mein Dad. Das einzige, was an diesen Momenten störte, war Marcs penetranter Versuch, mich zu erreichen.
Im Auto kam es dann zu einem ersten eher ungelenken Gespräch. Lugh entschuldigte sich förmlich dafür, dass mir ein normales Leben vergönnt sein wird - aber die harten Zeiten erfordern solche Maßnahmen. Und sein Zustand - bisher der einzige verletzte Gott, den ich mitbekommen hatte - ließ daran keinen Zweifel. Zumindest gehörte er wohl zu denen, die aktiv in den Kämpfen mitmischten. Er kam direkt von einem der Schlachtfelder. Nun wüsste ich, warum er so selten zu Hause war. Meine Mum hingegen kannte nur seinen menschliche Form als Luke Connolly, der Journalist. Und er würde es auch gerne dabei belassen. Während des Gesprächs musste ich mehrfach Marc wegdrücken, der immer noch überaus penetrant versuchte, mich zu sprechen und das Abweisen einfach nicht hinnehmen wollte. Schließlich wollte Lugh das Handy haben, als ich es gerade abschalten wollte. Schnell war Marc zu meiner Belustigung sehr kleinlaut und ließ sich zum Essen zitieren.

Marc brachte sich Verstärkung mit: Simon nahm die nachträgliche Einladung gerne an. Und auch Xin wurde hereingebeten, bevor er wieder verschwinden konnte - er hatte versucht, ein Foto von Lugh zu ergattern. Bei einem opulenten Mahl saßen wir nun. Marc bekam gleich - sehr zu meiner, aber auch Simons und Xins Belustigung - die väterliche Fürsorge zu spüren. Ihm wurde ein göttliches Donnerwetter prophezeit, sollte er es wagen, irgendwann Anlass zu geben, dass ich leiden muss.
Simon hingegen versucht sich wieder als Unruhestifter - und das trotz seiner Predigt von Einheit und Gruppengefühl: Er erwähnte Frostbrand, wohl in Erwartung eines Donnerwetters von Seiten Lughs. Das wäre für Simon nur eine Bestätigung gewesen, hatte er sich doch schon vorher darüber mockiert, dass wir Frostbrand einfach so angenommen hatten. Allerdings dachte mein Vater gar nicht daran, mir Vorhaltungen zu machen. Er wollte das Schwert sehen. Nach eingängiger Betrachtung meinte er lapidar, dass er eh erwartete, dass sich seine Kinder an Questen versuchen. Das war bei den Iren schon so etwas wie Tradition. Und diese Queste schien ihm angemessen. Simon war baff. Danach erst versuchte Simon, mich in höchsten Tönen zu loben. Auch wenn der den Großteil einen ehrlich gemeinten Kern hatte, war ich ob der honig-triefenden Formulierungen misstrauisch.
Als die anderen Götterkinder sich verabschiedet hatten, folgten noch ein kleines, privates Gespräch. Und die Verabredung mit Sofia am nächsten Morgen zum Frühstück.

Sofia war sichtlich verwirrt, als ich am nächsten Morgen mit Luke im kleinen Cafe aufkreuzte. Nervös blickte sie immer wieder zu mir. Auf der Toilette macht sie sich ernsthafte sorgen, dass sich Luke und mein "göttlicher Vater" begegnen könnten. Dass Lugh schon die ganze Zeit seelenruhig mit ihr plauderte, machte mir das Frühstücken schwer. Ich musste an mich halten, nicht vor Lachen auf dem Boden zu liegen, vor allem, da er selbst einen großen Spass an Sofias ausweichenden Antworten zu haben schien.
Doch es wäre durchaus zu viel verlangt gewesen, das Frühstück in Ruhe genießen zu können: plötzlich hörte ich gedämpfte Schreie. Sofia waren sie auch zu Ohren gekommen. Bei meinem Dad zweifelte ich nicht daran. Sofia entschuldigte sich kurz mit einem vielsagenden Blick zu mir, und wir machten uns auf zur Hintertür des Cafes. Ein kurzer Blick, und ich machte mich wieder auf, Richtung Küche. Ein Basilisk - dass es einer war, hatte ich erst später erfahren - trieb hier sein Unwesen. Zwei Passanten hatte er schon zu Stein verwandelt. Die Küche war der wahrscheinlichste Ort für eine Waffe, da ich Frostbrand natürlich nicht dabei hatte, und der Weg reichte auch für einen Notruf an Marc. Aus den Augenwinkeln sah ich Sofia bereits akrobatisch davonhüpfen.
Der Küchenchef brauchte einige Momente der Überredungskunst, bevor er sein größtes Messer freiwillig herausrückte - leider zu viele, als dass es noch gut um Sofia stand. Unbewaffnet hatte sie sich auf das Vieh gestürzt, welches gerade im Begriff war, sie ebenfalls in eine hübsche, kleine Statue zu verwandeln. Verdammter Alleingang!
Bevor ich irgendetwas tun konnte, flog ein Speer an mir vorbei und vernichtete den Basilisken. Am Eingang der Gasse stand Lugh, in einer wahrhaft göttlichen Erscheinung; anders kann ich es einfach nicht beschreiben. Aus der Rüstung glänzte es golden, seine Haare standen wie eine Flammenenkrone hinter dem maskenartigen Helm und es war, als wollte mich etwas zu ihm ziehen.
Er ging auf Sofia zu, die ihn ebenfalls gebannt anstarrte. Schmerzen standen ihr trotz ihrer Bewunderung immer noch ins Gesicht geschrieben. Was er ihr genau sagte, daran erinnere ich mich nicht mehr. Er heilte sie von den sicht- und unsichtbaren Verletzungen, die ihr ihre heldenhaften Aktionen beigebracht hatten, was sie vor bleibenden Lähmungserscheinungen bewahrte. Man sah förmlich, wie die Erkenntnis sich ganz langsam in ihren Kopf und ihren Gesichtsausdruck schlich, dass der Gott vor ihr mein Vater war.
Schon kamen die anderen ganz außer Atem von ihrer rasanten Taxifahrt an den Ort des Geschehens. Miguel schien sichtlich beleidigt, dass der Kampf schon vorbei war. Und Lugh meinte, dass seine göttliche Präsenz sich wohl besser aus Paris verabschiedete, bevor noch andere, größere Dinge als dieser Basilisk auftauchten. Sofias Heilung hätte ein ganzes Stück göttlicher Macht benötigt und das Chaos wäre unvorstellbar, bliebe er noch länger. Sofia steckte noch schnell die beiden Augen ein, die als einziges vom Baskilisk übrig geblieben sind. Lugh deutete an, dass sie durchaus noch mächtig wären.
Simon bot sich an, sich um die beiden Menschenstatuen zu kümmern, die auch ein Gott leider nicht mehr zum Leben erwecken konnte.

So kam ich auch schnell auf den nächsten Punkt in meiner Abarbeiten-Liste: Ich hatte nun Frostbrand und keine Ahnung davon, wie ich das Schwert führen sollte. Und jetzt nach der Sache mit dem Basilisken, war mir das nochmal in Erinnerung gerufen worden. Lugh verwies mich an die vier Sidhe, die mit ihm gekommen sind. Aber er hält auch Miguel für einen guten Ansatzpunkt. Ich hielt mich erst einmal an die Sidhe, solange ich auf sie zurückgreifen konnte.

Mein Dad zog sich zurück, und mein Handy klingelte wieder einmal. Ich war tatsächlich erstaunt, dass Miguel mich beinahe panisch anrief. Der Vertreter seines Pantheons war da und Miguel war vollkommen überfordert. Quetzacoatl war das völlige Gegenteil eines Kämpfers und seine Forderungen entnervten den armen Miguel. Ich machte mich auf zum Appartementhaus, in dem der Aztekengott untergekommen war - nicht in Eurodisney - und wurde dort von Simon hochgelotst. Während Simon mir grinsend von Louis und Sofias kleinem Stelldichein erzählte, war Miguel fast am Rande des Nervenzusammenbruchs. Innerlich war ich schon ein wenig angepisst - ich missgönnte Sofia ihr kleines Abenteuer nicht, aber anstatt Butter bei die Fische zu geben, dass ich nur Anstandswauwau spielen sollte, kam sie lieber auf die Fürsorgeschiene...
Grummelnd half ich Simon, Miguel und den Gott inklusive Gefolge bei Laune zu halten, bis Quetzacoatl plötzlich ein Aktmodell verlangte. Nicht, dass ich prüde wäre, aber irgendwie stand mir in dem Moment wenig der Sinn danach, für irgendwen zu posieren.
Also ein kurzer Anruf bei Marc. Ich war mir ziemlich sicher, wen er schicken würde. Und tatsächlich. Keine zwanzig Minuten später stand Sofia auf der Matte. Miguel hatte ein Grinsen im Gesicht und versuchte, die Fotofunktion seines Handys zu aktivieren. Ich drückte ihm meine semiprofessionelle Kamera in die Hand, die ich noch vom Parisrundgang in der Handtasche hatte und verabschiedete mich.
Da meldete sich Marc wieder bei mir. Zum einen war ein Kennenlerntreffen angesetzt am nächsten Nachmittag, das die Anwesenheit meines Vaters verlangte. Und Agni, ein indischer Gott, hatte eine Willkommensparty am nächsten Abend geplant, die man auch nicht wirklich ausschlagen sollte.
Ich gab meinem Dad Bescheid und während Wildrose sich um mich kümmerte, schloss ich mit dem Tag ab. Dachte ich zumindest, denn Marc hatte ein Händchen dafür, sich immer im ungünstigsten Moment zu melden. Ich war schon fast eingeschlafen, da rief er noch einmal an und bestellte mich für den nächsten Tag zu seinem Dad. Nicht vor elf Uhr sollte ich dort eintreffen, aber es war wichtig...


Ménage à "fond"Bearbeiten

Da ich nicht wusste, wie lange das Gespräch mit Sobek dauern würde und wie viel Zeit mir dann zum offiziellen Kennenlerntermin blieb, holte ich neue Kleidung aus der Pension. Dort fand ich eine kunstvoll gearbeitete Miniaturausgabe des Feuersalamanders auf meinem Nachttisch. Aber Zeit, um Louis zu suchen und mich zu bedanken, hatte ich gerade nicht.

Marc erwartete mich schon zum Treffen mit seinem Vater. Sobek ließ sich ein ausgedehntes Frühstück bringen, zu dem er uns einlud. Er fragte, wie sein Sohn sich schlug. Ich war nicht wirklich scharf darauf, Marc irgendwie in den Rücken zu fallen - er hatte sich ja bisher auch erstaunlich gut geschlagen, trotz der gelegentlichen Beinahe-Panikattacken. Regeres Interesse hatte der bisher eher gemütlich wirkende Sobek an Frostbrand. Ich lies das Schwert für ihn holen. Er schenke der Klinge große Aufmerksamkeit. Was er davon hielt, dass mich die an das Schwert gebundene Quest derzeit wenig störte, konnte ich nicht an seiner Reaktion ablesen. Dann entließ uns Sobek, um sich für das erste Treffen vorzubereiten - nicht ohne zuvor meine Gesellschaft für den Abend zu fordern.
Grinsend spielte mir Marc auf dem Gang eine Tonaufnahme vor: Sofias war anscheinend am Abend zuvor noch Sobeks "Gesellschaft" gewesen - wohl nach der Malstunde bei Quetzacoatl. Schmunzelnd hörte ich zu und verschwieg geflissentlich die Bilder auf der Kamera.

Das Kennenlerntreffen war hingegen nicht sehr erfreulich. Zum einen war alles sehr formell und steif und die Hälfte der Götter schien sich eher unwohl dabei zu fühlen, während die andere Hälfte voll in der Formalität aufzublühen schien. Zum anderen hatten wir zwei mehr oder minder kleine Probleme: Baldr war nicht anwesend und Sofia hatte jeglichen Kontakt zu ihm verloren.
Zudem zog mich Sofia beiseite. In einer Vision hatte sie den Untergang von Paris, den Göttern und der Welt gesehen. Sie hatte ein Bild im Kopf vom Ausgangsort, wusste aber nicht, wo das war. Eine Raffinerie. Ich versprach ihr, mich darum zu kümmern und setzte Luc auf die Fabriken an. Er hätte gerne mehr erfahren als das Dürftige, was ich ihm erzählen konnte. Und es tat mir auch Leid, nur wenige Informationen liefern zu können. Aber er versprach, eine Liste der Raffinerien um Paris herum zu besorgen - inklusive Bilder.

Währenddessen hatten sich die anderen eingefunden und versuchten, Baldr ausfindig zu machen. Aber er war nicht in seinen Räumen und wohl auch nicht in Eurodisney. Aber niemand hatte irgendwelche Anhaltspunkte. Also holte ich wieder mein Diadem. Der silbrig weiße Faden, der sich beim Gedanken an Baldr formte, wies in Richtung Paris Stadt. Die anderen organisierten schnell Autos und so machten wir uns in die Stadt - inklusive der Eskorte für mich, die mein Dad abgestellt hatte.
Es war kein gutes Viertel, in das der Faden uns führte. Rotlichtmilieu der untersten Schiene. Er leitete uns direkt an ein Bordell. Während ich an die Tür klopfte, machten sich Xin, Miguel und Louis in den Hinterhof in das Gebäude. Niemand öffnete uns. Nach ein paar Minuten stand Louis an der Tür. Im Parterre lagen einige bewusstlose Männer, Format Schläger. Vorsichtig machten wir uns auf in das obere Stockwerk. Doch auch hier waren keine potentiellen Angreifer. Nur ein Gott inmitten aufgelöster, junger, mehr schlecht als recht bekleideter Mädchen. Baldr versuchte, die Mädchen zu beruhigen. Er habe auf seinen Streifzügen durch Paris hier großes Leid gefühlt und nicht umhin können, eine helfende Schulter zu bieten. Zuerst war ich gerührt von dem Anblick. Aber je länger ich der Erklärung Baldrs lauschte und der Verlautbarung, dass die Mädchen auf keinen Fall zurückgelassen würden, desto mehr hätte ich Baldr am liebsten eine übergezogen. Wenn man ihn ansah, konnte man das Bedürfnis, Trost zu spenden, übermäßig spüren - doch bei einer Stadt der Größe Paris war ich mir sicher, dass es noch Dutzende ähnlicher Etablissements gab, und wollte der Gott da auch allen Mädchen Händchen halten? Wenigstens bot er an, die Mädchen mit seiner Privatmaschine ausfliegen zu lassen, wenn wir sie nur da hin brachten.
Während dieses Hin und Hers erledigten Louis, Miguel und kaltes Wasser noch mehr oder minder blutig einige Schläger, deren Boss vermutlich das Bordell gehörte.
Völlig entnervt bat ich Simon, doch etwas für die Mädchen zu organisieren. Anstatt private Limousinen anzufordern, hielt er einfach einen Busfahrer an und gab Baldr als berühmten Rockstar und die Mädchen als dessen Groupies aus. So kamen wir fast unbehelligt zum Flughafen, checkten die Ladies ein und holten Baldr zurück zu den Göttern.

Dieses kleine, eher nervige Zwischenspiel hatte ein Gutes: Es hatte Luc die nötige Zeit verschafft, mir die Raffinerien für Sofia herauszusuchen. Ich brachte ihr die Fotos. Außerdem wollte ich wissen, warum sie nicht alle in ihre Vision einweihte. In einigen kurzen Gesprächen hatte ich mitbekommen, dass bei weitem nicht alle von ihren düsteren Ahnungen wussten. Sofia wand sich: Man könne hier doch eh nichts geheim halten und sie fühlte sich nicht ernst genommen. Alles passiere hinter ihrem Rücken. Sie war baff, als ich lapidar meinte, dass das normal wäre, wenn sie sich lieber durch Götter und deren Kinder poppe, anstatt mit uns allen zu reden. Irgendwie hatte doch jeder mit den anderen zu tun. Gruppengefühl hin oder her - Verschweigen war diesem sicherlich nicht förderlich.
Beleidigt schickte mich Sofia weg, da sie sich erst einmal durch den Stapel Information wühlen musste. Und außerdem stand Agnis Fest an.

Ich ließ mich also von Wildrose wieder herrichten. Ihr schien das wesentlich mehr Spass zu machen als mir und sie hatte dafür ein wesentlich besseres Händchen und Auge.
Das Fest begann fast wie das nachmittägliche Kennenlerntreffen etwas steif. Aber Marcs und Sobeks kräftige Mithilfe in Form eines Escortservices machten daraus schnell eine erheiternde Party - und die meisten Götter sprangen gerne auf die ausgelassenere Stimmung an. Und nicht nur die Götter.
Simon nahm mich beiseite. Er drückte mir sein altes, mit schon teigigem Leder bezogenes Grimoire in die Hand und wies mich an, eine gewisse Seite zu lesen. Es war eine Formel voller okkulter Wendungen. Kaum war ich fertig, breitete sich vor mir ein Netz mehr oder minder stark leuchtender Fäden aus. Sie waren derer nicht unähnlich, die ich sah, wenn ich Gegenstände verfolgte. Nur verbanden die Fäden Menschen, Götter und Götterkinder untereinander. Das war es also, was Simon sah, wenn er es wollte.
Doch natürlich war seine Motivation alles andere als selbstlos. Zuerst lenkte er meinen Blick auf die recht starken Fäden, die zwischen den Mitgliedern unserer Gruppe verliefen. Auf der Party war das nicht weiter schwer auszumachen, auch wenn die Götter zahlreiche wesentlich heller leuchtenden Verbindungen aufwiesen. Dann wies er auf Louis. Auch von diesem gingen die Fäden aus - doch im Gegensatz zu uns anderen umgab ihn ein kunstvoll fein verflochtener Kokon, von dem ein seltsames Schimmern ausging. Und noch etwas anderes war noch seltsam. Die junge Frau, mit der er gerade wieder aus den Büschen kam, wies auch schon einen ganz dünnen Faden zu Louis auf - und ein noch schwächerer Faden führte aus ihrem Bauch in zwei Richtungen: in die Stadt und zu Louis.
Als ich versuchte, Louis abzufangen und ihn zumindest zu warnen, kam dasselbe wie immer: Alle Schotten runter, man wolle ihm ja nur den Spass verderben. Er verschwand grummelnd mit der Frau im Hotel. Zur Not würden wir wieder hinter ihm aufräumen müssen...
Ich wollte gerade meinen Vater zu Rate ziehen, da verschwand dieser ebenfalls in der Pflanzenwelt - nicht zu einem Stelldichein, sondern er verschwand wirklich. Irgendwo schien es Probleme zu geben. Folgen konnte ich ihm jedenfalls nicht. Hoffentlich schaffte er es zurück zum eigentlichen Kriegsrat.

Also gesellte ich mich zu Sofia. Ihre Laune war auch nicht die Beste, aber wenigstens glaubte sie nicht, dass sich alle Welt gegen sie verschworen hatte. Sie bedrückte eher, dass es wohl halbwegs die Runde gemacht hatte, dass sie mit Sobek intimer geworden war - und dass anscheinend ihre "Qualitäten im Bett" verglichen worden waren. Ich riet ihr, dass sie das eher als Kompliment sehe sollte. Als ob sie nie mitbekommen hätte, wenn die Mädels im Verbindungshaus über ähnliches geredet hatten... wobei, bei genauer Überlegung, hatte sie das wohl wirklich nicht mitbekommen... Ich holte Simon zur Hilfe. Ganz konnten wir Sofia zwar nicht überzeugen, das Gerede mit einem Schulterzucken abzutun, aber wenigsten besserte sich ihre Laune.
Als dann Marc mit seinen Mädels ankam, um uns zu einem flotten Fünfer oder Sechser zu überreden, war das Gesicht von Sofia einfach göttlich. Und als sie meinte, sie wolle nur Zusehen, wäre ich fast vor unterdrücktem Lachen geplatzt. Einen Moment hatte ich wirklich mit dem Gedanken gespielt, Marc seinen Gespielinnen abspenstig zu machen, nur um zu sehen, wie sein Vater reagieren würde. Aber wir wollten Marc ja den Hals retten und diesen nicht in eine perfekte Schlinge legen. Außerdem waren mir da mindestens vier "Damen" zu viel.

Ich hatte schon fast gehofft, dass Sobek vergessen hatte, dass er meine Anwesenheit für den späteren Abend gefordert hatte. Zumindest sah es lange Zeit so aus, als er sich mit den anderen Göttern, seinem Sohn und den Escortladies im Pool vergnügt hatte, der auch mir kurzzeitig Dank Marc zum Verhängnis geworden war. Doch dann wurde ich auf die Suite gebeten. Noch hatte ich die Tonaufnahme im Hinterkopf.
Sobek überraschte mich. Anstatt es kurz und bündig abzuhandeln wie bei Sofia, hatte er mir altägyptische Kleidung herauslegen lassen. Seine Bediensteten zeigen mir mit einer Engelsgeduld, wie man sich im alten Ägypten schminkte. Der Gott selbst ließ ein opulentes Mahl auffahren und Tanz und Musik spielte auf. Es schien Sobek Spass zu machen, mir die alten Namen der Gerichte beizubringen und die Tanzschritte zu zeigen und sich sehr gepflegt unterhalten zu lassen.
Als ich am nächsten Morgen duschte, kam Marc in die Suite, um mit seinem Vater zu reden. Er grinste mich zwar breit an, als ich mich dazu gesellte, aber im Gegensatz zu Sofia konnte ich darüber hinwegsehen. Sobek war nicht erfreut über Sofias Vision, über die Marc zu berichten wusste. Es gefiel dem Gott überhaupt nicht, so im Unklaren zu sein. Er lies weitere Sicherheitstruppen arrangieren und deutete seinem Sohn ziemlich unverhohlen an, dass es ungut für ihn wäre, sollte sich die Vision bewahrheiten.


Mieux vaut une fin effroyable...Bearbeiten

Zum Mittag hatte Sofia die Raffinerien aussortiert. Es kamen drei in Frage. Auf den Fotos stimmten die Winkel nicht mit der Vision überein. Es blieb also nichts anderes übrig, als sie persönlich abzuklappern. Marc erwähnte die Sicherheitstruppen, die Sobek angefordert hatte - und Louis erwähnte beiläufig, dass auch die Griechen um ihren Schutz besorgt waren, und Kämpfer geschickt hatten. Soviel zur Geheimhaltung der Vision.
Also wurden drei Wägen aufgetrieben. Perfekt. Louis musste mich ertragen - aus dem Auto konnte er nicht fliehen. Ich konnte ja nachvollziehen, dass er auf dem Zahnfleisch ging. Der Fluch lag zwar erst seit zwei oder drei Wochen auf ihm, aber auch ich wollte den nicht so lange haben. Allerdings fing er an, alles auf die Goldwaage zu legen, was man zu ihm sagte und das nur ansatzweise ihn betraf. Und dabei stellte er sich zimperlicher an als ein ägyptisches Totengericht: Von vorneherein war alles, was man ihm nahelegte, nur deshalb gesagt, um ihm die Laune zu verderben. Dass man ihm helfen wollte oder sogar konnte, weigerte er sich schlicht, überhaupt in Betracht zu ziehen.

An der ersten Raffinerie bekamen wir, insbesondere Marc, schnell zu spüren, was Sobek mit "Sicherheitstruppen" gemeint hatte: die Raffinerie war besetzt von ägyptischen Kämpfern. Nicht so altertümliche mit Krummschwert und Lendenschurz. Maschinengewehre und Schutzanzüge waren überall zu sehen. Und auf uns zu kam eine junge Frau mit grimmigen Gesichtsausdruck, die zuerst Sofia als "Indikator" beleidigte und dann Marc vermöbelte. Mert hieß sie und war Marc Halbschwester, die sich nur körperlicher Überlegenheit beugte. Sie habe hier alles im Griff mit ihrer Truppe.
Sofia deutete an, dass diese Anlage auch unmöglich die ihrer Vision sein könnte. Also schmerzt es nicht, Mert ihre Überlegenheit am falschen Ort zu lassen.

Also ging es auf zur zweiten Raffinerie. Unterwegs kam uns Miguel abhanden, für den Quetzacoatl wieder Spezialaufträge hatte, die Miguel mit einem erzwungen fröhlichen Lächeln ausführen durfte.
Sofia brauchte einige Zeit, um sich zu erinnern, ob es sich diesmal um das Objekt ihrer Prophezeiung handelte. Währenddessen mischten Louis, Marc und ich fast einen Beobachtungswagen einiger sehr ägyptisch-arabisch aussehender Beobachter auf. Sofia war sich nicht sicher, ob es nun der richtige Ort war, denn einiges passte, anderes hingegen nicht. Und auf ein "Vielleicht" wollten weder sich Simon noch ich mich einlassen. Also ging es auf zur letzten Raffinerie.
Diesmal machte zufälligerweise ein griechischer Feinkosttransporter mit getönten Scheiben hier sein Mittagspäuschen.
Sophia strahlte vor Glück, als sie uns wieder nach einiger Bedenkzeit eröffnen konnte, dass es sich um die gesuchte Immobilie handelte. Jetzt musste man nur noch eine Explosion verhindern. Ein Termin bei der nächstmöglichen Führung war schnell gemacht. Selbst mit Simon gab es keine Probleme bei der Passkontrolle und so fanden wir uns mit ein paar weiteren Interessierten auf dem Weg ins Innere der Anlage. Ceo Riabh und Jadeauge wurden im Auto abgestellt. Die übrigen Affen ignorierte ich geflissentlich.
Mich interessierte die Raffinerie abgesehen vom Layout herzlich wenig. Und auch Xin und Louis langweilten sich zu Tode, so dass leise Gespräche begannen. Sie waren eine gute Ablenkung, dass ich ohne Probleme Sicherheitscodes sehen konnte. In der Souvenierabteilung deckte sich Louis mit einem Schirm ein. In Sofias Vision hatte es geschüttet und der Himmel sah uns auch nicht freundlich gewogen aus.

Draußen bestätigte Simon meinen Verdacht, dass ein Punkt in der Führung übergangen worden war. Einer Eingebung folgend, drehte ich mich zu Xin und fragte rundheraus, wo denn Jadeauge sei. Glücklicherweise schaltete der Schauspieler schnell, schlug die Hände über dem Kopf zusammen und eilte in Richtung Raffinerie. Ich meinte noch zu Simon, dass wir uns in der Raffinerie treffen, und folgte dem Chinesen.
Verzweifelt versuchte Xin, dem Wachmann klar zu machen, dass Jadeauge unbezahlbar für den nächsten Dreh sei, als ich und zu meiner Überraschung auch Louis aufschlossen. Der Pförtner war schon halb überredet - es fehlte nur noch der richtige Ton. Und schneller als gedacht, waren wir wieder auf dem Gelände. Zwar hatten wir zwei Wachleute im Schlepptau, aber das hielt uns nicht davon ab, mit Jadeauge ein lautstarkes und hoffentlich ablenkendes Katz-und-Maus-Spiel zu spielen. Als es schließlich zu regnen anfing, lotsten wir die Wachleute zur Kantine, wo Louis ihnen noch eine heiße Schokolade abluchsen konnte.
Das war gutes Timing, denn in diesem Moment rief mich Simon an. Sie hätten hier jemanden gefunden, mit dem Marc ein Hühnchen zu rupfen versuchte; die Kampfgeräusche waren nicht zu überhören. So, wie Simon es kommentierte, war Marc nicht sehr erfolgreich darin. Aber der vergessene Besichtigungspunkt war ein guter Ausgangspunkt, denn hier sollte die Fabrik wohl sabotiert werden. Xin grinste, und rief laut auf, er hätte Jadeauge entdeckt. Und tatsächlich. Das Äffchen schnitt Grimassen und machte alle möglichen und unmöglichen Faxen, damit das Sicherheitspersonal auch ja auf es aufmerksam wurde. Dann sprang es davon in Richtung unseres Treffpunkts. Xin, ich und die Wachleute sprinteten hinterher; Louis fluchte, weil es draußen wie aus Eimern schüttete, und versuchte, sich unter dem Schirm trocken zu halten. Xin teilte seinen Schirm mit mir, wo auch immer er den gerade hergezaubert hatte.

Wir schlitterten Jadeauge hinterher, auf eine aufs schwerste demolierte Stahltür zu. Ein Sicherungskasten hing herausgerissen an der Wand, was die Wachleute in helle Aufregung versetzte. Wie im Film flirren kleine Blitze über die Regenpfützen in der Nähe der offenliegenden Starkstromleitung. Obwohl Simon draußen stand, schien im Inneren des Gebäudes Chaos auszubrechen. Besagter Chaot versuchte daraufhin mit Marc, sich außerhalb des Baus nützlich zu machen. Irgendetwas von Ventilen riefen sie sich zu. Ich folgte mit Sofia, Louis und Xin den Wachleuten, die in das Gebäude gestürzt waren, bevor man uns aufzuhalten versuchte.
Das Problem war schnell erkannt: Auf einer Plattform ziemlich in der Mitte des Gebäudes und hoch über den Tanks stand ein Hüne. Selbst vom Eingang aus gesehen war er riesig. Und er schien gar nicht damit einverstanden, dass ein Wachmann die Leiter zu ihm hinauf kletterte, um ihm zu erklären, dass er nicht hierher gehöre. Jenen Wachmann nahm der Riese nämlich einfach und stieß ihn über die Brüstung. Ein geistesgegenwärtiger, beherzter Sprung Xins rettete den armen Wachmann.
Währenddessen machten sich Louis und Sofia akrobatisch auf den Weg über mehrere Leitungen und Rohre zur Plattform. Louis schien es spaßig zu finden, dem Kerl einen Zettel, den dieser aus der Tasche zog, aus der Hand zu reißen und ihn höhnisch auszulachen. Er sprang mit dem Stück Papier gekonnt auf den Rand eines Ölbeckens. Der Hüne war anscheinend fast so dumm wie Brot, denn er folgte Louis. Fast, weil er vorher in einem kleinen Tantrum das Schaltpult platt machte, als wären seine Fäuste ein Dampfhammer. Dumm, weil er nicht Louis' Leichtfüßigkeit hatte und im Öltank landete.
Ich schnappte mir die Wachfrau, die die Szene panisch beoachtete, und schüttelte sie zur Raison. Ich musste tatsächlich laut werden, um einen Walkietalkie zu bekommen, an dessen Ende jemand mit Ahnung war. Der lotste mich zum Schaltpult in wackeliger Höhe. Da die Konsole nicht mehr zu retten war, riss ich einen Teil der Verkleidung ab, um mich an den Kabeln im Schaltpult zu schaffen zu machen. Bevor ich unter dem Pult verschwand, rief ich nach Ceo Riabh - viel Hoffnung, dass er mich hörte, hatte ich allerdings nicht. Vom Geschehen um mich herum war ich dann abgeschnitten.
Plötzlich riss mich jemand unter dem Pult hervor und hielt mir schneller Mund und Nase zu, als ich reagieren konnte. Ich realisierte langsam, dass es Xin war. Er deutete nach oben. Von der Decke nieselte es Stickstoff und an einem Loch in der Decke stand Marc, ein Rohr in den Händen. Ich bedeutete Xin, dass ich verstanden hatte. Den Atem anhaltend machte ich mich wieder unter das Schaltpult. Irgendwann, meine Luft war schon knapp, schob jemand ein Atemgerät zu mir, das ich dankbar annahm. Dann drängte sich jemand halb neben mich, um an das Funkgerät zu kommen. Ich hörte gedämpft, wie Louis etwas brüllte. Und plötzlich war Ceo Riabh da und meinte, dass er natürlich Frostbrand herbeischaffen könnte; was für eine Frage. Er verschwand wieder.

Der Techniker am Funk redete wieder ununterbrochen mit mir. Plötzlich tat sich etwas. Das war alles, was ich laut dem Fachmann vom Pult aus tun konnte. Also krabbelte ich endlich aus der Enge hervor. Auch ohne die nervenaufreibende Arbeit an etwas komplett Unbekannten war es immer noch heiß. Der Hüne hatte sich in einen Feuerriesen verwandelt und die Hitze, die er ausstrahlte, erreichte langsam Dimensionen, dass wir hier oben in kürzester Zeit gebraten würden. Xin, der noch immer neben mir Wache stand, bot mir an, mich schnell nach unten zu bringen. Warum kann eigentlich jeder außer mir irgendwelche unmöglichen Distanzen in beliebiger Richtung ohne größere Verletzungen überwinden? Xin katapultierte uns zur Brandschutztür. Perfekt. Hier konnte ich auf Ceo Riabh mit Frostbrand warten - freiwillig wollte ich mich dem Feuerriesen nicht ohne angemessenen Schutz gegenübertreten. Ich beobachtete die unwirkliche Szene.
Louis schien in seinem Element zu sein. Schwert in der Hand stellte er sich dem Unding. Währenddessen versuchte Marc von der Decke aus, den Riesen mit einem Strahl aus flüssigem Stickstoff zu löschen. Weder Simon noch Sofia oder einen Wachmann konnte ich entdecken. Ceo Riabh kratzte gerade wieder an der Tür, als Louis zum finalen Schlag ansetzte. Grimmig stieß er zu und bohrte das Schwert bis zum Heft in den Riesen. In einem gewaltigen Feuerball löste sich der Riese auf. Xin warf sich schützend vor mich. Als sich meine Sicht wieder klärte, standen sowohl Louis als auch Xin sogut wie ohne Kleidung da, Meine Kleidung hatte sich in etwas verwandelt, was gut einem Steinzeitcomic entsprungen sein könnte. Von oben versuchte Marc, das Feuer zu löschen und Louis mit dem Stickstoffstrahl zu erwischen.
Von irgendwoher kam Sofia, während sich Xin und Louis in Erste-Hilfe-Decken wickelten. Seinen Mantel, dem die Flammen nichts hatten anhaben können, legte Xin mir um die Schultern. Zusammen verließen wir die Halle, vor der die Werksfeuerwehr schon wartete. Hier trafen wir auch auf Simon. Ceo Riabh kam angetrottet. Aber wir waren nicht allein und das Chaos war noch nicht vorbei: zwei Götter bekämpften sich hier nach allen Regeln der Kunst. Jetzt reichte es. Eine Katastrophe hatten wir gerade so verhindert, da machten sich irgendwelche Raufbolde auf, den nächsten Weltuntergang herbeizuführen. Simon schlenderte schon auf die beiden Götter zu, ich nahm Ceo Riabh das Schwert ab. Meine Wut fiel zwar rapide ins Bodenlose, aber die Entschlossenheit blieb. Ich wollte mich zwischen die beiden Zankhähne stellen. Doch weder Xin noch Louis hielten das für eine gute Idee und hielten mich fest. "Schraubstock" ist noch eine schmeichelnde Bezeichnung für den Griff der beiden. Eisern hielten sie meinen Befreiungsversuchen stand. Zwangsweise ließ ich Frostbrand fallen und meine Wut kehrte einer Springflut gleich zurück. Doch mehr als einen frustriert-zornigen Schrei konnte ich den beiden nicht entgegensetzen.
Plötzlich war der Gott mit dem Feuerhaar alles, was zählte. Seine Präsenz überwältigte meinen Ärger. Er war so wunderschön geworden. Selbst die spottende Geste, mit der er sich anscheinend geschlagen gab, war bis ins letzte Detail vollendet. Er tippte einen Turm an und verschwand. Der Bann war gebrochen. Zum Glück! Denn der Turm war drauf und dran, umzustürzen und einen Teil der Anlage unter sich zu begraben. Heldenhaft sprang Xin unter den Turm in dem Versuch, ihn zu stabilisieren. Der verbliebene asiatische Gott eilte ihm lässig zur Hilfe und redete irgendetwas unverständliches mit Xin. Inzwischen hatte auch Louis meinen Arm losgelassen und ich hob Frostbrand wieder auf und band es mir auf den Rücken.
Simon und Marc hatten sich auch wieder zu uns gesellt. Der Gott schlenderte mit Xin ebenfalls herbei. Mir machte er ein Kompliment weil mein Temperament mit mir durchgegangen war, aber es war mir eher unangenehm. Es stellte sich heraus, dass der Gott Xins Vater ist. Während er unsere Männer sehr indirekt sozusagen zum Aufräumdienst abkommandierte, fragte er Sofia und mich, ob wir ihm diesen Abend nicht noch Gesellschaft leisten wollten. Sofia schien zögerlich und auf meine Antwort zu warten. Marc sprach leise das aus, was mir durch den Kopf ging: Er wollte mit Louis wetten, ob diese Gesellschaft wohl bis ins Bett reichen würde. Louis war nicht an der Wette interessiert. Aber mir gab es den allerletzten Ruck, zuzusagen. Davon abgesehen, dass man sich ungern den Zorn von Göttern zuzieht - vor allem, wenn es um Asiaten geht. Wer weiß schon, was bei denen als Beleidigung zählt und was nicht? Also überließen Sofia, ich und Sun Wukong den anderen die Aufräumarbeiten. Xin legte seine hand auf den Mantel und dieser verwandelte sich in etwa in die Kleidung, die ich anhatte, bevor das Feuer sie fast vernichtet hatte. Beeindruckend. Er bat mich, ihm diese nur unversehrt wieder zurück zu bringen. Ich drückte Simon Frostbrand noch in die Hand. Ich war sicher, dass ich es heute nicht mehr benötigen würde.


Postlude, prélude, peu importe...Bearbeiten

Sun Wukong begleitete uns in ein Hotel, in dem sich wir uns - inklusive neuer Kleidung - frisch machen konnten. Da ich Xin versprochen hatte, seinen Jetzt-meine-alte-Kleidung-Umhang wieder zu bringen, beachtete ich die Kleidungsauswahl nicht weiter.
Der Affenkönig wollte ein chinesisches Restaurant in Paris besuchen gehen - ich schlug ihm stattdessen ein winziges, gemütliches, französisches Restaurant in einer abgelegenen Seitenstraßen vor. Asiatisches Essen in Frankreich ist wie Burger ohne Ketchup. Den feinen Geschmacksknospen der Franzosen konnte man nichts schärferes als Rosenpaprika zumuten. Er nahm gerne an. Für den Abend stellte er sich als "Goku" vor.
Während wir auftischen ließen, sprachen wir über Xin. Goku stellte sich als fürsorglicher Vater heraus. Er machte sich Sorgen um Xin. Nicht, dass ihm etwas zustoßen könnte, das war für ihn kein Thema. Eher dass sein Sohn sich noch nicht heldenhaft genug verhalte. Er bat Sofia und mich tatsächlich mit einem Augenzwinkern, ob wir beide uns nicht ab und an in eine rettenswerte Position für seinen Sohn begeben könnten, was zur allgemeinen Erheiterung am Tisch führte.
Weniger erheiternd war Gokus Feststellung, dass etwas innerhalb unserer Gruppe nicht stimmte. Er selbst habe genug Zeit gehabt, sich darüber ein entsprechendes Bild zu machen. Seiner Meinung nach bräuchte man nur einen Ort, an dem man ungestört sein konnte und von dem einige der widerspenstigeren Götterkinder nicht einfach so verschwinden konnten. Er beugte sich zuerst zu Sofia und flüsterte ihr etwas zu, dann zu mir. Es waren Worte in einer Sprache, die ich nicht verstand. Aber ich konnte sie nicht mehr vergessen, dessen war ich mir sicher. Dann schob er eine Kristallkugel auf den Tisch. Sie war perfekt in jedem Detail: Die Oberfläche, die kleine Landschaft in der Kugel, die Größe, einfach alles. Er behauptete, in der Kugel läge ein vergessenes Königreich. Bedeutungsschwer sah er uns an, als er uns eröffnete, dass es nur zwei Personen bräuchte, die den Wunsch hätten, dorthin zu gelangen, damit alle, die diese Kugel in diesem Moment berührten, in dieses Königreich gelangten. Sofia und ich wüssten nun auch den Zauber, um wieder zurückzukehren - jede von uns beiden eine Hälfte. Er bot uns die Kugel an. Nach einem kurzen Blick zu Sofia nahm ich sie an mich. Ich hatte meine Gründe. Davon abgesehen, dass man ein Geschenk nicht einfach ausschlug - in wie weit ich Gokus "noblen Absichten" traute, wusste ich in diesem Moment nicht wirklich - und dass einen Gott zu verärgern nicht unbedingt zu den erstrebenswerten herausragenden Lebensleistungen gehörte, machten mir Sofias Gemütsschwankungen derzeit latent Sorgen.
Als dieses Thema geklärt war, äußerte ich noch meine Bedenken wegen Loki. Gab er sich wirklich geschlagen? Würde er nicht doch noch einmal in Paris versuchen, Unruhe und Zerstörung hervorzubringen? Aber Goku winkte ab. Einen gescheiterten Plan würde selbst Loki nicht wieder aufnehmen. Das wäre schlechter Stil.
Dann machten wir uns auf in den Circe du Soleil und genossen die atemberaubend schöne Vorstellung.
Versackt wären wir wohl in einem kleinen, gemütlichen Bistro, hätte Goku nicht noch eine Warnung vorgebracht: Sollte uns Marc am Herzen liegen, dann wäre es vorteilhaft, ihn keine Affen umbringen zu lassen. Weiterhin würde uns zwar nur noch Jadeauge begleiten - zum Glück! - aber selbst die Drohungen, die Marc immer wieder laut äußerte, würden ihm sonst schwer bekommen.
Entgegen Marcs Wette brachte uns Goku zurück an unsere Pension, ohne mit einer von uns ins Bett hüpfen zu wollen. Sofia wollte Marc Gokus Warnung überbringen.

Doch trotz der späten Stunde durfte ich mich noch nicht schlafen legen. Simon wollte mir etwas vorbeibringen. Es schien ihm diabolische Freude zu bereiten, der guten Madame Martin mit Frostbrand einen gehörigen Schrecken einzujagen. Ein Schwarzer mit einem übertrieben großen Messer. Toll. Ich durfte die gute Dame erst einmal beruhigen, während er bei Sofia verschwand. Aber an Schlaf war immer noch nicht zu denken. Stattdessen schickte ich Luc einen kurzen Artikel, der zu einem weiteren nächtlichen Anruf nahe der Panikgrenze führte. Mit einem Abendessen für den nächsten Tag konnte ich ihn wieder herunterholen.

Früh wollte ich am nächsten Morgen zu meinem Dad, um ihn von den Vorgängen in Kenntnis zu setzen. Allerdings war er immer noch mit dem Kriegsrat beschäftigt, so dass nur Wildrose und ihre Brüder anzutreffen waren. Also verabredete ich mit mit ihnen wieder zum Training. Es wäre sowohl dumm als auch unhöflich gewesen, die Zeit nicht mit ihnen zu nutzen. Und ich war weder für das eine noch das andere bekannt. Aber zuerst musste ich Marc vor Sofia erwischen.
Jenen fand ich in seinem Bett, wie ich es erwartet hatte. Sun Wukungs Drohung nahm er nicht wirklich ernst. Auch das hatte ich erwartet. Aber ich hatte es ihm selbst sagen wollen; von Sofia erwartete ich, dass sie ihm ins Gewissen reden würde und er deshalb vielleicht absichtlich trotzte. Marcs Versuch, mich dazu zu bringen, Sofia zu einem Dreier zu überreden, überging ich wieder einmal mit einem Lächeln. Soll er sie selbst dazu bringen.
Außerdem brachte ich Xin schnell seinen ehemaligen Umhang vorbei. Er war etwas verlegen, als ich ihm schmunzelnd mitteilte, dass sein Vater Sofia und mich beauftragt hatte, dass wir uns doch heldenhaft von ihm retten lassen sollten.
Also machte ich mich auf, Frostbrand für eine weitere Übungsstunde aus der Pension zu holen. Aber Simon wollte sich wohl wieder einen Spass mit der guten alten Mamsell machen. Er hatte einen Teil seines Grimoires als Endlosfax geschickt. Mit einem Berg Papier, einem zutiefst erschütterten Blick und laut schimpfend kam mir die Madame entgegen. Was es denn mit diesem okkulten Zeug auf sich habe. Ich konnte nicht anders, als ihr grinsend die Blätter abnehmen. Ein kurzer Blick - durch das Faxen war sogut wie nichts mehr wirklich zu entziffern. Eine ordentliche Kopie des Buchen hatte ich ja schon, also waren die Seiten wertlos. Gespielt entrüstet stopfte ich den Papierberg in den Mülleimer, etwas von Harry Potter und unfähigem Kollegen schimpfend. Die Madame stimmte mit ein, wie jemand nur etwas per Fax schicken konnte, so dass es nicht mehr lesbar sei. Reine Papierverschwendung. Damit war sie wenigstens etwas besänftigt und ich schlüpfte mit Frostbrand hinaus, auf dem Weg zum Training.

Ich war überrascht, dass Marc sich die Mühe machte und mich persönlich im Park aufsuchte, nachdem ich ihn am Telefon wieder einmal abgewimmelt hatte. Er wollte wissen, ob ich Schicksalsfäden kappen könne. Nicht, dass ich wüsste. Aber als ich wissen wollte, warum er so etwas brauchte, wollte er nicht mit der Sprache herausrücken. Und dann meinte er, dass ausweichen zu können auf meine Frage, ob er etwas angestellt hatte. Er schien gar nicht glücklich darüber, dass mir sofort klar war, wann er bewusst nicht die Wahrheit sagte. Ihm ging wohl auf, dass Manipulationsversuche bei mir damit wirklich Kopfarbeit werden würden. Auf seine Frage hin, ob ich ihm noch mehr verheimlichte, erwähnte ich nur, dass ich die verschiedenen Pantheons unterschiedlich wahrnehmen kann. Das war eine Information, die er sofort wieder vergessen würde, da sie ihn nicht direkt betraf.

Später stand das Abendessen mit Luc an. Kein Date, eher ein Geschäftsessen. Er hatte weitere Nachforschungen zu den Geschehnissen in der Raffinerie angestellt. Auch die Hinweise, die ich ihm gegeben hatte, hatte er weiter verfolgt. Ob es für einen Artikel über Terrorismus eignete, wie ich es vorgeschlagen hatte, wusste er noch nicht. Meine Beteiligung oder die der anderen Götterkinder musste ich heraushalten. Ich lenkte Lucs Augenmerk auf die Vorkommnisse in Kairo. Luc hatte sie ebenfalls verfolgt, da ich die Sache angedeutet hatte. Er wusste auch von einem ähnlich seltsamen Vorfall in Cadiz. Und Brisbane war ihm zu Ohren gekommen. Er hatte immer noch sein untrügliches Gespür für Stories. Ich setzte ihn auf weitere - zukünftige - Vorfälle an. Er war sehr interessiert daran, wie ich in diese Angelegenheiten verwickelt war. Aber viel Auskunft konnte ich ihm da nicht geben. Stattdessen wuchs langsam eine Idee heran, über die ich noch viel nachzudenken hatte.
Hoch erfreut eröffnete mir Luc schließlich, dass er Karten für Tsuki-yomis (alias Fushimi Tsukiya) Veranstaltung hatte ergattern können. Dafür hatte er etwas gut. Übermorgen Abend war es so weit. Ich hoffte, dass der Kriegsrat bis dahin vorüber war.

Am Morgen ereilte uns alle die Nachricht, dass der Kriegsrat unterbrochen war. Ich eilte zu meinem Dad. Er sah erschöpft aus. Die Verhandlungen gingen wohl schleppend voran. Das Met, das ich besorgt hatte, heiterte ihn etwas auf. Das Festmahl, das Wildrose und ich beim Zimmerservice bestellten, tat sein übriges. Aber ich konnte ihn nicht ganz entspannen lassen. Ich lenkte das Gespräch auf Louis und das Schicksalsknäuel um ihn herum. Da musste etwas geschehen. Vorher würden wir Götterkinder keine wirkliche Möglichkeit haben, uns richtig zusammen zu raufen. Lugh meitne zwar, dass er den Fluch nicht direkt lösen konnte, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Das war unsere Sache. Doch jede Hilfestellung war willkommen. Und eine solche konnte er auch anbieten: Ein möglicher Startpunkt, um den Fluch lösen zu können, lag in Irland. Im goldenen Tal müssten wir ein Tor finden. Hinter diesem lebt die weinende Frau. Wer sie zum lachen brächte, dem könne sie eröffnen, was man tun müsse, um den Fluch zu lösen. Mehr als einen Startpunkt brauchte ich nicht.
Während Lugh sich etwas zurück zog, machte ich mich auf eine erfolglose Suche nach Louis. Und niemand wusste, wo er zu finden war. Also hinterließ ich ihm eine Nachricht an der Rezeption, bevor ich zu meinem Dad und den Sidhe zurückkehrte.
Auch mein Dad hatte ein Anliegen, das ihm am Herzen lag: Er sprach davon, dass irischen Helden oftmals Aufgaben und Prüfungen auferlegt werden. Er könne dies auch bei mir tun. Wäre ich ein Sohn, würde er nicht fragen - von einem Sohn erwartet er, dass er sich solchen Prüfungen stellte und damit lebte oder starb. Aber ich war eine Tochter und diese Prüfungen und Aufgaben waren nicht immer leicht. Er würde mich nicht mit etwas belegen, wenn ich es nicht wollte. Wie sollte ich darauf antworten? Er hatte mich erzogen, dass ich auch Schwierigkeiten im Leben meistern konnte. Ich sagte ihm, dass ich die Entscheidung in seine Hände legte und mich dieser auch beugen würde, wie auch immer die ausfallen würde. Er wollte darüber nachdenken.
Er nutzte die verbleibende Zeit, bis der Kriegsrat wieder zusammenkam, um mir beizubringen, die Stärken, Schwächen und Gemüter anderer zu erkennen.

Am nächsten Morgen war er wieder in den Konferenzraum verschwunden. Außerdem hatte ich immer noch keine Nachricht von Louis und die Notiz war nicht an der Rezeption abgeholt worden. Es nutzte nichts. Ich musste mit ihm reden. Also schob ich mir den Stirnreif ins Haar und folgte dem Faden zu Louis.
In einer alten Lagerhalle in einem Pariser Außenbezirk fand ich ihn schließlich. Er stand an einer Art Schmiede und arbeitete hochkonzentriert. Eine Weile ließ ich dieses Bild auf mich wirken, bevor ich mich langsam in sein Sichtfeld schob. Schließlich legte er seine Arbeit beiseite. Er wirkt misstrauisch, dass ich mit ihm reden wollte. Auch gut. Begeistert war er ebenfalls nicht, dass ich mit meinem Dad über ihn gesprochen hatte. Aber das störte mich in diesem Moment wenig. Ich bot ihm die Möglichkeit an, in Irland mehr darüber zu erfahren, wie er den Fluch lösen konnte. Dass er nicht jubelnd darauf ansprang, war mir klar. Würde ich an seiner Stelle wohl auch nicht. Aber er gestand zu, dass er auf das Angebot zurückkommen würde, sollten ihm seine Ideen und Möglichkeiten ausgehen. Aber zuerst wollte er es auf seine Art versuchen und damit gleich nach der Konferenz anfangen. Das reichte mir. Ich hoffte, dass ich ihm klar machen konnte, dass ich ihm wirklich helfen wollte. Aber ich sagte ihm auch, dass diese Hilfe nicht ganz uneigennützig war. Er lachte kurz auf, und meinte, er hatte so etwas erwartet. Doch er wollte erst sein Ding machen, bevor er irgendwem anders helfen würde.
Wesentlich begeisterter zeigt er sich, als ich mich für seine Arbeit interessierte: Er war gerade dabei, Statuetten für sich, Xin und Marc zu fertigen, die den Kampf gegen den Feuerriesen zeigten. So wie er meinen Salamander gefertigt hatte. Er war darin wirklich gut und zurecht stolz darauf.
Plötzlich tauchte ein Bote auf, der je ein Schreiben für uns hatte. In dem Umschlag war eine Disc, die sich in ein Hologramm verwandelte. Quetzacoatl wollte uns um Mitternacht an der Sorbonne sehen. Großartig.
Schon klingelten die Handies. Ich war allerdings dagegen, gemeinsam zur Sorbonne zu fahren. Ich würde direkt aus der Stadt kommen. Die Anrufe erinnerten mich allerdings daran, wie spät es schon war. Ich verabschiedete mich von Louis und machte mich auf zu den Sidhe. Eine Trainingsstunde war sicherlich noch drin.

Wildrose half mir, mich für den Abend zurecht zu machen. Sie verabreichte mir auch eine Trank, der irgendetwas bewirken sollte. Auch gut. Allerdings war ich nicht nur wegen des Abendessens bei Tsuki-yomi aufgeregt: Es gab noch keine Anzeichen, dass der Kriegsrat bald zu Ende war. Und ohne Tsuki-yomi keine Veranstaltung.
Ich schaute noch kurz bei Xin vorbei. Mit großen Augen sah er mich von oben bis unten an, als er die Tür öffnete. Aber ich hatte nicht viel Zeit. Ohne viel Umschweife bat ich ihn, Frostbrand mit zu Quetzacoatl zu nehmen. In meinem Aufzug war es offensichtlich, dass ich das Schwert nicht mitnehmen konnte. Aber bei Zeiten wie diesen wusste man nie, ob es nicht doch gebraucht würde. Er nahm das Schwert gerne entgegen.
Auch als ich los fuhr, war noch keine Spur von den Göttern zu sehen.
Luc brachte mich an die Seine. Als ich sah, dass wir auf einem Schiff speisen würden, entschuldigte ich mich kurz. Ich schrieb Sofia, dass es sein könnte, dass ich mich verspäten würde bei Quetzacoatl und nicht erreichbar wäre. Sollte das der Fall sein, möge sie mich bitte entschuldigen. Dann schaltete ich das Handy ab.
Der Abend war fantastisch. Das Ambiente, das Essen... "göttlich" war dafür wahrlich keine Untertreibung. Es fiel mir leichter, mich so zu verhalten, wie es der japanische Gott erwartete, als ich erwartet hatte. Luc schien etwas vor den Kopf gestoßen, arrangierte sich aber schnell damit. Wie zu erwarten war, verpasste ich das Zusammentreffen mit Quetzacoatl. "First come, first served", wie es so schön heißt. Hoffentlich galt das auch bei Göttern... Aber Sofia meinte, dass es nicht schlimm war und wollte mir schon eine komplette Zusammenfassung geben - mitten in der Nacht kurz nach der Bootsfahrt. Aber danach stand mir wenig der Sinn. Ich vertröstete sie auf den Morgen und machte mich mit Luc auf in die Stadt.
Einer Eingebung folgend suchte ich Marc noch einmal auf, als ich ins Hotel zurück kam. Verschlafen gab er mir einen sehr kurzen Abriss über die Ereignisse an der Sorbonne. Neben ihm regte sich irgendwo ein junges Ding. An sich nicht weiter verwunderlich, wenn sie nicht angefangen hätte, in Marc den Nabel der Welt zu sehen. Ein kurzer Blick - da war also der dicke Schicksalsfaden, der gelöst werden sollte. Grinsend und dankend lehnte ich das erneute Angebot zu einem Dreier ab, auch wenn das arme Ding alles getan hätte, um Marcs Wünschen zu entsprechen.

Als ich am nächsten Morgen neben Wildrose aufwachte, war Lugh mit drei seiner Sidhe schon abgereist. Nur eine Nachricht hat er zurückgelassen. Ich wusste, dass mein Dad Abschiede schon früher nicht mochte. Aber irgendwie - ich mochte das Gefühl einfach nicht, das der Brief hinterließ. Und der lebhafte Traum tat sein übriges. Dad hatte sich also entschieden.
Die Konferenz war vorbei.

Ich brauchte einen Moment, bis ich sortiert hatte, was das für Möglichkeiten eröffnete. Ich ließ Wildrose und Tannicht zurück und machte mich auf die Suche nach Louis. In seinem Zimmer war er wieder einmal nicht. Also auf zu Marc, aber dieser weigerte sich, Louis' neue Nummer herauszurücken. Also sollte er Louis Bescheid geben, dass er mich anrufen sollte. Immer so ein Hickhack.
Ich war gerade am Zusammenpacken mit Wildrose, als sich Louis tatsächlich zeitnah meldete. Er hatte eine Deadline: In einer Stunde wollte er aufbrechen. Ich sagte ihm, ich wäre da. Ein weiterer Abschied rückte näher. Wildrose nannte mir einen Ort, an dem ich sie in Irland finden konnte. Und Tannicht schien erstaunt darüber, dass ich ihn zum Abschied umarmte. Dann machte ich mich auf zu Louis' Zimmer.
Doch nicht nur Louis war dort anzutreffen. Auch Xin hatte sich eingefunden. Ganz glücklich schien Louis wieder nicht, das sich andere entschlossen, mit ihm zu reisen. Er wollte nach Sizilien. In den Ätna. Um mit seinem Dad zu sprechen. Ich sagte ihm nur, dass ich dabei war, um sicherzugehen, dass er auch wirklich in den Vulkan sprang - und wenn ich mit einem Stoß nachhelfen musste. Weder Marc, noch Simon oder Sofia würden uns begleiten. Marc musste noch auf die Audienz bei seinem Vater warten - und da ungewiss war, wann sich der Krokodilgott dazu herab ließ, seinen Sohn zu empfangen, dauerte es Louis schon jetzt zu lange. Simon und Sofia... kein Kommentar.
Da Louis und Xin schon wieder Übergangspässe bekommen hatten, war der schnellste Weg zum Ätna das Flugzeug. Xin hatte mir Frostbrand wieder mitgebracht - und sogar eine Art Rucksack dafür besorgt. Doch auch in der neuen Hülle würde ich es nur schwerlich in ein Flugzeug bekommen. Und Ceo Riabh auch nicht. Glücklicherweise versicherte mir der Hund, dass er sowohl sich als auch das Schwert ohne Probleme nach Sizilien bekommen könne. So band ich es ihm um und verabschiedete mich von ihm.
Ein Flug war schnell organisiert. Wir erwischten “zufällig” den wöchentlichen Flug nach Palermo und mussten so keinen Umweg über Neapel machen. Ein Mietwagen war auch kein Problem, da wir noch warten mussten. Ich weiß nicht genau, ob es mich nach allem noch verwunderte - aber als ich mir meine Mitreisenden noch einmal ansah, wie Lugh es mich gelehrt hatte, stellte sich Jadeauge als Mächtigste der drei dar.

Während des Fluges unterhielt ich mich noch einmal mit Louis. Ich wollte wissen, warum er sich für so einen radikalen Schritt entschieden hatte. Selbst wenn einem Hitze wenig ausmachte, sprang man nicht alle Tage und nicht unbedingt freiwillig in einen Vulkan. Eher widerstrebend erzählte er mir zum ersten Mal von seinem Vater, von ihrem eher schwierigen Verhältnis zueinander. Im Gegenzug wollte er etwas über Lugh wissen. Er schien etwas neidisch auf unser Vater-Tochter-Verhältnis zu sein - doch je länger ich darüber und über mein bisheriges Leben nachdachte, desto mehr kamen mir Zweifel, was nun vorteilhafter war.

Louis bot Xin im Übrigen das Herz an, das vom Feuerriesen übrig geblieben war. Laut Hermes konnte es demjenigen, der es über sich brachte, es zu verzehren, vorübergehend Schutz gegen Feuer bieten. Da Louis noch vor Feuer geschützt war, war es für ihn eher Ballast. Gar nicht so dumm der Gedanken, wenn man bedachte, wo wir hin wollten. Und Xin nahm es auch gerne an.


"Sturheit ist konstante Beharrlichkeit unter Abschaltung des Gehirns."Bearbeiten

E lo che se dice you get happy in the pizza when you Mambo ItalianoBearbeiten

In Palermo angekommen, versorgten wir uns mit dem nötigsten: Wanderstiefel, Klappstühle, eine Kühlbox voll Erfrischungen und ein Plattenspieler mit einer Auswahl an italo-amerikanischen Klassikern. Den jungen Mann, der sich uns als Führer anbot, wiesen wir dankend ab.
Da Louis unmissverständlich klar gemacht hatte, dass er keinen von uns bei seinem Gespräch mit Hephaistos dabei haben wollte, versah ich ihn mit einem Schutzzeichen. Ich wollte wissen, wann alles zu spät war. Wohlweislich verschwieg ich es ihm.
Unser Glück währte allerdings nur wenige Stunden. Einige schwarze BMW folgten uns anscheinend. Als wir schließlich die Autobahn verließen und über Landwege zuckelten, blockierte ein Kipplader die Straße. Leicht verstimmt bat Louis mich um seine Sporttasche und nahm mir das Versprechen ab, mich nicht einzumischen. Ein halbes Dutzend Italiener in Maßanzügen stiegen aus den beiden BMWs aus, die die Straße hinter uns blockierten, Maschinengewehre im Anschlag. Louis und Xin stiegen aus.
Einer der Idioten eröffnete tatsächlich das Feuer auf Xin, als dieser nur ein paar Schritte machte, da er den Italiener nicht verstand. Das besiegelte ihr Schicksal. Ich sah noch, wie Louis einen voller Wucht an den Wagen tackelte. So schnell würde dieser nicht mehr aufstehen. Dann sprang er auf das Dach eines BMWs und erstach durch die Frontscheibe den Fahrer.
Ich stieg aus dem Wagen, um besser sehen zu können. Xin beschäftigte seine Gegner, indem er ihre Waffen unschädlich machte. Als Louis stumm mit den Fingern herunterzählte, sprinteten die verbleibenden Angreifer in den verbleibenden Wagen und quietschen mit Vollgas davon. Xin rettete gerade noch den Bewusstlosen, bevor Louis den Wagen mit dem toten Fahrer in Brand setzte. Soviel zur Mafia.
Gemütlich fuhren wir weiter, als Marc sich bei mir meldete. Sie waren mittlerweile in Neapel angekommen und wir wären auf dem Weg zum falschen Vulkan. Ich antwortete ihm nur, dass ich das wüsste, und er legte auf. Louis und Xin hoben nur erstaunt die Augenbrauen.
Am späten Nachmittag erreichten wir den Fuß des Ätnas. Er war beeindruckend. Beeindruckend war auch Xins Ausstattung: Ein Rucksack, unter dem der Schallplattenspieler geschnallt war, rechts und links je ein Klappstuhl, ein Äffchen auf der Schulter und die Kühltasche in der Hand. Wir machten uns an den Aufstieg.
Während den beiden der Marsch nichts auszumachen schien, bestimmte ich anscheinend das Tempo. Wir hatten schon ein ganzes Stück geschafft, als wir an eine Kreuzung mit Wegweisern kamen. Eigentlich hätten wir den Pfosten nicht wirklich beachtet, wir wussten schließlich, dass wir nach oben wollten. Allerdings fing dieser auf einmal an, zu erzittern, und warf alle Schilder ab bis auf jenes, das zur “La Grotta del Labirinto” wies. Ein Wink des Schicksals? Wenigstens sträubte sich niemand, diesem Wink zu folgen, und so kaufte uns Xin Eintrittskarten von einer ihn vollkommen verwirrt anblickenden Verkäuferin. Nebelschweif kam herangetrottet, Frostbrand immer noch umgeschnallt. Er hatte sein Versprechen gehalten, sich und Frostbrand sicher an den Ätna zu bringen. Ich nahm ihm seine Last ab.
Einige Zeit folgten wir den Touristenwegen und bestaunten die Muster, welche die Lavaströme geschaffen hatten und die schön ausgeleuchtet wurden. Dann bogen wir in einen dunklen Seitenarm ab. Da wir alle davon ausgegangen waren, dass wir auf den Gipfel des Ätnas steigen mussten, um Louis den Sprung in die Lava zu ermöglichen, hatte niemand an eine Lichtquelle gedacht. So erleuchtete Louis’ Handy spärlichst den Weg. Anscheinend stiegen wir tiefer in den Berg hinab, der Weg fühlte sich abschüssig an. Ohne Vorwarnung wurde mir schwarz vor Augen.

Als ich die Augen wieder öffnete, fühlte ich mich, als hätte mich ein Truck überfahren. Langsam realisierte ich, dass ich eine Atemmaske über Mund und Nase hatte und nicht mehr im Labirinto, sondern in einem Bett in einem Krankenzimmer lag. Wie viel Zeit war vergangen? Louis? Xin? Als ich mich so ruckartig aufsetzte, wie es das Atemgerät zuließ, drehte sich alles um mich. Dann klopfte es an der Tür. Xin steckte den Kopf herein, und an ihm vorbei drängte sich Nebelschweif, der mich überschwänglich begrüßte und irgendetwas von Hubschrauber und gemeine Menschen kläffte. Ich schob ihn ungeduldig beiseite.
Xin klärte mich auf, dass nur ich vor ein paar Stunden umgekippt war, und er Nebelschweif zuliebe dem Helikopter hinterher gejogged war zum Krankenhaus, während Louis sich wieder in den Vulkan aufgemacht hatte. Ein Katheter und mehrere Elektroden an meinen Armen hielten mich davon ab, mir die Hand vor die Stirn zu schlagen. Ich machte mich daran, diese zu entfernen. Wortlos schaltete Xin die Geräte ab, die daraufhin Alarm schlugen. Doch als ich aufstehen wollte - es war lange her, dass ich mich so miserabel gefühlt hatte, aber es gab Wichtigeres zu tun, als tatenlos herumzuliegen - war Xin nicht mehr so kooperativ. Er wollte mir das Versprechen abnehmen, dass ich im Krankenhaus bliebe. Ich gab es ihm nicht. Also versuchte er, mir eindringlich die Sicherheit zu geben, dass er sich wieder zum Ätna zurückmachte, um nach Louis zu schauen. Noch war diesem anscheinend nichts zugestoßen. Ich hatte das Gefühl, dass das Zeichen noch da war.
Mir fiel die Kugel ein, die Sun Wukong Sofia und mir überlassen hatte. Sie war zwar einigermaßen gut verpackt, aber hatte sie den Sturz überstanden? Xin holte mir meinen Rucksack. Im ersten Moment meinte er, eine Schneekugel vor sich zu haben. Aber als ich sie leicht schüttelte, wirbelte nichts auf. Ich gab ihm die Kugel, damit er sich diese genauer ansehen konnte. Er war erstaunt ob der Detailgenauigkeit - und ein wenig Ehrfurcht schlich sich in seinen Blick, als er erfuhr, dass sie von seinem Vater war. Er machte sich schließlich wieder auf zu Louis und nahm sich das mein Krankenhaus-Sauerstoffläschen mit. Für alle Fälle. Und er wollte mich auf dem Laufenden halten, in der Hoffnung, dass mich dies im Bett hielt.

Ich wartete knappe fünf Minuten. Das italienische Fernsehen berichtete bei Messina von Erdbeben und zerstörten Ortschaften auf der Festlandseite. Hephaistos? Nicht gut. Trotzdem keine Gefahr bei Louis. Das machte mir noch mehr Sorgen.
Plötzlich klingelte mein Handy. Als ich aufstand, war mir erst bewusst, wie dreckig es mir eigentlich ging, aber es half nichts. Sofia, Marc und Simon meldeten sich wieder. Sie hatten Kalfu in Neapel getroffen, der sie Richtung Süden geschickt hatte. Sie verneinten, dass Hephaistos die Ursache für die Erdbeben sei - dann wären sie nämlich nicht unterwegs. Irgendetwas stimmte nicht. Ich sagte ihnen, das wir uns wohl dort treffen würden. Sie waren alles andere als begeistert, dass ich im Krankenhaus war und wohl nicht vorhatte, dort zu bleiben. Aber was sollten sie auf diese Entfernung schon entgegen setzen?
Ich läutete nach der Nachtschwester und beschwerte mich, dass meine Sauerstoffflasche von irgendeinem Patienten geklaut worden sei. Lamentierend brachte sie eine neue. Dann zog ich mich wieder an, schob mir Daddys Tiara in die Haare und... wer wäre so dreist, einfach aus einem Krankenhaus zu spazieren?
Keine zwei Minuten später schlenderte Simon durch die Vordertür des Krankenhauses, ein unverschämtes Grinsen auf dem Gesicht. Und nach nicht mal weiteren zehn Minuten saß ich im Mietwagen Richtung Ätna. Xin war gar nicht erfreut, als ich mich bei ihm meldete und Fahrtgeräusche zu vernehmen waren. Er bestätigte mir, dass Louis noch lebe. Er hatte sich bei dem Asiaten gemeldet und war gerade dabei, irgendetwas zu verfolgen, was Hephaistos abhanden gekommen war. Xin tuckerte ihm gerade oberirdisch auf einem Roller hinterher. Männer... Ich bot Xin an, ihn einzusammeln, was er nur zu gerne annahm. Dann konzentrierte ich mich auf Louis und der gewohnte Faden erschien wieder vor meinen Augen und führte Richtung Norden. Mich belustigte Louis kurzer Anruf, als er mich fragte, wie man ein Pferd dazu bekam, schneller zu laufen.
Doch so einfach war es gar nicht, mit Louis wieder zusammenzukommen. Obwohl man ihn glasklar im Auto hören konnte, und es sich gar nicht anhörte, als wäre er einige Dutzend Meter unter der Erde, führte ihn seine unterirdische Autobahn nicht an die Oberfläche. Schließlich standen Xin und ich in Messina und ich wusste nur, dass wir über die Meerenge mussten. Kurzentschlossen entführten wir einen Fischkutter. Weder Skylla noch Charybdis wollten uns aufhalten - doch wie man so ein knatterndes Boot anhielt, wusste keiner von uns. Xin landete uns sicher an Land während der Kutter auflief.
Ich hatte die Bilder der Zerstörung zwar im Fernsehen gesehen, aber die Wirklichkeit war erschreckender. Fast das komplette Dort am Meer war zerstört. Wir hatten in stillem Einvernehmen zwar vorgehabt, uns ein Auto zu borgen - aber beim Anblick des Dorfes hatten wir beide Skrupel. Es dauerte etwas, bis wir einen geeigneten Wagen hatten.

Louis war mittlerweile an der Oberfläche. Er war wohl irgendwie sein Pferd losgeworden und war nun am Rennen. Er beschwerte sich über einen Idioten, dem er einen Schreck einjagen wollte. Noch waren wir weit hinter ihm, aber unsere Richtung stimmte.
Der Panzer hatte wohl nicht nur ein kleineres Erdbeben ausgelöst; mittlerweile walzte eine Flammensäule durch die kalabrische Pampas und brachte Tod und Zerstörung. Wir vermuteten den Panzer mitten drin. Aber noch waren Xin und ich zu weit entfernt, um die Flammensäule überhaupt ansatzweise sehen zu können.
Während wir mit Louis weiter Kontakt hielten, um ihm und uns die Zeit zu vertreiben, meldete sich Sofia bei mir. Sie hatten Louis gefunden und er hatte ihr Auto temporär außer Gefecht gesetzt. Sie war sich aber sicher, dass sie ihr Gefährt wieder flott bekämen, bevor Xin und ich sie aufsammeln konnten. Sie sprach ebenfalls von einer Flammensäule, die sich durch die Landschaft wälzte und davon, dass sie eine Vision hatte. Schnell stellte ich auf Lautsprecher, damit auch Louis diese hören konnte. Jener sollte nämlich den Panzer in Neapel mit seinem Schwert außer Gefecht setzen. Super. Neapel war eigentlich keine Option, da zu viele Menschen. Sofia, Simon, Marc und Miguel wollte sich aufmachen, die Dörfer zu warnen, auf die die Flammensäule noch zusteuerte.
Louis indes wollte sich ansehen, ob in der Flammensäule der Panzer fuhr. Er übersendete mir Blaupausen des Panzers, falls ihm diese verloren gingen. Ich konnte nur einen kurzen Blick darauf werfen... ich hatte mit einem normalen Tank gerechnet, und nicht mit einem fahrenden Haus! Selbst mit meinem marginalen Technikverständnis wusste ich, dass das alles etwas größer werden würde. Louis informierte uns noch, dass er Frostbrand in einer von der Flammensäule vernichteten Ortschaft zurücklassen würde. Wenn wir ihm folgten, sollten wir eigentlich direkt darauf stoßen. Er hatte es anscheinend mitgenommen, als ich umgekippt war.
Ich lotste Xin zu Louis. Nebenher lasen wir auch Frostbrand auf. Dieser sprang zu uns ins Auto und löste Xin am Steuer ab. Endlich trat jemand auf die Tube. Wider Erwarten war der Panzer nicht Zentrum der Flammensäule, sondern steuerte irgendwohin.
Ich konzentrierte mich also auf den Panzer - kein Wort davon, dass ich besser im Krankenhaus geblieben wäre. Xin reichte Louis indes einen Trainingsanzug, damit dieser nicht nackt gegen den Panzerfahrer kämpfen musste. Louis klärte uns auf, dass neben dem Fahrer wohl auch irgendwelche Fleischkonstrukte auf dem Panzer waren. Der Plan ist simpel: Ich sollte Louis als Fahrer ablösen, sobald der Panzer nah genug war. Er und Xin würden auf den Panzer springen, und Louis würde versuchen, den Fahrer oder den kompletten Panzer wie in Sofs Vision unschädlich zu machen, während Xin die Monstrositäten in Schach hielt.

Wir hatten den Panzer fast in Sichtweite, als sich Simon und Marc meldeten. Nachdem sie die Dörfer gewarnt hatten und so hoffentlich noch das ein oder andere Menschenleben gerettet hatten, waren sie nun zurück auf dem Weg ins Hotel - nicht ohne sich zuvor mit der Polizei angelegt zu haben. Xin meinte noch, dass wir sicher nicht zum Hotel fahren sollten; dem widersprach niemand. Als Louis dann meinte, dass er Simon und Marc am liebsten bei der Polizei anschwärzen würde, es nur nicht tat, weil er kein italienisch sprach, holte ich mein Handy hervor und suchte die Nummer von Enrico heraus. Ich klingelte ihn aus dem Bett und gab ihn Louis. Ich wollte wissen, ob er wirklich so weit gehen würde, die anderen in einer solchen Situation auszuschalten - und tatsächlich. Er schilderte sie Enrico als Terroristen. Ich war mir ziemlich sicher, dass der römische Fremdenführer viel zu perplex sein würde, um das überhaupt an eine Polizeidienststelle weiterzugeben.
Wir setzen um einen Hügel, während sich der Panzer durch den Wald auf der anderen Seite des Hügels seinen Weg bahnte. Ich tauschte mit Louis während des Fahrens den Platz. Der Panzer fuhr eine Weile neben der Fahrbahn her, aber schließlich fand es der Fahrer wohl auch angenehmer, eine breite Straße benutzen zu können, anstatt die Bäume vor sich nieder zu walzen. So kam er wieder auf die Autobahn. Kurzerhand machten Xin und Louis unser Auto zu einem Cabrio. Sie wollten mir noch einmal einschärfen, dass ich mich bei meinem Zustand aus Allem herauszuhalten hatte.
Ich merkte, wie meine Kräfte an mir zehrten. Aber das war wichtiger als ein gemütliches Krankenhausbett. Ich fuhr sie so nah wie möglich an den Panzer, bevor Xin mit Louis übersetzte. Dann drückte ich auf die Tube und hielt mich für alle Fälle vor der Kriegsmaschine. Mein Bezinstand machte mir etwas Sorgen; mit Pech würde ich zurückbleiben müssen, bevor alles vorbei war.
Obwohl ich mittlerweile wesentlich mehr mitbekam als früher, konnte ich in den verbleibenden Seitenspiegeln nicht wirklich mitbekommen, was genau hinter mir los war. Doch plötzlich riss es Louis von der Seite des Panzers weg. Ich machte mich gerade daran, mich zurückfallen zu lassen - das hört sich wesentlich einfacher an, als es war. Doch Louis war schneller wieder am Panzer, als ich die Strecke verkürzen konnte.
Plötzlich tauchten schwarze, ungekennzeichnete Kampfhubschrauber vor uns auf. Ohne Vorwarnung eröffneten sie das Feuer auf den Panzer, Fahrzeuge, Monstrositäten, Menschen und Götterkinder. Ich konnte den Salven gerade noch ausweichen in die Leitplanke, dann verlor ich das Bewusstsein.

Als ich wieder zu mir kam, befürchtete ich schon das schlimmste. Sofia kümmerte sich besorgt um mich, obwohl sie drei Kugeln im Körper hatte. Doch anstatt vollkommen zerschmettert zu sein, fühlte ich mich wie neu. Was war passiert? Ich hatte nicht einmal Kopfschmerzen, als ich mich aufsetzte. Entgegen meiner ersten Vermutung, waren wir immer noch beim Panzer; besser gesagt bei dem, was vom Panzer übrig geblieben war: eine gülden schimmernde Lache. Als ich aufstehen wollte, drückte mich Sofia wieder in einen Autositz zurück. Also ließ ich mir erst einmal erzählen, was nach den Kampfhubschraubern passiert war. Wie die Vision vorhergesagt hatte, hatte Louis den Panzer außer Gefecht gesetzt. Jener war nun mit Xin wieder auf dem Weg zurück, sein Handy suchen und Hephaistos Bericht zu erstatten. Ich musste hinterher. Aber weder Sofia noch Miguel wollten mich gehen lassen. In meinem Zustand wäre ich ja keine Hilfe... Seufzend streckte ich die Waffen. Man sollte tatsächlich erst einmal Sofia versorgen. Dass ich topfit war, wollte mir eh niemand glauben.
Während der Fahrt meldete sich mein Handy. Eine MMS von einer unbekannten Nummer. Neugierig öffnete ich und sah ein Bild von Marc und Simon mit nicht einmal notdürftiger Kleidung. Ich musste unbedingt zu Marc! Mir war klar, in welche Richtung ich musste - Problem war nur: ich kannte weder den genauen Ort, noch war es die Richtung, in die wir fuhren. Sofia und Miguel hatten mich schon nicht zu Xin und Louis gehen lassen, und das, obwohl ich ziemlich genau wusste, wo sie zu finden waren. Ich wies Miguel an, in die andere Richtung zu fahren. Als er sich weigerte, verlieh ich dem ganzen Nachdruck. Auf Sofias Frage, was das sollte, wollte ich nicht ganz wahrheitsgemäß antworten. Dass wir auf Landstraßen ausgewichen waren, war mir schon nicht recht gewesen - wenigstens fuhren wir in die Richtige Richtung. Aber Miguel hatte Recht: hier fand man eher einen Arzt für Sofia als auf der Autobahn. Und da Schusswunden gemeldet werden mussten, wollte niemand sie in Neapel behandeln lassen. Es war ein seltsames Gefühl, dass die Sorge um Sofia zurückgedrängt wurde. Aber andererseits war ihr Zustand stabil...
Schließlich hielten wir frühmorgens in einem Dörfchen etwas nördlich von Neapel bei einem Veterinär. Es war, als säße ich auf glühenden Kohlen. Als die Tür geöffnet wurde, hatte ich das Gefühl, dass Sofia hier versorgt wäre. Mit einem Tick luchste ich Miguel den Schlüssel ab und mit einem “Sorry” ließ ich die beiden zurück. Ein schlechtes Gewissen sollte sich erst viel später einstellen.


"Im Paradiese selber träfe man // Wohl einen an, den man nicht leiden kann."Bearbeiten

Als ein paar Stunden später mein Handy klingelte, dachte ich zuerst, es wären Sofia oder Miguel, um sich zu beschweren. Darum war ich umso erstaunter, dass der Anruf von Marcs Nummer kam. Eine Frau war am anderen Ende der Leitung und meinte, sein Handy sei in Neapel gefunden worden. Ich riet ihr, es beim Fundbüro zu hinterlegen, da es dort sicherlich abgeholt würde. Etwas schmeckte mir nicht an dem Anruf. Vielleicht weil sie etwas zu viel über mich persönlich und mein Verhältnis zu Marc wissen wollte.
Es gab nur einen Weg, herauszufinden, was es mit dem ominösen Anruf auf sich hatte. Ich rief die Nummer an, über die die MMS geschickt worden war. Am anderen Ende war tatsächlich Marc. Ich erzählte ihm von der Frau, die wohl sein Handy hatte, und wollte wissen, was es mit der neugierigen Fragerei auf sich hatte. Er meinte, dass “die” eh bald bei ihnen wären. Ich bejahte, dass ich ebenfalls auf dem Weg zu ihm war. Simon gab mir am Handy einen unzureichenden Abriss darüber, was den beiden seit unserem letzten Telefonat geschehen war. Anscheinend waren sie von einem SEK aufgegabelt worden und waren diesen wieder entkommen. Aber allem Anschein nach war Miguel ebenfalls abgegriffen worden; Sofia hatte sich panisch bei Simon gemeldet. Mehr dazu später, denn das Handy wäre angeblich zu unsicher. Ich sollte nur noch Xin und Louis Bescheid geben. Und noch Klamotten und guten Rum mitbringen.
Ich informierte Xin kurz über die Umstände: Marc und Simon hatten sich wohl mit irgendetwas angelegt, was nun Miguel hatte und hinter Sofia her war. Jene war nicht erreichbar, was mir wirklich Sorgen machte. Zu spät war mir eingefallen, dass ich sie nicht mit einem Schutzzeichen versehen hatte. Innerlich fluchte ich.

Stunden später kam ich an einen kleinen See in Südtirol, an dem Marc und Simon anscheinend sehr relaxed warteten. Kaum stand ich vor Marc, fiel der Zwang, zu ihm zu kommen, merklich von mir ab. Seinem strahlenden Gesicht verpasste ich erst einmal eine Ohrfeige. Er hatte sie verdient, meinte ich zu Simon, als sich dieser gekünstelt darüber entrüstete, dass jeder anscheinend sofort gewaltbereit wäre. Also nahm sich Simon den billigen Rum, den ich beim Tanken erstanden hatte. Neue Kleidung war mir Dank Marcs Zwang wie zu viel Zeitaufschub erschienen.
Ich wollte erst einmal wissen, was überhaupt passiert war. Simon erzählte mir, dass sie es sich kaum auf dem Dach des Hotel gemütlich gemacht hatten, als ein Spezialkommando das Dach gestürmt hatte. Ohne Vorwarnung hatten sie Marc und Simon ziemlich effektiv außer Gefecht gesetzt. Als sie wieder aufgewacht waren, befanden sie sich in einem Zugcontainer, der besonders gegen Götterkinder gesichert war. Neben einer Art Zementblöcken, die mit irgendwelchen Elektroschocks gekoppelt waren, waren Schutzzeichen aus aller Welt dort aufgemalt. Simon war sich sicher, dass die Verantwortlichen bald hier auftauchen würden, denn Marc hatte auch eine MMS, wie ich sie bekommen hatte, an sein Handy geschickt, nachdem sich dort eine Frau gemeldet hatte. Außerdem hatte diese Organisation wohl Miguel geschnappt. Deshalb war Simon durchaus geneigt, mit diesen mitzugehen, zumal sie noch Marcs und seine Relikte hatten. Sofia hatte sich wohl irgendwo in Neapel verborgen.
Ich entschuldigte mich kurz bei den beiden. Ich musste überprüfen, ob das Einsatzkommando wegen Louis und mir gekommen war. Enrico meinte zwar, er habe Louis Infos weitergegeben, aber erst am Morgen seinen Freunden. Also konnten wir unmöglich für das Einsatzkommando verantwortlich gewesen sein. Ich weihte Simon und Marc ein, dass ich kurz vermutet hatte, Mitschuld an der Situation gehabt zu haben. Aber ausgerechnet Simon, der sonst vor wenig zurückschreckte, um das Schlechte im Menschen herauszukehren, schien es nicht zu passen, wenn andere seine Methoden anwandten.
Simon und Marc waren sich sicher, dass die erwarteten Leute sie nicht ohne weiteres würden gehen lassen. Als ich darüber nachdachte, was ich zu dem ganzen Schlamassel beitragen könnte, fiel mir Sun Wukongs Kugel wieder ein. Doch als ich in meinem Rucksack im Wagen nachsah, war sie verschwunden. Ich brauchte einige Sekunden, um den Schock zu überwinden. Mir war die Kugel eines Gottes abhanden gekommen! Mein erster Gedanke galt Sofia. Aber als ich versuchte, sie zu erreichen, kam nur eine wohlvertraute, nette Bandansage. Verdammt! Nur die Ruhe bewahren. Ich wollte keine zwei Queste machen für irgendwelche göttlichen Objekte, solange unsere Gruppe... auch gut.
Wer wusste noch von der Kugel? Xin! Glücklicherweise nahm der Asiate tatsächlich den Anruf entgegen. Sie waren also noch nicht im Ätna. Und er hatte die Kugel! Aber warum? Nur weil ich bewusstlos gewesen war? Sehr unfreundlich zitierte ich seinen Arsch hierher. Subito!
Aber da war noch etwas. Die Blaupausen, die mir Louis geschickt hatte, sollten besser vorsichtshalber verschwinden. Aber … ach, nochmal verdammt! Ich konnte sie nicht einfach löschen! Wer hatte schon Blaupausen von Hephaistos? Ich war mir sicher, dass Louis sie mir nicht nochmal schicken würde, wenn ich sie nun vernichtete. Aber Simon hatte angedeutet, dass möglicherweise Mobiltelefone abgehört wurden. Und wenn das der Fall war, dann war es durchaus im Bereich des Möglichen, dass sie auch Datenpakete abfingen. Nächster Gedanke: Wohin? E-Mail? besser nicht. Server? Spontan fiel mir keiner ein, wo ich das hinterlegen wollte. Blieb nur die Wahl zwischen Tom und Simon. Und die angenehmeren Fragen würde mir mein verbrüderter Kollege stellen... Also schickte ich ihm die Pläne und eine Nachricht, dass er sie gut für mich verwahren sollte. Dann löschte ich sie und machte ein schön langes Video meiner Schicksalsgefährten...

… und das alles keine Minute zu früh. Ich hörte schon die Hubschrauber. Drei an der Zahl: eine Transportmaschine und zwei Kampfhubschrauber. Wieder waren alle Fluggeräte nicht gekennzeichnet. Genauso wie auf der Autobahn. Da Simon keine Relikte mehr hatte, sah ich mir die Gruppe an, die auf uns aus der Tranksportmaschine zukam: eine junge Frau steuerte wutentbrannt auf Marc zu und scheuerte ihm eine, was er mit einem breiten Grinsen quittierte. Der Mann hinter ihr interessierte mich mehr: er hatte etwas wie wir, eine gewisse Macht, nur schwächer. Ich informierte Simon. Und ein Trupp mit Maschinengewehren bewaffneter Wachen. Die Muniton irritierte mich: es war, als wären die Magazine schwarze Löcher. Mehr, als dass sie seltsam war, konnte ich Simon auch nicht sagen, der ob der wagen Aussage nicht begeistert war.
Der korrekt gekleidete Herr übernahm das Reden. Wir hätten die Möglichkeit, freiwillig mitzukommen, um kleinere und größere Schäden zu vermeiden. Er stellte seine Gruppe als Teil der Bayrischen Illuminaten vor. Illuminaten... klar... etwas Originelleres ist ihnen auch nicht eingefallen. Auf Simons Anfrage erklärte er geduldig, dass sie es sich zur Agenda gemacht hatten, die alten Mächte, für und gegen die wir arbeiteten, zu bekämpfen. Beide. Auf einmal. Auf Simons Versuch, eine fruchtbare Diskussion zu führen, reagierte er nicht wirklich. Marc hielten wir gerade so zurück, als es ihm zu dumm wurde. Aber wir konnten die Illuminaten nicht dazu bringen, uns in Ruhe zu lassen. Aber der Anzugträger versprach Simon, dass er mit einem hochrangigen Mitglied dieser Gruppierung reden könne, wenn er mitkam. Wir mussten mit; ganz davon abgesehen, dass sie noch Miguel hatten und die Relikte von Simon und Marc.
Zufrieden geleitet uns der Anzugträger durch die bewaffneten Bodyguards zu dem Transporthubschrauber. Sie buxierten uns in einen Teil des Fluggeräts ohne Fenster - vermutlich um uns davon abzuhalten, herauszufinden, wohin wir flogen. Erstaunlicherweise ließen sie mir Stirnreif, Kette und Frostbrand und zementierten uns auch nicht ein. Ob wir wirklich mehrere Stunden in der Luft waren oder es nur so furchtbar lang vorkam, weil keiner mit uns reden wollte und es erbärmlich langweilig war, auf die paramilitärischen Bodyguards zu starren, kann ich nicht mehr sagen. Irgendwann konnte ich ausmachen, dass der Hubschrauber wohl in der Luft hielt. Die Bodyguards machten einen Schritt hinter eine Linie und vor uns fuhr eine Wand hoch. Wir wurden anscheinend vom Hubschrauber hinuntergelassen und es fühlte sich so an, als würden wir zuerst auf Wasser aufsetzen und dann durch Wasser weiter hinuntergelassen zu werden. Schließlich setzten wird auf und etwas dockte an unserem “Aufenthaltsraum” an. Eine Wand öffnete sich und eine Gangway wurde sichtbar. Wir wurden freundlichst über Lautsprecher gebeten, dieser zu folgen. Randale lohnte sich hier wirklich nicht, und so taten wir drei, was von uns verlangt wurde. Wir kamen an einen Dekontaminationsraum mit einer freundichen Laufschrift, dass wir zwei Minuten Zeit hätten, uns unserer Kleidung zu entledigen. Niemand kam dem nach und so wurden wir allesamt durchnässt. Eine Tür öffnete sich und ein Raum mit Spinten war zu sehen. Darin frische naturfarbene Kleidung in einem Anstalt-Schnittmuster. Und dahinter...


weißer Fleck in der Erzählung


ἦθος ἀνθρώπωι δαίμωνBearbeiten

Also konnten wir wieder mal nichts anderes tun, als zu warten. Simon und Sofia gaben sich die volle Kulturdröhnung: Akropolis, Agora mit dem Hephaisteion, Dionysostheater und das ganze Zeug. Athen ist kulturell toll, versteht mich nicht falsch, aber ich hatte das alles vor nicht mal anderthalb Jahren ausgiebig erkunden können und brauchte das jetzt nicht wirklich. Xin schien es ähnlich zu gehen, also nahm ich ihn mit in eine kleine Kaschemme, die Simon und ich damals entdeckt hatten. Voll bis oben mit alten Männern, gutem Tafelwein und Oliven. Und das Beste: man konnte bis ans Meer sehen. Kurzerhand rief ich wieder bei meinem Kollegen an; es musste Mittag in New Orleans sein, vielleicht hatte er etwas über Louis’ Anne-Sophia in Erfahrung bringen können. Ich hoffte, Xin hatte nicht ganz mitbekommen, wie geschockt ich von Simons Zustand gewesen war. Er hörte sich gar nicht gut an - seine Fragen, sprich ich, hatten ihn offensichtlich in handfeste Schwierigkeiten gelotst. Laut ihm war Ms. Lammet ein doppelter Volltreffer, sie war die Voodooqueen. Aber er konnte nicht lange reden, sagte etwas von Messern und Abreibungen, machte mir ein Kompliment zu meinem Häuschen und wimmelte mich plötzlich ab, als Leute bei ihm zu hören waren, die irgendetwas in Pidgin riefen, was ich nicht verstand. Innerlich verfluchte ich Louis und Marc, weil diese wohl noch eine Weile bis Athen brauchten, während ich nicht wusste, wie es um Simon stand.
Trotzdem rief ich bei Marc an. Ich hatte fast die Befürchtung, keine Verbindung zu bekommen. Aber sie waren tatsächlich heil aus dem Orakel gekommen. Doch auf meine Nachfrage, was denn passiert sei, wollte mir Marc nicht antworten. Sie hätten wohl noch etwas zu tun, so dass man nicht gleich nach New Orleans könne. Verdammt. Aber er gab Louis weiter, dass seine Freundin die Queen war.
Ich war dankbar, dass Xin die ganze Zeit ruhig war und keine Fragen stellte. Ich musste erstmal sortieren, was diese Sache mit New Orleans sein könnte - und ich meinte nicht die Voodooqueen, sondern Simon. Also trafen wir uns wieder mit Sofia und Simon und ich lotste sie in ein kleines, gutes Restaurant. Simon war belustigt darüber, wie sein Namenskollege und ich unsere Recherchen in Athen betrieben hatten. Aber der war eh zu sehr darum bemüht, überlegen zu wirken, so dass er gepflegte Kontakte nicht zu schätzen wusste. Aber das hielt ihn und uns auch nicht davon ab, einen gemütlichen Abend zu verbringen, während wir auf unsere Bittsteller warteten.
Erstaunlicherweise meldete sich Marc nochmal lange bevor sie in Athen eintrafen. Er wollte, dass ich Wildrose fragte, ob diese nicht ihm und Louis Gesangsunterricht geben könne. Aber weiter ins Detail wollte er am Handy nicht gehen. Halb entnervt ob dieser Informationspolitik, bat ich Ceo Riabh, ob er Wildrose fragen könne, ob sie dies freiwillig tun würde. Ich würde hier niemandem etwas befehlen, solange ich nicht wusste, worum es eigentlich ging und warum.

Als Louis und Marc in Athen ankamen, waren sie über und über mit griechischen Schriftzeichen bedeckt. Außerdem hatte Marc die Syphillis und Louis eine Art Muskelschwund. Wie genau sie Apollon verärgert hatten, wollte keiner der beiden sagen - sie hätten es uns nicht einmal wirklich gesagt, hätte ich sie nicht auf ihre Krankheiten gestoßen. Nach einem Gespräch mit Hermes wollten sie einen auf Boyband machen und an einem anderen Apollon-Heiligtumeine Herde Stiere zu opfern. Nach einem Kommentar von Sofia entschieden sie sich für das trojanische Heiligtum.
Es überraschte mich wirklich, dass Ceo Riabh mit Wildrose zurückkam. Und noch mehr, dass sie sich tatsächlich bereiterklärte, Marc und Louis Gesangsunterricht zu geben, auch wenn ich mich daran beteiligen musste. So flogen wir nach Istanbul, während Wildrose uns alte irische Lieder beibrachte. Während des Fluges disponierte Marc auf meinen Kommentar hin sogar die Stierherde noch einmal um und besorgte sich reinweiße Tiere. In Istanbul warteten Kostüme, ein komponiertes und von einer Band eingespieltes Lied und eine Lichtershow. Mit Jeeps ging es weiter gen Troja.

Auf dem Weg kam es zu einer Streiterei zwischen Marc und Simon, die darin endete, dass Marc letzterem absichtlich den Arm brach. Nicht einfach so, sondern in einem offenen Bruch. Während Sofia und ich dies geschockt verarbeiteten, tat es Simon einfach so ab... wo er sich voreinigen Tagen noch über eine simple Ohrfeige mockiert hatte... es würde schließlich schnell heilen...

In Troja selbst sahen sich Simon und Sofia die Ausgrabungsstätte an, um die Wissenschaftler abzulenken. So wie ich Marc und Louis bisher einschätzte, würden beide ohne mit der Wimper zu zucken die Stierhorde durch die komplette Stätte trampeln lassen, bevor sie sich erkundigten, wo denn nun das Apollonheiligtum genau zu finden war. Also übernahm ich das kurzerhand, und der Archäologe verwies mich an zwei Hügel, die den Wissenschaftlern als Anhaltspunkt dienten - denn das Heiligtum war bisher noch nicht entdeckt worden. Also gab ich das an Marc und Louis weiter. Anstatt mich zu bitten, herauszufinden, welches nun das tatsächliche Heiligtum sei, fingen beide Überlegungen an, wie sie das herausfinden könnten. Mehr im Scherz meinte ich, sie könnten ja einen Stier nehmen, ihn drehen und hoffen, dass er in die richtige Richtung lief. Das nahmen die beiden Knallköpfe tatsächlich für bare Münze und taten genau dies: sie nahmen einen der Stieren an den Läufen hoch und drehten ihn, bis ihnen schwindlig wurde. Ich konnte ihnen gerade noch zurufen, dass ein Gebet an Apollon vielleicht nicht das dümmste wäre und konzentrierte mich selbst darauf, das Heiligtum auszumachen. Vielleicht war es reiner Zufall, vielleicht hatte das Gebet an Apollon geholfen - aber das Tier steuerte glücklicherweise auf den richtigen Hügel zu.

Aus sicherer Entfernung sahen Xin, Jadeauge mit Kamera, Sofia und ich uns das Spektakel an, das Louis und Marc veranstalteten. Simon speiste währenddessen die Wissenschaftler mit abstrußen Erklärungen ab. Ich schickte Stoßgebete zu meinem Dad, nunja, eher Gedanken, dass es schade war, dass er das alles nicht sehen konnte. Er hätte sich köstlich amüsiert. Aber der Großteil meiner Gebete galten tatsächlich Apollon, dass Marc und Louis es hoffentlich ernst meinten und es nur nicht besser wüssten, als sie im Takt der Musik die Stiere abstachen. Das war ein Bild, das ich nie mehr vergessen würde.
Allen Göttern sei Dank nahm Apollon das Opfer der beiden auch tatsächlich an. Allerdings nur unter Auflagen: Weder Louis noch Marc würden je wieder einen Fuß in ein apollonisches Heiligtum setzen dürfen - und sie sollen lernen, wie man richtig opfert. Haha.
Das musste wohl warten, denn mittlerweile drängte es nicht nur Louis nach New Orleans. Der Jet wartete sozusagen schon auf der Piste.

Allerdings war Miguel nicht gerade glücklich über die weitere Verzögerung auf dem Weg nach Südamerika. Doch alle besänftigen ihn irgendwie, dass es in NOLA nicht lange dauern würde und man noch termingerecht in Venezuela einträfe. Zähneknirschend lenkte er ein.
Doch auch hier hatte Simon nichts gelernt. Zuerst wollte er Sofia in die Pfanne hauen, weil sie tatsächlich noch an einem Menschen hing und diesen in New Orleans vermutete. Aber was sollte man anderes von ihm erwarten? Menschen waren nur dazu da, seine Wünsche zu erfüllen. Was danach mit ihnen passiert, was uninteressant. Er war hierbei keinen Deut besser als Marc, nur dass letzterer keinen Hehl daraus machte. Kein Wunder, dass ich die Sache mit meinem Simon noch für mich behielt. Vor allem, da ich mir immer mehr Sorgen machte, weil dieser nicht erreichbar war...


Live it up, love it up, Southern StyleBearbeiten

Just follow the bouncing butts!Bearbeiten

Plötzlich fragte Sofia Simon nach der Nummer der NaPIA. Nach einiger Belustigung, denn Simon gab ihr zwar die Nummer, vergaß aber, zu erwähnen, wie sie an die gewünschten Stellen kam, sowie Marcs Flugversuchen, die darin endeten, dass Miguel mich beim Sturzflug auffangen musste, konnte Sofia endlich ihre Wünsche durchstellen: Sie wollte sich mit Verantwortlichen der NaPIA treffen; sie sollten ihr ein Angebot machen. Was hattest du vor, Sof? Außerdem wollte die NaPIA Simon wohl einige ihrer Informationen zur Voodooqueen zukommen lassen - ob alle ist fraglich.
Aber das war nicht alles. Simon hatte nichts besseres zu tun, als Sofia nun Vorwürfe wegen Josh zu machen, als diese ihn bat, ob er nach ihm sehen könne. Er wusste sogut wie nichts von Josh. Und trotzdem versuchte er, Sofia ein schlechtes Gewissen zu machen, weil dieser nun Ziel des Schicksals sein könnte wegen ihr. Als er nach einem Bild fragte, meinte ich nur, dass ich ihm in New Orleans eines schicken würde. Aber Simons Reaktion auf den armen kleinen Josh bestärkte mich nur darin, dass ich besser nicht erwähnte, dass “mein” Simon mehr war als ein bloßer Informant.
Bob kam meiner Bitte nach, und kam auf mich zu, als wir noch etwa eine Stunde von New Orleans entfernt waren. Aber Mr. Maddensen war immer noch nicht erreichbar. Die Stewardess (oder besser Hostess?) hielt mich zwar freundlich davon ab, direkt mit den Piloten zu sprechen, aber sie leitete meine Bitte weiter, ob man nicht eine Schleife über New Orleans fliegen könne. Einen besseren Blick auf die Stadt würde ich nicht mehr bekommen, wenn ich wissen wollte, wo mein guter “kleiner Bruder” abgeblieben war, so er noch in New Orleans weilte. Aber so wie ich ihn kannte, hatte er den Rat, aus der Stadt zu verschwinden, zugunsten einer potentiellen Story ohne Zögern in den Wind geschlagen. Tatsächlich klappte es mit dem kleinen Rundflug über New Orleans - doch ich war gar nicht erfreut darüber, was mir mein Blick auf die Stadt offenbarte: Simon war noch hier, und zwar mitten in Algiers. Ich hatte kurz das Gefühl, dass er sich ganz langsam fortbewegte, aber das war sicher nur eine optische Täuschung. Innerlich fluchte ich und schrieb meine Adresse auf einen Zettel.
Kaum waren wir am Boden und durch die Kontrollen, drückte ich Simon den Zettel in die Hand, während sich der Rest über mögliche Unterkünfte unterhielt. Überrascht sah er mich an, und als ich ihm tatsächlich kurz erklären musste, dass ich hier wohnte, hatte er nichts besseres zu tun, als zu überlegen, warum ich “nichts von New Orleans angenommen” hatte. Ich ging besser nicht darauf ein. Wie ich es erwartet hatte, hängte sich Sofia an mich. Ich fragte Wildrose, ob es ihr lieber wäre, in einem Hotel unterzukommen oder meine bescheidene Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Sie entschied sich für letzteres. Also nahmen wir drei ein Taxi nach Irish Channel.

Ehrlichgesagt hatte ich erwartet, dass mein Häuschen irgendwie in Mitleidenschaft gezogen worden war. Aber von außen sah es noch so adrett aus, wie ich es vor fast vier Wochen verlassen hatte. War wirklich nur so wenig Zeit vergangen? Mr. Banks kümmerte sich immer noch vorbildlich um den einfachst gehaltenen Garten.
Das Schloss zur Vordertür sah auch noch in Ordnung aus. Aber wenn ich hier irgendwo einsteigen wollte, würde ich das eher über die Hintertür machen. Also drückte ich Sofia den Schlüssel in die Hand, entschuldigte mich kurz und sprintete zur Hintertür. Auch diese war nicht aufgebrochen, aber etwas war anders. Ich hatte keine Fußmatte an der Hintertür! Vorsichtig lugte ich darunter. Die Luke zum Unterbau war weg und durch etwas ersetzt, was sich als sehr brechfreudige Holzlatten herausstellte und darunter war ein großer Behälter mit … grünem Wackelpudding. Simon! Verdammt, Sofia!
Ich rappelte mich auf uns setze zu einem Spurt zur Vordertür an, doch mehr als ein “Sofia, ist alles in Ord...” konnte ich nicht hervorbringen, als ich mehrere verdächtige Geräusche hörte. Sofia stand in der Tür, durchnässt und mit Mehl und Smarties bedeckt. Als ich sie sah, konnte ich nicht mehr an mich halten und prustete laut los. Vor lauter Sorge hatte ich potentielle Anschläge von Seiten Simons vollkommen verdrängt. Etwas pikiert fragte Sofia nach dem Badezimmer, nachdem ich ihr die Hälfte des “Wiedergutmachungs-Schokoriegels” zugestanden hatte.
Während sich Wildrose in der Küche zu schaffen machte und Sofia sich das Zeug aus den Haaren wusch, schickte ich an Mr. DuMont ein Bild von Josh und suchte dann nach weiteren Überraschungen. Besonders eine Bemerkung am Telefon hatte mich aufhorchen lassen - ich besaß gar keine Handschellen.
Tatsächlich fand ich zwei Köfferchen im Schlafzimmer: der fragwürdige Inhalt des offenen Kleineren interessierte mich wenig, der größere Koffer war mit einem guten Schloss versehen. Außerdem war meine Unterwäsche ausgetauscht und in einem der neuen Sets fand ich eine Kapsel, in der ein Schließfachschlüssel und ein Zettel mit Adresse und einem Code verstaut waren. Also war im großen Koffer wohl meine Unterwäsche...
Sofia war gar nicht angetan, dass ihr meine Kleidung nicht passte, während ihre in der Waschmaschine war. Allerdings sollte sich ihr Problem lösen. Simon meldete sich bei ihr. Ihr Josh nahm gerade an einer Beerdigung teil und er wollte in einer halben Stunde bei mir sein mit frischer Kleidung für Sofia. Also musste das Schließfach warten. So hatte ich Zeit, mich auch noch einmal ohne Eile frisch zu machen, konnte in Ruhe die Blaupausen von Hephaistos im Arbeitszimmer aufhängen, die mir Simon mitgebracht hatte, meine Post sortieren, den Reise-Blog aktualisieren und hatte alle Muse, mir meine nächsten Schritte zu überlegen. Im Gegensatz zu Sofia war mir ziemlich klar gewesen, dass Simon die New Orleaner “halbe Stunde” meinte. So war es ziemlich amüsant, anzusehen, wie sich Sofia zu Wildrose setzte und sich sticken beibringen ließ, bevor sie ihre Fingernägel herunterknabberte.

Als Simon schließlich ankam, war Sofia schon fast mit den Nerven am Ende. Und Ihre Begeisterung über ihr neues, weißes Kleid, das ihr Simon mitgebracht hatte, hielt sich stark in Grenzen - vor allem, als er meinte, dass sie keine Unterwäsche darunterziehen sollte. Während ich ihr meinen Schrank überließ und ihr sagte, dass die etwas weniger aufreizende Unterwäsche im verschlossenen Koffer auf dem Bett sei, hatte ich mich schon entschieden. Von Josh wusste ich, wo er zu finden war und dass es ihm dort einigermaßen gut ging. Zumindest laut Simons Worten. Aber ich wusste nur, dass “mein” Simon in Algiers zu finden war. Und das letzte Gespräch war nicht sehr beruhigend gewesen. Ich bat Simon, nach seinem Namenskollegen zu schauen. Als er nach etwas Persönlichem fragte, hätte ich ihn fast an den Wackelpudding in der Spüle verwiesen, zeigte dann aber doch auf die Bilder an der Wand, die zum Großteil von meinen Kollegen stammten. Simon suchte sich ein kleines Ritual zusammen, während ich nach Sofia sah, die inzwischen den Stahlkoffer geöffnet und sich in ihr neues Kleid gezwängt hatte.
Simon war richtig gut gelaunt, als er wieder ansprechbar war. Belustigt erzählte er uns, dass mein Freund ebenfalls auf einer Beerdigung sei, vielleicht sogar der gleichen wie Josh. Genau könne er das nicht sagen, aber er fand es wohl äußerst amüsant, denn der Journalist sollte wohl derjenige sein, der lebendig begraben würde. Während Simon sich noch in seinen Ausführungen ergötzte, holte ich ruhig Frostbrand. Algiers... dazu musste ich über den Fluss. Die Brücken waren zu weit, aber es gab ja Wassertaxis. Ich verabschiedete mich knapp von Wildrose und lies die anderen zurück, die noch diverse Aspekte von Simons Visionen diskutierten. Sie schlossen gerade auf, als ich an die Piers kam und in Mike’s Boot stieg, um mich über den Mississippi schippern zu lassen.
Mike erkundigte sich wie immer, wie es mir ging. Doch dann wanderte seine Aufmerksamkeit zu Simon. Anscheinend war der Gute vor seinem göttlichen Erbe eher ein Taugenichts gewesen, der sich mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatte, was er auch, ja, fast stolz Sofia bestätigte. Es hätte mich verwundert, wäre sie begeistert gewesen. Doch ich glaube, sie setzte die kleinen Puzzleteilchen auch schon längst in ihrem Kopf zusammen über Simon. Ob sie zum selben Ergebnis wie ich kam? Zumindest bestätigte mir Mike auf seine Art, dass niemand Simon eine Träne nachweinte.

Die Verbindung zu Simon Maddensen führte mich in Algiers auf einen Friedhof und an ein Grab, das gerade von Totengräbern zugeschaufelt wurde. Unmissverständlich verschwand der schimmernde Faden in der frischen Erde, und hätte Simon die beiden Totengräber nicht in ein Gespräch verwickelt, hätte ich ihnen wohl die Schaufel aus der Hand gerissen. Aber mit Frostbrand auf dem Rücken war es, als sähe ich klarer: Es hätte weder mir und schon gar nicht Brüderchen geholfen, hätte ich hier einen Aufstand gemacht; davon abgesehen, dass der “Trauerzug” noch zu hören war.
Ich versuchte, mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Als die Totengräber endlich ihre makabere Arbeit erledigt hatten, einen Menschen lebendig zu begraben, und ihnen Simon und Sofia folgten, um sie weiter abzulenken, suchten Miguel und ich nach geeignetem Werkzeug. Obwohl Miguel mich immer wieder wegscheuchte, konnte ich ihn nicht die ganze Arbeit allein machen lassen. Ich grub mit - mit wesentlich weniger Erfolg als unser überstarker Latino - bis Louis mir die Schaufel abnahm, der mit Xin ebenfalls den Weg hierher gefunden hatte. Anscheinend hatten Simon oder Sofia die beiden informiert. So war es nur eine Sache von Minuten, bis der Sarg hinausgehievt werden konnte. Ich konnte Miguel gerade noch davon abhalten, den extrem gesicherten Sarg zu zertrümmern: zwei Schlösser und zudem zugeschweißt, wer machte so etwas? Während sich Louis nach einem Eisenwarenladen umsah für geeignetes Werkzeug, versuchten Miguel und Xin vorsichtig ihr Glück. Sie wussten, wenn Simon irgendetwas wegen ihnen geschah, wäre ich ihnen an die Gurgel gegangen. Louis kehrte erfolglos zurück, kein Laden in der Nähe - aber Dank eines Schraubenschlüssels und einiger gezielter Hammerschläge von Louis war der Sarg plötzlich offen.
Der Deckel klappte auf und ich sah gerade noch irgendwelche okkulten Zeichen auf die Innenseite gemalt, als Simon anfing, loszuschreien. Es war reiner Reflex, dass ich ihm den Mund zuhielt, und nach einigen Augenblicken erkannte er mich. Ich hielt ihn fest, als er sich erleichtert an mich klammerte. Es dauerte einige Minuten, bis er mich wieder los lies. Genug Zeit für Simon, Marc und Sofia, um nichts zu verpassen. Mr. Maddensen sah alles andere als gut aus - mindestens einmal hatte er Prügel einstecken müssen, weil er “die falschen Fragen” gestellt hatte. Aber er gab uns einem knappen Überblick über die neue Voodooqueen: Sie hatte die Voodooszene von New Orleans fest in der Hand. Wer nicht für sie war, verschwand für immer. Es war sogar die Rede von Zombies und Reinkarnationen berühmter Voodooheiliger. Und sie war mit ziemlicher Sicherheit Louis’ Anne-Sophia Lammet.
Ich wollte Simon meinen Schlüssel wieder in die Hand drücken und ihn zu mir nach Hause schicken - aber die anderen meinten, dass er bei uns sicherer wäre. Außerdem hatte Simon schon trotzig seine Unterlippe vorgeschoben. Doch Ruhe würden wir Simon auch nicht geben können. Sofia drängte schon wegen Josh. Aber er wäre kein Journalist, wenn ihn sein Zustand von einer Story abhalten würde.

Während Louis sich etwas um Simon kümmerte - sie besorgten von irgendwoher anständigere Kleidung und eine Waschmöglichkeit für letzteren - erkundigte sich Mr. DuMont bei den Feiernden nach Josh. Sofia war überhaupt nicht begeistert, als sich herausstellte, dass ihr Josh derzeit der Lover der Voodooqueen war. Doch leider musste ich Simon zustimmen: Es wäre keine gute Idee gewesen, Josh sofort wegzuholen. Es hätte bestimmt Aufmerksamkeit auf sich gezogen, zumal es äußerst unwahrscheinlich gewesen wäre, hätte die Voodooqueen nicht irgendetwas gehabt, mit dem sie ihren Geliebten wieder hätte aufspüren können. So sehr ich ihre Ungeduld nachempfinden konnte, es ging nicht. Und zähneknirschend gestand sich Sofia dies auch schließlich ein. Aber ansprechen wollte sie ihn trotzdem.
Aus einiger Entfernung beobachtete ich, wie geschockt sie war, dass Josh sie regelrecht auflaufen ließ. Es war nichts mehr im Vergleich zu früher, wo der Hüne die zierliche Sofia durch die Luft gewirbelt hatte, sobald er sie sah. Und selbst, wenn nichts mehr zwischen den beiden lief - so kalt konnte ich mir Josh ohne eine Beeinflussung von außen einfach nicht vorstellen. Die Voodooqueen würde nichts mehr zu lachen haben, wenn Sofia sie in die Finger bekäme...
Mich ärgerte nur etwas, dass ich Sofia vor Simon und Marc bestätigen musste, dass etwas mit Josh nicht stimmte. Als ob sie es beurteilen könnte.
Simon beklagte sich daraufhin, dass es kaum brauchbares Material über die Queen gab. Zum einen könne man ja nicht bestätigen, ob es sich wirklich um Anne-Sophia Lammet handelte. Und zum anderen konnte er seine Fähigkeiten nur beschränkt anwenden. Doch er hatte nicht mit meinem Simon gerechnet: Dieser meinte nur lapidar, dass es natürlich Fotos von der Queen gab - etwas anderes hatte ich auch kaum erwartet. Diese waren in dem Schließfach, zu dem ich wiederum Simon DuMont den Schlüssel aushändigte, inklusive Code und Adresse. Ich konnte es regelrecht greifen, dass wir meinem Brüderchen mittlerweile richtig suspekt waren. Dass er versuchte, Puzzleteile zusammenzusetzen, aber noch kein Bild zu sehen war - und dass ihn genau das wurmte.
Sofia machte sogar den Vorschlag, Simon in alles einzuweihen. Ich sprach mich weder dafür aus noch dagegen. Hätte ich schon mit Dad darüber geredet, dann wäre es kein Thema. Simon wäre der erste, dem ich alles anvertrauen würde. Aber auch von den anderen kamen Einwände - von Simon DuMont sogar in Form von Schicksalsverbindungen. Als ob die nicht schon längst da wären... aber so blieb Simon Maddensen weiter im Nebel seiner Wahrnehmungen.
Obwohl die anderen meist so redeten, als wäre er nicht da, teilte Simon sein herausgefundenes Wissen bereitwillig mit den anderen: Die Queen hatte starke Bande zu Polizei und Verwaltung der Stadt. Doch obwohl sie versuchte, die Opposition verschwinden zu lassen, gab es immer noch Widerstand, der sich mittlerweile ins Bayou zurückgezogen hatte. Auf diese Information sprang Simon sofort an. Die Bilder von der Queen waren vergessen, er musste zum Widerstand. Auch hier wusste Brüderchen, wie wir weiterkamen: er führte uns an ein Boot.

Doch ganz so einfach ging es nicht: Louis meldete ich, dass es keine gute Idee wäre, wenn er mit dem Boot fahren würde. “Aquaphobie” nannte er es, um den Fluch nicht erwähnen zu müssen. Allerdings zerschlug Simon Maddensen Louis’ Hoffnung, dort trockenen Fußes hingelangen zu können. Sofia bot an, dass Cleo ihn in den Sumpf bringen könne, aber auch das lehnte Louis dankend ab. Er wolle sich dann eher in der Stadt umhören. Ich musste Mr. DuMont noch daran erinnern, ihm auch noch die Schlüssel zum Schließfach zuzuwerfen. Doch so weit sollte es nicht kommen. Auf Simon DuMonts Frage, wer denn den Widerstand anführe, antwortete der andere Simon, dass es eine “Blanche” wäre. Als dieser Name fiel, ändere Louis schlagartig seine Haltung und bat Sofia um Cleo. Sie reichte ihm die Katze, was meinen Simon ziemlich irritierte.

Die Fahrt verlief erstaunlich ereignislos. Allerdings wollte Simon von mir wissen, was jetzt eigentlich genau los sei. Die Ereignisse waren selbst für mich seltsam und meine Begleitung ein außerordentlich zusammengewürfelter Haufen, der so gar nicht zu mir passte. Aber ich konnte ihm nur ausweichend antworten. Und er drückte mit jeder Faser aus, dass ihm das wenig schmeckte. Doch nicht einmal Mum wusste davon, dass ihr Mann ein Gott war. Bevor ich Simon einweihte, brauchte ich weitere Infos... oder es müsste unumgänglich sein...


First rule of the Bayou: Never take directions from a gator.Bearbeiten

Als das Boot nicht mehr weiter kam, führte mein Kollege uns in den Sumpf zu Madame Blanche. Er schien dies wirklich nicht zum ersten Mal zu machen, denn er schleuste uns sicher an den bis an die Zähne bewaffneten Wachposten vorbei. Und die ältere Dame schien Simon und anscheinend auch noch einige andere meiner Begleiter zu kennen. Sie gab uns ebenfalls einen Abriss darüber, was nach der Abreise der anderen passiert war und sie schloss definitiv aus, dass die Voodooqueen das Gefäß für etwas war, was die anderen hoffnungsvoll vermutet hatten. Sie verwies auf den Dolch und den Stab der Queen als Gefäße der Macht und bot uns Hilfe in Form von Grisgris an, doch richtige Hilfe könnten wir nur von den Loa erwarten. Die Zeit, die mindestens Simon bräuchte, um diese zu befragen, reichte ihr, um die Grisgris zu erstellen.
Wir wollten also irgendwie zu Simons Pantheon. Doch vorher redete Louis noch allein mit Madame Blanche, was mir wiederum Zeit lies, Simon Maddensen einzuschärfen, dass er hier im Dorf bleiben musste, was auch geschah. Natürlich schmeckte ihm auch das nicht, das Abenteuer lauerte schließlich dort, wo wir hingehen würden. Es kam wieder die kurze Diskussion auf, ob man Simon nicht miteinbeziehen sollte, aber sie verlief genauso im Sande wie in New Orleans. Madame Blanche und Simon DuMont erklärten uns die rituellen Reinigungen, und es schien Simon wirklich Spass zu machen, seine Schicksalsgefährten mit den rituellen Bemalungen zu versehen. Glücklicherweise verneinte Madame Blanche, dass wir jeder ein Opfertier bräuchten. Überraschend gesellte sich auch Louis zu uns und begann mit den Vorbereitungen. Er bat Miguel darum, dass dieser ihm ein leeres Fass mitnehmen würde, da er Wasser aus der Unterwelt bräuchte für seinen Vater. Auf dem Weg zum Ritualplatz erwähnte Louis beiläufig, dass er für diese Nacht wieder ein normaler Mensch sei. Und tatsächlich, ein kurzer Blick unterschied den Frankokanadier kaum von Madame Blanche.
Madame Blanche führte uns zu einem Baum an einer Kreuzung und breitete mit Kerzen ein Ritual vor. Simon selbst macht eine Anrufung an Legba, von der ich allerdings nur die Hälfte verstand, was mich ein wenig ärgerte. Kreolisch war nicht meine Welt. Er opferte den Hahn und warf einen Blick zu Madame Blanche, die mittlerweile außerhalb des Ritualkreises stand, wie um sich zu versichern, und machte einen Schritt vor und verschwand. Sofia und ich warfen uns einen kurzen Blick zu und folgten ihm... und fanden uns unter Wasser wieder. Mein erster Impuls war auch der richtige: ich musste an die Wasseroberfläche und steuerte hoffnungsvoll das heller schimmernde Wasser an. Die anderen hatten wohl ähnliche Gedanken. Hinter uns verband sich das Meer - es musste ein Meer sein - mit dem Himmel. Nicht einfach durch einen Horizont, sondern es bog sich nach oben und wurde Pechschwarz. Irgendetwas schwamm darin, aber wenn ich es selbst von hier ausmachen konnte, dann wollte ich dem wirklich nicht begegnen. Vor uns lag eine Insel, auf die Simon zusteuerte. Louis meinte nur, dass er bis Sonnenaufgang wieder festen Boden unter den Füßen haben musste - und damit meinte er bestimmt nicht diese Insel.

Auf dem Eiland schien gut gefeiert zu werden. Laute Stimmen, Musik... es roch sogar leicht nach Tabak und Alkohol. Louis bat Miguel, ob dieser nicht das Fass mit Meerwasser füllen könnte.
Natürlich war unser Erscheinen nicht unbemerkt geblieben. Eine Frau trat auf uns zu und begrüßte uns. Nicht irgendeine Frau. Ich hatte noch nie jemanden gesehen, der einen so einnahm: Sie hatte eine angenehm rauchige Stimme, die einem die Worte fühlbar angenehm über den Rücken streichen ließ. Ihr Parfum war schwer und leicht zugleich, so dass man immer mehr davon riechen wollte. Ihr Kleid schmeichelte ihrer vorteilhaften Figur, die sie mit anmutigen Bewegungen richtiggehend zur Schau stellte, ohne aufdringlich zu sein... hätte ich mehr für Frauen übrig gehabt, wäre ich wohl genauso dagestanden wie unsere gesamte männliche Begleitung. Sie war personifizierte Sinnlichkeit. Marc und Simon merkten gar nicht, dass sie eher dümmlich statt triumphierend grinsten, als sich die Dame - anders kann ich sie nicht bezeichnen - bei den beiden einhängte und sie mit eindeutigen Absichten entführte. Als sie außer Sicht war, meldete sich ein Stimmchen, dass der so kontrollierende Simon so keine Kontrolle über seine Informationssuche haben würde.
Aber ich hatte nicht lange Zeit, darüber nachzudenken, den kaum waren die drei verschwunden, kam lässig ein Schwarzer im weißen Anzug auf uns zu. Ich hatte ihn schon einmal gesehen, aber da Kalfu und Legba anscheinend Zwillinge waren, konnte ich ihn nur als ersteren identifizieren, weil er Simon als seinen Sohn bezeichnete. Fast beiläufig fragte er, was wir hier wollten. Ich kannte diese Beiläufigkeit, und nur deshalb wirkte sie auf mich suspekt, denn Kalfu selbst war wie immer ein überaus angenehmer Gastgeber. Darum ging es mir auch irgendwie gegen den Strich, dass Sofia bereitwilligst alles erzählte, obwohl ich es an ihrer Stelle vermutlich kaum anders gemacht hätte. Vor allem hätte ich ihr am Liebsten kräftigst ans Schienbein getreten, als sie tatsächlich zugab, dass wir keinen Plan hatten, wie wir die Voodooqueen aufhalten konnten. Obwohl Kalfu faszinierend war und angenehm und vertrauenswürdig... warum hatte Simon dann Legba um einen sicheren Weg in die Unterwelt gebeten und nicht seinen Vater, der auch ein Hüter der Übergänge war? Geheimnisvoll wie sich Simon immer gab, hatte er es wieder einmal nicht für nötig befunden, uns solche “Details” zu erklären, die uns irgendwann einmal das Genick brechen konnten. Ich ärgerte mich selbst darüber, dass ich kaum eine Chance hatte, mich unvoreingenommen mit den Pantheons zu beschäftigen, bevor ich mit diesen zu tun bekam - aber ich hatte kaum Zeit für meine Tuatha de Dannan!
Ich kramte nach dem wenigen, was ich über Kalfu wusste. Er war der Chaotische der beiden Brüder, der mit den zweifelhaften Taten. Ordnung durch Chaos, beides musste ausgeglichen sein. Der Gauner und Schwindler. New Orleans versank gerade im Chaos, zumindest in der Voodoowelt. Sollte das Kalfu nicht eigentlich freuen? Wie viel Wert wäre dann Hilfe von ihm? Er verwies uns an Baron Samedi, der inmitten der Feiernden zu finden war. Da ich selbst nach diesem Ausschau gehalten hätte, konnte ich nichts suspektes daran finden.
Während des Gesprächs hielt ich Louis vorsichtshalber am Arm, bis er sich zähneknirschend verabschiedet hatte. Es wäre sicherlich nicht förderlich gewesen, hätte dieser sich auf seinen verhassten “Widersacher” gestürzt.
So machten wir uns weiter in die Insel, an den Feiernden vorbei. Obwohl überall Essen und trinken angeboten wurde, hielt mich irgendetwas davon ab, etwas zu probieren. Ich wollte einen klaren Kopf behalten.

Inmitten der Feiernden begegneten wir schließlich dem Oberhaupt des Loa-Pantheons. Baron Samedi war unverkennbar: Ein Skelett mit Anzug, Zylinder und Zigarre ist schwer zu übersehen. Obwohl er uns überschwenglich in seiner Feierlaune begrüßte, lehnte ich die Zigarre dankend ab. Sofia nahm sich zu meiner Überraschung eine.
Natürlich wollte er wissen, was wir hier verloren hatten, denn Götterkinder kamen kaum ohne Grund auf diese Insel. Ich berichtete ihm von der Situation in New Orleans. Im Gegensatz zu Kalfu hatte ich bei ihm wesentlich weniger Bedenken. Ich wollte seine Meinung zu den Vorgängen hören. Und es überraschte mich wenig, dass er den Aufstieg der Voodooqueen nicht schätzte. Er gab mir einiges zum Nachdenken, als er meinte, dass diese Königin zum einen von den Loa nicht legitimiert worden war, und dass zum anderen die Opfer, welche die Queen darbrachte, nicht an die Loas gingen. Somit wäre es den meisten Loas äußerst angenehm, wenn sich jemand um die selbsternannte Voodooqueen kümmern würde. Als ich ihn auf Marinette ansprach, auf welche sich die Voodooqueen berief, verwies uns der Baron an einen der Hüter. Miguel stellte die offensichtliche Frage und erhielt die ebenso offensichtliche Antwort, dass Legba und Kalfu sich diese Position teilten. Ich verabschiedete mich vom Baron und er nahm mir das Versprechen ab - oder gab er es mir? - dass wir einmal zusammen tanzen würden, wenn er wieder in der Oberwelt weilte. Dann warf er Sofia eine schwarze Zigarrenschachtel zu, die sie beinahe wieder zurückgegeben hätte, wenn ich ihr nicht fast ans Schienbei getreten und sie unterbrochen hätte. Artig bedanke sie sich und auch bei ihr wiederholte Baron Samedi die Sache mit dem Tanz. Dann verschwand er wieder in der Masse der Feiernden.
Xin, Miguel und Sofia diskutierten kurz, welchen der Brüder wir wegen Marinette fragen sollten. Aber ich wollte zu Legba. Ich war nicht überzeugt davon, dass Kalfu diesselbe Ansicht wie der Baron hatte, und mit Legba hatte ich noch nicht gesprochen. Also hielt ich einen der Feiernden kurz an und fragte nach der Hütte des ordnungsliebenden Hüters.

Hier verabschiedete sich Xin von uns, wo auch immer er auf dieser begrenzten Insel hin wollte. Vielleicht war ihm noch etwas eingefallen. Stattdessen stieß Louis wieder zu uns. Ich hatte leichtsinnigerweise nicht mitbekommen, dass er sich von uns abgesetzt hatte und war ehrlichgesagt auch froh, dass ihm kein Haar gekrümmt worden war. Er hatte sich erstaunlich gut im Griff, wenn man die Ausraster der letzten zwei Wochen und seine besondere Abneigung gegenüber diesem Pantheon betrachtete.
Der Schaukelstuhl auf Legbas Veranda schaukelte noch, als wäre er erst vor kurzem verlassen worden. Aber weit und breit war niemand zu sehen. Wollte der Gott nicht gestört werden? Sollten wir lieber umkehren? Aber den anderen schienen solche Gedanken nicht durch die Köpfe zu jagen. Sie klopften und betraten die Hütte auch, obwohl sie keine Antwort bekamen. Normalerweise hätte ich es ähnlich gemacht, aber wir waren hier bei Göttern... bei vielen Göttern. Zögernd folgte ich. Sofort sprang mir die peinliche Ordnung, die in der Hütte herrschte, ins Auge. Alles stand genau auf seinem Platz, so akkurat, dass es beinahe weh tat. Während ich dieses Bild noch verarbeitete, wurde hinter mir ein Streichholz angezündet und eine Pfeife angesteckt. Legba schlenderte an uns vorbei - wobei er selbst dabei äußerst akkurat wirkte und weniger von der Lässigkeit zeigte, die sein Bruders an den Tag legte. Es schien ihn wenig zu stören, dass wir ohne Aufforderung sein Reich betreten hatten. Er bot uns einen Platz an seinem blankpolierten Tisch an. Obwohl ich schon in vielen blitzblank geputzten Häusern zu Gast gewesen war, hatte ich hier zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, dass ich etwas in Unordnung bringen könnte. Dieser Gedanke überschattete das ganze Gespräch und machte den Aufenthalt bei diesem Gott für mich richtiggehend unbehaglich.
Und auch in dem Gespräch über die Vorgänge in New Orleans ging es um Ordnung. Alles musste seine Ordnung haben, und Unordnung musste ausgelöscht werden. Legba wünschte, dass wir die Ordnung wieder herstellten. Auf meine Frage, ob es möglich war, dass Anne-Sophia Lammet als Voodooqueen die Reinkarnation der Heiligen Marinette sein könne, ließ er eben diese rufen. Er fragte uns, ob es denn sein könne, dass Marinette hier war und gleichzeitig eine Reinkarnation. Damit entzog er der Voodooqueen eine weitere Legitimation. Er wünschte, dass dieses anmaßende Wesen verschwand und ließ dabei offen, welche Mittel wir benutzten. Es war ihm egal, ob sie starb oder einfach nur abdanke, ob wir herausfanden, wer oder was hinter dem ganzen Tohuwabohu steckte oder ob wir es kopflos entwirrten. Er schlug sogar vor, dass wir die Voodooqueen ersetzen könnten - und damit niemand von uns bleiben müsste, um ihren Platz einzunehmen, schlug er sein Gefäß Maria vor, die sich auf Legbas Anordnung schon von der Vodooqueen hatte gefangen nehmen lassen. In meinem Kopf war die ganze Zeit schon alles wie ein großes Schiebepuzzle, und Legbas Informationen trugen dazu nur bei. Neben dem Ordnungswahn, der mich befallen hatte, machte sich noch ein anderes Gefühl breit, ein anderes Unbehagen. Ich hatte das Gefühl, etwas stimmte nicht. Etwas hielt mich davon ab, Legba zu geloben, die Ordnung um jeden Preis wieder herzustellen. Darum erhielt ich auch seinen Segen nicht, genausowenig wie Miguel und Louis. Sofia hingegen klammerte sich geradezu an das Angebot von Ordnung, und erhielt dementsprechend den Segen des Gottes. Dann entließ uns der Gott.
Ich war erstaunt darüber, dass Louis die ganze Zeit den Mund gehalten hatte. Ich an seiner Stelle hätte mich mit Fragen auf Legba gestürzt! Aber das war seine Baustelle ...

So machten wir uns zurück an den Strand, um auf die anderen drei zu warten. Wir erzählten Louis, dass wir Baron Samedi getroffen hatten. Auch er war dem Oberhaupt der Loa über den Weg gelaufen und hatte ihn um Erlaubnis gebeten, das Wasser in dem Fass mitnehmen zu dürfen. Und der Baron hatte sich kryptisch geäußert: Es gibt Wasser und Wasser. Das sagte mir etwas... ich kannte ein ähnliches Zitat, nur fiel es mir gerade nicht ein. Ich drehte diese Worte in meinem Kopf, während sich die anderen noch etwas unterhielten. Wasser und Wasser... Ich sah auf das Meer hinaus, hörte die Feiernden, roch Tabak und Alkohol... Moment. Ich verabschiedete mich kurz von den anderen und machte mich zu den Feiernden, für die ich bisher wenig übrig gehabt hatte. Sie hatten alles hier, nur kein Wasser. Alles, was sie tranken war... Rum!
Ich eilte zurück, winkte Miguel heran und bat ihn, das Meerwasser gegen Rum zu tauschen. Zuerst sah er mich verständnislos an. Mehrfach nahm ich den Anlauf, ihm zu erklären, dass Rum hier das “Wasser der Unterwelt” war und nicht das Salzwasser, durch das wir geschwommen waren. Ich sah gerade, dass Miguel dabei war, zu begreifen, als Simon sich zu uns gesellte und mich bestätigte. Er sagte Miguel, dass er sogar zwei der kleinen Rumfässchen mitnehmen dürfe - bei den Loa war eben alles ein wenig anders.
So schwammen wir wieder Simon hinterher. Als wir durch die Wasseroberfläche brachen, war es noch vor Sonnenaufgang...

In meiner Nähe konnte ich Sofia und Xin ausmachen, die anderen stiegen ein ganzes Stück weiter aus dem Sumpf. Nach dem Meeresrauschen und den Feiernden brauchte ich einige Sekunden, um die Geräusche hier als Kampflärm zu identifizieren. Auch Sofia und Xin schienen verwundert - wie viel Zeit war vergangen? Wir brauchten alle den Augenblick, um zu verdauen, was wir vor uns hatten. Eine Horde Zombies griff das Dörfchen des Widerstands an. Simon! Ich musste zu ihm. Ein ähnliches Gefühl wie bei Louis in Griechenland erfasste mich, nur dass mir klar war, dass es Simon betraf. Außerdem hatte er noch Frostbrand. Xin bot an, Sofia und mich zu Simon zu bringen. Er machte mit uns einen Riesensatz und landete fast mitten in den lebenden Toten. Dann verabschiedete er sich mit einem “Lauft!”. Sofia kämpfte gegen Cleo an, die in ihren Armen fast verrückt vor Kampfeswut wurde. Ich schrie meine Freundin an, dass sie Cleo endlich kämpfen lassen sollte, aber zuerst weigerte sie sich, weil ihr Kätzchen verletzt werden könne. Ich hätte ihr am liebsten Verstand hineingeschüttelt, aber dann besann sie sich eines Besseren. Cleo wurde zur tobenden Sphinx, die unter den Zombies wütete wie eine Naturgewalt. Von Louis, Miguel, Marc und Simon bekam ich nur am Rande mit, wie sie sich durch die Angreifer kämpften. Ich wollte zu meinem Freund und Kollegen. Dann sah ich Simon, wie er mit Frostbrand in dessen Hülle auf Zombies einprügelte, während Ceo Riabh ihm den Rücken freihielt. Atemlos - mehr vor Sorge als vor Konditionsproblemen - kam ich bei ihm an, brüllte ihn an, riss ihm seinen Knüppel aus der Hand und holte Frostbrand daraus hervor. Sein panisch-schriller Aufschrei, dass er die ganze Zeit nicht gewusst hatte, dass sein Prügel ein Schwert war und warum ich eigentlich einen Schwert mitschleppte, wäre wirklich komisch gewesen, wenn die Situation dies zugelassen hätte. Während Sofia und ich mehr uns und Simon schützten, bekam ich am Rande mit, wie Xin Dutzende der Untoten auf sich zog und in Brand steckte. Dann kamen die skelletierten Krokodile. Ich rief nach Marc, das war sein Job - aber ob er mich hörte...
An einem Bootssteg versuchten einige der Widerständler, mit einem Boot zu verschwinden. Mit Sofias und schließlich auch Xins Hilfe konnten wir ihnen die Flucht ermöglichen - nur damit sie schließlich vom Sumpf regelrecht verschluckt wurden.
Wir sahen uns um. Die Armee der lebenden Toten war riesig und wir drei standen mit Simon, Jadeauge und Ceo Riabh eingeschlossen auf dem Kai. Von den anderen vier war niemand zu sehen. Wir mussten hier weg. Sofia rief nach Cleo, die mit einem ekelig knirschenden Geräusch auf den vordersten Zombies landete und uns so ein wenig Luft zum Atmen verschaffte. Nochmal: wir mussten hier weg. Cleo konnte nicht alle tragen, Ceo Riabh auch nicht alle mitnehmen. Die Kugel! Kaum hatte ich sie erwähnt, verschwand Jadeauge panisch in Xins Rucksack und kam mit dieser wieder heraus. Sofia wandte ein, dass wir nicht wussten, ob die Kugel dann einfach zu Boden fiel. Die Zombies kamen näher...
Ich sah Simon fest an und hielt ihm die Kugel hin, damit er sie anfassen konnte. Mit der freien Hand berührte ich Ceo Riabh. Zögernd fasste Xin ebenfalls an die Kugel und zu meiner Überraschung und gar nicht zögernd auch Jadeauge. Zwei Zombieschritte später auch widerwillig Sofia. Ich fragte sie, ob sie wirklich wollte, aber anscheinend lag es nicht an ihr, denn Jadeauge nickte vehement und kaum dachte ich an die Flucht in die Kugel, da veränderte sich alles...


Märchen Sagt: Es war einmal...Bearbeiten

Der Mann, der vom Himmel fiel.Bearbeiten

Wie in einem Vortex wurden wir vier und unsere tierischen Begleiter durcheinandergewirbelt. Ich bemühte mich darum, die Kugel nicht aus der Hand zu verlieren, während alle von mir weggezogen wurden. Dann war das Herumwirbeln plötzlich vorbei und wir fielen - mehr oder weniger sanft - auf eine Wiese. Die Kugel sprang mir aus der Hand, aber im ersten Moment wollte ich mich nicht aufraffen und ihr hinterherrennen, ich hatte definitiv den weniger sanften Part erwischt. Dann wurde mir bewusst, dass ich etwas anderes trug als noch im Sumpf. Blaue chinesische Kleidung. Dann erst brach die ungewöhnliche Stille der Umgebung über mich herein, die die Stimmen nur deutlicher werden lies. Versehen konnte ich sie allerdings nicht.
Ich setzte mich auf und sah, dass Simon und Sofia ebenfalls in ähnlicher Kleidung wie ich gekleidet waren. Nur Xin hatte noch sein griechisches Kostüm an - ausgerechnet der Chinese trug keine traditionell chinesische Kleidung. Die Stimmen kamen von Bauern in einiger Entfernung, die anscheinend von einem Trupp schwarz vermummter Reiter und deren fast reinweißer Anführerin eingeschüchtert wurden. Wie sollte es anders sein: es waren Chinesen.
Einer der Reiter beugte sich vor und hob die Kugel auf, die in dem abschüssigen Gelände zu ihm gerollt war.
Jadeauge fiel ihn Ohnmacht, als Xin sie fragte, ob wir die Kugel zur Rückkehr brauchten. Also trat er vor und sein Mantel nahm ebenfalls die Form chinesischer Kleidung an, was mit eher entsetzten Blicken der Bauern quittiert wurde. Er sprach ruhig mit den Reitern und übersetzte bruchstückhaft, da weder Sofia noch Simon und ich chinesisch verstanden: Die Reiter wollten uns die Kugel nicht zurückgeben, weil alles im Land dem Kaiser gehörte. Erst wenn wir vor diesen knieten und ihm die Treue schwörten, bestünde ansatzweise die Möglichkeit, sich die Kugel wieder zu verdienen. Allerdings wollte sich niemand auf den Vorschlag einlassen. War den anderen die kreideweiße Anführerin des Trupps auch so unheimlich? War sie ebenfalls ein Götterkind? Ich konzentrierte mich auf die Gerüche und Geräusche, die die Pantheons machten...
… die Welt brach über mir zusammen. Eine Kakophonie von Eindrücken schlug über mir wie ein Tsunami zusammen. In meinen Ohren kreischten mehr Töne durcheinander, als ich je vorher auf einmal gehört hatte; und ich hatte eine solche übelkeitserregende Vielfalt noch nie gerochen, wie sie mir in die Nase kroch. Diese Eindrücke ließen ebenso schlagartig von mir ab, wie sie gekommen waren, und ich fand mich zusammengekauert und schwitzend auf dem Boden kniend wieder, die Hände auf den Ohren, auch wenn es nichts geholfen hatte. Sofia starrte mich fassungslos an und half mir besorgt auf. Wie durch Watte bekam ich mit, dass die Reiter losritten und Sofia es nicht zulassen wollte, wie sie ihnen etwas hinterherrief, was nicht den erwünschten Erfolg hatte. Xin ließ die Reiter ziehen. Wäre ich weniger erschüttert gewesen, hätte ich meiner Freundin wohl geholfen, doch so konnte ich nur zusehen, wie unsere Kugel verschwand. Ich erinnere mich noch schwach, dass ich beinahe lapidar zu Xin meinte, dass er mir unbedingt das Chinesisch beibringen musste, das hier gesprochen wurde.
Als die Reiter außer Sicht waren, wandten sich die Bauern an Xin. Kurz darauf stellte er Jadeauge regelrecht zur Rede, was es nun mit allem auf sich hatte. Ich stand noch etwas neben mir, so dass ich Jadeauge fast beiläufig auf die Eindrücke ansprach. Sofia war gereizt und fragte nach, und als ich erklärend etwas von Fluglärm, Presslufthammer und Beethovens Neunter sagte, verlor der Affe erneut das Bewusstsein. Anscheinend hatte das Tier bisher keinen solchen Sauerstoffmangel gezeigt, denn Xin zeigte sich wirklich besorgt. Als wir Jadeauge wieder aufgepäppelt hatten, wollte sie uns an einem ruhigeren Ort eine lange Geschichte erzählen. Auf unsere Frage, wo denn so ein ruhiger Ort sei, führte sie uns zu einem lange verlassenen Schrein. Natürlich musste Sofia ihrem Missfallen über die ganze Situation Luft machen, und ließ beiläufig eine verächtliche Bemerkung über das Wetter fallen... und so erreichten wir durchnässt den Schrein.
Die nassen Klamotten, das klamme Wetter und die Aussicht auf eine ungemütliche Schlafstätte hoben die Stimmung nicht wirklich. Am liebsten hätte ich Jadeauges Geschichte sofort gehört, aber sowohl Sofia als auch Simon waren schon übermüdet. Vermutlich war Sofia deshalb so taktlos, dass sie mit Cleo und mir tatsächlich im Gebetsraum schlafen wollte. Das setzte sie dann auch tatsächlich mit einer Sphinx-Cleo um, nachdem sie Xin in Ruhe hatte beten lassen. Doch auch wenn der Schrein anscheinend schon sehr lange nicht mehr genutzt worden war, war ich überhaupt nicht scharf darauf, mich mit irgendeinem Gott anzulegen, bevor ich nicht wusste, um was es hier überhaupt ging. Auch nicht, um Sofias wiedergewonnene Prüderie zu unterstützen. Im Gegensatz zu Xin nutzte ich die Möglichkeit, noch etwas zu schlafen - wer wusste hier schon, wann wir das nächste Mal dazu kommen sollten.
Auch wenn mich Ceo Riabh und Simon einigermaßen warm hielten, so war die Nacht dennoch alles andere als bequem. Gut, ich hatte schon schlimmeres erlebt, gerade auch mit Simon. Aber darum darf ich doch trotzdem meckern. Xin hatte Feuerholz herbeigeschafft und nach Essbarem gesucht. Beim kargen Frühstück trockneten Sofia und ich unsere klamme Kluft. Als Simon dann auch mehr erschlagen als wach aus dem Schrein torkelte, setzte Jadeauge zu ihrer Geschichte an:

Am Anfang war Hundun, das Chaos, und aus diesem wurde die Ordnung geboren, welche bis heute von der himmlischen Bürokratie verwaltet wird. Doch das Chaos kann man nicht beherrschen. Es sucht sich seinen Weg. Es korrumpierte selbst Götter der Bürokratie, so dass diese heute nicht mehr dazuzählen. Und eines Tages fand einer dieser Götter, Chiyou, einen Kaiser, der Macht um der Macht Willen wollte. Chiyou bot ihm diese Macht durch Dämonen und der Kaiser empfing sie mit offenen Armen. Ja mehr noch, er lies seine Konkubinen von ihnen schwängern und schaffte sich damit seine halbdämonischen Kämpfer. Er eroberte ein Königreich nach dem anderen, und als ganz China im Chaos zu versinken drohte, musste die himmlische Bürokratie handeln. Sie wollten den Kaiser mit deinen Dämonen und seinem gesamten Volk vernichten. Doch Sun Wukong hatte Mitleid mit dem Volk, das nichts für die Grausamkeit und Habgier seines Kaisers konnte. So entrückte er das Königreich aus der Welt in eine kristallene Kugel, so dass zur rechten Zeit ein Held vom Himmel fallen würde, um den Kaiser und seine Dämonenbrut zu besiegen - und so würde das Kaiserreich wieder in die Welt entlassen werden.
Nach einiger Zeit kam eine Prinzessin, eine Tochter Guang dis, die sehr aussichtsreich gegen den Kaiser kämpfte. Aber am Ende wurde sie verraten von ihrem eigenen Geliebten. Dieser wurde getötet und sie wurde in einem Kristall aus dessen Blut gefangen. Der Held muss diese Prinzessin aus ihrem Kristallgefängnis mit Hifle der Träne der Sonne befreien. Sie war tief unter den Bergen verborgen, damit nie ein Sonnenstrahl sie erreichen konnte.
Und der Held hätte drei Generälinnen, die ihm helfen würden: Eine Prinzessin, die kämpfen wird, eine Frau, welcher die Menschen zugetan sein werden und eine weise Generalin. Zusammen mit dem Siegel der Ordnung könne man das Chaos wieder versiegeln.

Xin erwähnte, dass er vom Bauern gefragt worden war, ob er der Held wäre, der vom Himmel fallen sollte. Aber der Landmann erwähnte auch eine Jaderüstung, die Xin offensichtlich nicht trug. Trotz einiger befremdlicher Blicke, wurde kurzerhand beschlossen, sich auf die Suche nach der Prinzessin zu machen. Mehr Anhaltspunkte als “unter den Bergen” konnte uns Jadeauge nicht geben, und bevor wir vor dem Kaiser niederknien würden, um unsere Kugel wieder zu bekommen, nahmen wir unser Schicksal lieber selbst in die Hand... wie pathetisch das auch klang. Da wir den Kaiserpalast vom Schrein aus sehen konnten, schlug Xin kurzerhand die entgegengesetzte Richtung vor. Eine ziemlich gerade Linie durch das Unterholz; also passten wir uns an Simons Geschwindigkeit und Sofias Ausdauer an. Irgendwie war die Wanderung für mich wesentlich angenehmer als der Aufstieg zum Aetna.

Gegen Abend sahen wir eine dünne Rauchsäule aufsteigen. Ein Feuer und etwas ordentliches zu Essen, dafür hätte mittlerweile jeder sein letztes Hemd gegeben. Nach kurzer Absprache schickte ich Xin vor; ohne uns war er wesentlich schneller. Davon abgesehen, dass er sich auch allein verteidigen konnte. Es dauerte nicht allzulange, bis wir uns etwas weiter des “Wegs” wieder trafen: Ein alter Mann bewohnte eine einsam gelegene Hütte und würde uns für die Nacht Unterschlupf und eine dünne Suppe anbieten.
Die Hütte war alt, aber nichts im Vergleich zu ihrem Bewohner: dass er überhaupt noch lebte... und er war natürlich blind. Ob die klassische chinesischen Legenden auch immer von blinden Meistern handelten, wie die westlich geprägten Eastern, die mir gerade durch den Kopf gingen? Natürlich sprach er nur chinesisch. Die seltsamen Reiter im Dorf machten den Umstand, dass ein Blinder allein in einem riesigen Urwald zurechtkam, noch ungewöhnlicher - und es stellte sich heraus, dass der alte wohl ebenfalls keine normalen Eltern hatte. Doch glücklicherweise hatte er nichts mit Hundun zu tun, sondern das angenehme Rascheln von Seide und der Geruch nach Bibliothek verstärkte sich nur.
Zuerst versuchte es Xin mit Simultanübersetzung, als er uns vorstellte und ein erstes Gespräch begann. Dann übernahm dies auf meine Bitte hin Jadeauge. Anscheinend hatte der alte Mann keinen Namen, zumindest behauptete er, dieses schon lange vergessen zu haben. Als Xin ihn auf die Legenden um den Helden aus dem Himmel und die gefangene Prinzessin ansprach, fragte der Alte pragmatisch, ob wir denn schon die Jaderüstung oder den Speer des Himmels hätten. Davon hatte Jadeauge nichts erzählt, aber so machte die Frage des Bauern auf einmal Sinn.

Der Alte bot uns einen Platz zum schlafen an. Gemütlicher als im Schrein war es hier auch nicht. Aber die Illusion bestand wenigstens. Xin wollte draußen etwas meditieren. Das nahm Sofia zum Anlass, mir den Vorschlag zu unterbreiten, Simon “in Sicherheit” beim Alten zu lassen. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Auf der einen Seite wäre es schön gewesen, ihn irgendwo in Watte gepackt abzustellen, andererseits gab es mittlerweile schon eine kleine Verbindung von ihm zu Sofia, wenn auch wesentlich schwächer als die zwischen uns beiden. Ratlos suchte ich die einzige, die vielleicht noch das ganze Schicksalsknäuel ein wenig kennen könnte: Jadeauge.
Sie sagt zwar, dass sie selbst nur wenig vom Schicksal wusste, aber wenn ich die Verbindungen sehen konnte, dann könnten das bestimmt auch “die anderen”, wer auch immer das war. Und bevor Simon am Ende korrumpiert würde, weil wir ihn irgendwo zurück ließen... Gut, dass sich ihre Meinung mit meiner deckte, so musste ich nicht auf andere potentielle Probleme hinweisen. Inzwischen war sie auf meinen Arm geklettert, weil der Alte ebenfalls heraus gehumpelt war und Xin in Beschlag nahm. Das Äffchen ließ es sich gutgehen, und übersetzte bruchstückhaft, dass Xin nach seiner Ausbildung gefragt wurde und Xins Antwort rief wenig Begeisterung beim Alten hervor. Ein wahrer Wortschwall bricht über Xin herein, den ich sogar ohne Übersetzung als Tadel ausmachen konnte, dann wendete er sich wieder zur Hütte. Xin versuchte, dem Alten den Stock abzunehmen - natürlich erfolglos, wie es in jedem Mittelklasse-Kungfu-Film sein muss.
Aber der Tadel des Alten rief mir auch wieder meinen Trainingsrückstand ins Gedächtnis. Die Sidhe hatten Miguel und Xin als Lehrer vorgeschlagen. Da von den beiden nur noch einer anwesend war, fragte ich ihn, ob er mir mehr beibringen könne. Xin wirkte tatsächlich überrascht, vor allem, da ich ihm nicht eingrenzen konnte, was er mir beibringen sollte. Woher sollte ich wissen, was mir eigentlich fehlte, um mit Frostbrand einigermaßen umgehen zu können? Aber er verschwand in den Wald und kam kurze Zeit später mit langen Stäben zurück. Die Umstellung auf einen chinesischen Stil war gar nicht so einfach, wie es bei Xin aussah...
Dieser versuchte noch zweimal, an den Stock des Alten zu kommen, hatte aber anscheinend nur den Erfolg, dass er damit Sofia weckte und der Alte zum Frühstück Eier bestellte.

Als Simon und Sofia wieder wach waren, schickten wir sie zum Wasserholen, während Xin die Eier und ich sonstiges Essbares im Wald suchte. Seltsamerweise waren beide nach Stunden noch nicht zurück, aber die Schutzmale hatten sich nicht gemeldet. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Xin fragte den Alten, wo wir denn einen Brunnen oder eine Quelle finden konnte - die Eier würde es wohl zum Mittagessen geben - und fanden die beiden dann tatsächlich mitten im Wald. Sofia hatte anscheinend den Fluss gehört, der über eine Tagesreise entfernt war, und die Quelle überhört. An der Quelle lies Simon eine Bemerkung über chinesische Ninjas im Wald fallen, die alle eher für einen Witz hielten.
Aber als ich mich auf dem Rückweg absetzte, weil ich Goji- und Maulbeeren ausgemacht hatte, und diese mitbringen wollte. Kaum hatte ich die Hände voll, lösten sich aus den Bäumen etwa ein Dutzend... chinesische Ninjas. Also bitte... jetzt kam selbst ich mir wie in einen der schlechteren Filme vor. Es war beinahe witzig, dass ich tatsächlich zuerst die Beeren weglegen durfte, bevor sich die Gruppe auf mich stürzte. Aber es war eine typische Patt-Situation: Ich sah nicht ein, mehr zu tun, als mich zu verteidigen - und falls sie mir wirklich ein Haar krümmen wollten, kamen sie nicht wirklich dazu. Als Xin angehetzt kam, verschwanden sie so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Wir sahen uns an: chinesische Ninjas...
Zurück beim Alten mussten wir eine aufgebrachte Sofia erst einmal beruhigen. Mir hätte ja etwas passieren können. Simon versuchte, die Situation zu entschärfen, indem er witzelte, dass der Alte nun traditionell in den Filmen mit Ketten zum Trainieren ankommen würde. Prompt hörten wir auch, wie der Alte irgendetwas schweres heranzerrte, was sich als ein Sack mit Ketten für Hand- und Fußgelenke herausstellte. Na super. Sidhe oder Ketten. Dämliche Wahlmöglichkeiten. Zu meiner Überraschung zogen sich auch Sofia und Simon die Ketten an und es ging zu einem Dauerlauf in den Wald, bei dem uns Simon vor einem Steinschlag bewahrte, weil er darauf beharrte, eine andere Strecke einzuschlagen als Xin.
Doch auch Simons Strecke war nicht ohne: Nach einer Weile bemerkten wir Rauch in der Luft und kamen schließlich auf eine Anhöhe, von der aus wir ein brennendes Kloster sahen, vor dem ein halbes Dutzend schwarzer Reiter die fliehenden Insassen niedermetzelten. Nach kurzer Diskussion gibt sich Simon geschlagen und verspricht, auf der Anhöhe zu bleiben, während wir drei uns zum Kloster machten, um die Reiter zu stellen. Auch hier kam es zu einem Patt: keine Seite konnte wirklich etwas gegen die anderen ausrichten. Schließlich wurde es den Reitern wohl zu bunt und sie zogen ab - und uns war es wichtiger, aus dem Kloster zu retten, was noch zu retten war, als ihnen nachzusetzen. Nach und nach kamen die ehemaligen Bewohner zurück und schienen kaum glauben zu wollen, dass wir nur um einen kleinen Sack Reis für den alten Eremiten baten. Sie suchten uns den saubersten und Unversehrtesten heraus. und anscheinend hielten sie Xin ebenfalls für den Helden, der vom Himmel fallen muss.
Dann war der Adrenalinrausch weg und die Wunde, die einer der Reiter über meine Schulter geschlagen hatte, meldete sich mit einem äußerst unangenehmen Brennen. Sofia versuchte wieder, mich zu bemuttern, und eigentlich hätte ich es gerne zugelassen. Aber als Simon fast genau denselben besorgten Gesichtsausdruck wie Sofia hatte, war das unmöglich geworden. Wenn ich jetzt nachgab, egal wie sehr ich das wollte, dann würde Simon sich nicht mehr aus solchen Kämpfen heraushalten. Und das wäre alles andere als gut. Außerdem erwähnte Sofia Nadel und Faden, ein No-Go. Aber sie bestand darauf, dass sie die Wunde wenigstens säuberte, sobald wir wieder bei der Hütte waren.
Um mich abzulenken, während Sofia Dreck aus der sich schon schließenden Wunde puhlte, versuchte ich, ob das Schutzmal zu Louis noch funktionierte. Bis auf kleinere Blessuren schien es ihm gut zu gehen.
Training lies ich ausfallen und holte ein lange überfälliges Bad an der Quelle nach.
Am Abend verkündete Sofia, dass sie Fallen auslegen wollte, um unser Essen etwas aufzustocken. Aber Simon bemerkte, dass es ungut wäre, wenn wir mehr als eine Nacht hierbleiben würden. Sofia war verstimmt. Zum einen konnte Simon sein Gefühl nicht näher spezifizieren, und zum anderen war sie es doch eigentlich, die mit Prophezeiungen um sich schmiss. Oder sie war einfach nur sauer, weil sie etwas Sinnvolles tun wollte und davon abgehalten wurde.
Wir fragten Shifu - Xin und ich waren dazu übergegangen den Alten so in Ermangelung eines Namens zu nennen - und er riet uns, seinen alten Meister Liu Feng in der Stadt der Türme aufzusuchen. Dieser könne uns wesentlich mehr beibringen als er selbst und sei außerdem ein Mann großer Weisheit und Tugend. Er selbst wolle allerdings hierbleiben. Xin fragte, ob er uns wenigstens die Geschichte der Jaderüstung erzählen könne.

Nachdem Hundun vertrieben war, wanderte Nüwa durch die Welt und erschuf, was sie konnte. Doch sie spürte immer wieder die Anwesenheit des Chaos. Sie schickte Götterkinder aus, dieses zu bekämpfen. Doch eines Tages starb einer ihrer Söhne im Kampf mit Ochsenkopf und Pferdegesicht. Nüwa trauerte sehr um ihr Kind. Schließlich suchte sie einen Berg und einen Schmied und hieß letzteren, aus dem Berg eine Rüstung zu schmieden. Der Schmied meditierte lange, was er tun sollte. Schließlich entfernte er alles Weiche und alles Unreine vom Berg und zurück blieb reine Jade. Aus dieser schmiedete er eine grüne Rüstung mit roten Schultern und einem mächtigen Zeichen auf der Brust. Viele Helden trugen diese Rüstung im Kampf gegen das Chaos.
Als die Prinzessin die Rebellen sammelte, scheute Kaiser Hu keine Mühen, die Rüstung von der Prinzessin fern zu halten. Ihr treuer Gefolgsmann Zong, der ihr die Rüstung bringen wollte, floh schließlich vor des Kaisers Schergen in den Einhornwald. Es heißt, er versteckte die Rüstung tief im Wald, damit diese nicht Kaiser Hu in die Hände fiel. Und dort soll sie noch heute versteckt sein.

Auch die Geschichte des Speers des Himmels gab Shifu zum Besten. Doch acuh nach den geschichten wollten weder Xin noch ich den Alten zurücklassen. Wenn Simons ungutes Gefühl wieder die schwarzen Reiter bedeutete, dann war er hier wirklich nicht sicher. Sofia war entschieden dagegen, Shifu mitzunehmen, aber sie beugte sich. Am nächsten Morgen packte ich mit dem Alten seine Kiste. Xin bestand darauf, dass Sofia, Simon oder ich die Kiste zum Training trugen. Nach einigem Hin und Her trug Simon Frostbrand und Sofia grummelnd mit mir die Kiste. Wenigstens hatte Xin fast den kompletten Reis zu Reisbällchen verarbeitet.

Die Reise verlief recht ereignislos. Shifu bestimmte das Tempo, was uns drei Kistenträgern sehr entgegen kam. Ein ungutes Gefühl machte sich in uns breit, als im ersten Bauerndorf die Bewohner so eingeschüchtert waren von den Schergen des Kaisers, dass sie sich uns nicht zeigen wollten, sondern lieber beteten, dass die Dämonen wieder verschwänden. Wir übernachteten in einem verlassenen Bauernhaus. Am nächsten Tag kamen wir an den Fluss, in dem auch die Stadt der Türme lag. Ein teilweise abgebranntes Gasthaus, aus dem ein übler Geruch zu uns wehte, erregte unsere Aufmerksamkeit. Darin fanden Xin und Sofia Goblins. Einen wollte Sofia sogar untersuchen, während ich Xin half, das Gasthaus mit den Leichen der ehemaligen Gäste und Bewohner samt der Goblins niederzubrennen. Danach übergab ich mich erstmal, während Sofia und Simon mich bemutterten.
Das nächste Dorf hielt eine Spielhölle inklusive anderer Annehmlichkeiten. Xin wurde angesprochen, doch er lehnte es ab, dort abzusteigen - während er weiterging, übersetzte er, dass der Betreiber ihm wohl angeboten hatte, dass er Sofia oder mich dort als “Pfand” hätte hinterlassen können, da er ja kein Geld dabei hatte. Wir bemerkten die Brieftaube, die kurz drauf vom Etablissement aus losgeschickt wurde und Xin und Ceo Riabh sorgten dafür, dass uns ihre Nachricht erreicht: anscheinend galten wir als verdächtig. So nächtigten wir unter freiem Himmel. Die Stadt der Türme konnte man schon in der Ferne ausmachen.
Wir kamen an einer Stadt vorbei, die bis auf die Grundmauern geschliffen war. Laut Shifu war dies einst eine mächtige Stadt gewesen, die angeblich die Geheimnisse der Drachen gekannt hatte. Doch ihre Bewohner hatten es gewagt, Kaiser Hu nicht den Respekt zu zeigen, den er verlangte. Eines Nachts ließ er seine Reiter einfallen und jedes Lebewesen töten, Mensch wie Tier, vom Pferd bis zur kleinsten Zikade. Die Mauern ließ er schleifen, den Boden versalzen.

Die Schlange im Schatten des AdlersBearbeiten

Die Stadt der Türme war beeindruckend für diese Zeit. Eine Insel im Fluss war dicht bebaut und es ragten tatsächlich aus Platzmangel viele Türme in die Höhe. Sie erinnerte mich irgendwie an Manhattan. Hier endete unsere Glückssträhne: Am Tor einer Brücke wurden wir angehalten und Xin redete kurz mit den Wachen, woraufhin sie darauf bestanden, uns mitzunehmen. Eher ratlos folgten wir den Wachen, die uns in ein steinernes Gebäude eskortierten. In einer Zelle steckten sie Sofia und mich, sowie Xin und Simon in je eine vergitterte Grube. Endlich konnte Xin uns erzählen, was eigentlich los war:
Wir waren auffällig, da wir zwar Waffen trugen, aber kein Zeichen des Kaisers. Davon abgesehen, dass Sofia, Simon und ich offensichtlich nicht aus diesen Gefilden stammten. So musste der Verwalter der Insel erst entscheiden, was mit uns geschehen sollte. Schnell kam Langeweile auf.
Noch am selben Tag bekamen wir Besuch, das war aber auch das einzige Positive daran: Eine der Wachen wurde wohl wegen unseres insubordinanten Verhaltens - wir hatten es gewagt, mit ihnen zu sprechen und zu scherzen - von jemandem getötet, von dem ich eigentlich gar nicht wissen wollte, was er wirklich war. Der Blickwinkel aus der Grube ließ den Schwarzgekleideten noch mächtiger erscheinen, der sich uns als Lautloser Sturm, irgendein Avatar, General und Beamter, vorstellte. Xin übersetzte wieder, was mir mittlerweile richtig auf die Nerven ging. Er wollte von uns wissen, ob wir den Kaiser und dessen Macht anerkennen würden. Wir schifften um diese Frage herum, da wir ja eigentlich nur wieder nach Hause wollten - außerdem gefiel mir sein Standpunkt nicht. Die Grube war äußerst unvorteilhaft. Dann lies er Xin holen und verschwand mit diesem. Da wurde es uns wirklich zu bunt. Sofia knackte unser Schloss mit meinem Leatherman, ebenso Simon das seines Gefängnisses. Wir gesellten uns zum Alten und dessen Kiste, der anscheinend nicht gefährlich genug gewesen war, um ihn ebenfalls in eine Grube zu verfrachten.
Nach recht kurzer Zeit kam Xin mit einigen Dienern zurück, die Essen für uns hatten. Lautloser Sturm schlug uns einen Handel vor. Diesmal übersetzte Jadeauge dem Alten, was Xin uns berichtete: Wir sollten für Lautloser Sturm die Rebellen infiltrieren und deren Anführer töten. Dazu hätten wir sechs Wochen Zeit. Dann würde Lautloser Sturm uns helfen, wieder nach Hause zu kommen. Der Haken an der Sache war nur, dass wir einen magischen Eid leisten sollten, dass wir nichts unternähmen, was den Kaiser je schwächen würde. Aber dazu war irgendwie niemand bereit. Anscheinend hatten sich die anderen auch schon mit ihren potentiellen Rollen in dieser Legende angefreundet. Aber was sollten wir tun?

Da meldete sich überraschend Shifu. Er fragte uns, ob wir denn ihm schwören würden, alles zu tun, um den Kaiser zu stürzen und die Ordnung wieder herzustellen. Kurz erinnerte er mich an Legba, aber die Chinesen hatten schon immer einen gewissen Ordnungsfimmel. Dieser Schwur ging allen wesentlich leichter über die Lippen. Shifu wollte sich opfern, damit wir entkommen könnten. Selbst Xins und mein Protest konnten den alten Mann nicht umstimmen. Wir sollten seinen Lehrmeister finden und die Sache hier wieder ins Reine bringen - er hatte schon lange gelebt, und zu leben, und damit den Status Quo weiter zu erhalten, wäre schlimmer als der mögliche Tod für die gute Sache. Ein gewisser Fanatismus war durchaus zu erkennen. Xin bat ihn noch um seinen Namen: Sturmtrotzende Eiche. Der Alte bat uns noch, der Prinzessin das Päckchen aus seiner Kiste zu geben. Es enthielt ein - ihr - Banner.
Ich versicherte dem Alten, dass ich seinen Lehrmeister finden würde. Dann schickten wir Jadeauge los, um Strohhüte für Sofia und Simon zu holen und eventuell etwas Kleidung. Ich selbst wollte von meines Vaters Gaben Gebrauch machen. Wir nahmen noch Sturmtrotzende Eiches Beutel mit Geld an uns. Die gesamte Kiste mitzunehmen, wäre zu auffällig gewesen.
Dann ging das Chaos los, das uns entkommen lies: Sturmtrotzende Eiche tippte leicht mit seinem Gehstock an das Gitter unserer Zelle und es sprang mit einem lauten Knall heraus. Ebenso erging es der Tür zum Wachraum. Überall wirbelten Gegenstände durch die Luft. Kurzerhand verpasste Xin dem Gebäude einen zweiten Ausgang, damit wir nicht mit Lautloser Sturm zusammentreffen würde, den sich der Alte gerade suchte. Ich warf mir einen Umhang um und konzentrierte mich auf eine ehemalige Kommilitonin, deren Aussehen ich annehmen wollte. Anerkennend starrte Sofia mich an. Xin schickte uns vor, er wollte Frostbrand und andere Ausrüstung holen und würde uns finden. Ich folgte dem Faden, der zu Liu Feng führten sollte - glücklicherweise genau die Richtung, die weit weg vom Wachgebäude führte, welches mittlerweile der Inbegriff von Chaos war. Wir eilten weiter und irgendwann drückte Jadeauge Sofia und Simon Strohhüte auf die Köpfe. Ich schickte Ceo Riabh weg, denn er war nicht der unauffälligste hier; grummelnd gab er mir zwei Tage, bevor er mich suchen würde.
Ein Krachen lies uns herumfahren, und aus der Wache bracht ein riesiger Drache aus Wasser hervor, an dem Blitze entlang krochen. Er bäumte sich immer wieder auf, und schließlich hatte er einen Körper im Maul. Er schluckte regelrecht Sturmtrotzende Eiche hinunter und verschwand. Der alte Mann war nicht mehr...

Ohne Schwierigkeiten passte ich mich der Menge an und führte Sofia und Simon und schließlich auch Xin auf die andere Seite der Insel. Die Gegend war heruntergekommen und allein hätte ich früher weiten nen Bogen darum gemacht. Aber ich war nicht allein und der Faden führte, wie sollte es anders sein, an oder besser gesagt hinter eine Spelunke direkt am Fluss. Dort fanden wir einen abgerissenen, übelst stinkenden jungen Mann im Müll liegen und es war so klischeehaft, dass es zum Lachen gewesen wäre, wenn uns nicht Lautloser Sturm in Nacken gesessen hätte. Selbst Jadeauge war angewidert, als sie übersetzte, dass er nach mehr Alkohol verlangte. Leider weigerte sich Xin, ihn stattdessen in den Fluss zu schmeißen, und dem Eimer Wasser entging der Kerl, indem er sich wie zufällig und fast elegant um einen Pfosten schwang. Xin versuchte, mit Liu Feng zu reden, aber laut Jadeauge wicht dieser aus und wollte drinnen bei Alkohol, Essen und Frauen reden. Ich hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht, weil ich nicht wusste, wie lange die Illusion der Chinesin noch vorhalten würde. Außerdem wollte ich nicht Sturmtrotzde Eiches Geld für einen Trunkenbold verplempern, der sich weiterhin weigern wollte, etwas mit der ganzen Sache zu tun zu bekommen. Kurzerhand wankte Liu Feng an eine dunklere Straßenecke, zog einen Strauchdieb hervor und nahm diesem mit ein paar Worten Geld ab.
Damit wir uns richtig verstehen: von mir aus kann sich jeder die Kante geben, so oft und so hart er es braucht - aber ein Wasserdrache machte zu dem Zeitpunkt selbst mich mehr als nervös. Also hielt ich mich brav an Xin, zurückhaltend und fast ergeben, mit einem kleinen Äffchen auf der Schulter, das unauffällig weiter übersetzte. Doch was Jadeauge sagte, beruhigte meine Nerven keineswegs. Im Gegenteil!
Während Liu Feng soff und die herbeigeeilten Mädchen begrapschte, erzählte er uns, dass Sun Wukong anscheinend das Königreich nur gerettet hatte, weil der Kaiser hier wegen des Gottes Nachlässigkeit unsterblich war - der Affenknig hatte einen Pfirsich der Unsterblichkeit verloren, den der jetzige Kaiser gefunden hatte. Und Liu Feng hatte die Prinzessin damals voller Hoffnung ausgebildet und sich von ihr beruhigen lassen, als sie sich verliebt hatte - nur um dann alles hintergangen zu sehen. Damit schien er seinen Glauben verloren zu haben und wollte sich weigern, das alles nochmal durchzumachen. Lieber besoffen alles über sich ergehen lassen, als nochmal enttäuscht zu werden. Diese Geschichte lies ich mir zweimal von Jadeauge übersetzen. Und als das Selbstmitleid zum dritten Mal anfangen sollte, da riss bei mir der Geduldsfaden. Ich bat Xin, die leichten Mädchen wegzuschicken, was er verwundert tat. Jadeauge bat ich um Übersetzung, und fast ängstlich betonte sie, dass sie ein anständiges Mädchen sei.
Ich sorgte dafür, dass Liu Fengs Aufmerksamkeit ganz auf mir lag; sogar auf eine fast nette Weise, auch wenn das hieß, dass ich den Gossengestank kurzzeitig ignorieren musste. Jadeauge zuliebe schluckte ich die Beschimpfungen, die mir auf der Zunge lagen, hinunter: Ich hatte keine Lust, unvermittelt ohne Illusion dazustehen und von Wachen aufgegabelt zu werden, nur weil der ach so tugendhafte Lehrmeister, für den Sturmtrotzende Eiche sich geopfert hatte, sich einen schönen Lenz machen wollte anstatt Butter bei die Fische zu geben. Wenn er hier weiterhin seine Vergangenheit betrauern wollte, konnte er das gerne ohne mich tun. Zwar kannte ich mich selbst kaum wieder in der Ungeduld, die ich an den Tag legte, aber das lag wohl daran, dass ich Liu Feng mittlerweile am liebsten übers Knie gelegt hätte. Als mich Liu Feng dann auch noch hochhob, platzte mir der Kragen. Ich wand mich aus seinem Griff, ohne auf Jadeauge oder Xin zu hören, und machte mich zornrauchend auf den Weg zur Tür. Nur mit Mühe konnte Xin mich beruhigen und dazu bringen, den anderen in eines der Gästezimmer zu folgen, wo man sich ohne weitere neugierige Ohren unterhalten konnte.

Für fünf Menschen und zwei Tiere war das Kämmerlein nicht wirklich ausgelegt. Während sich Liu Feng auf das eher rudimentäre Bett fallen ließ, verriegelte ich die Tür und lies endlich die Illusion fallen. Ich machte in einer kurzen Diskussion mit Xin und Sohia meinem Unmut wieder Luft, denn in meinen Augen war das Bearbeiten von Liu Feng immer noch vergebliche Liebesmüh - da unterbrach mich besagter plötzlich auf Englisch. Am liebsten hätte ich ihn auf geradem Weg durchs Fenster befördert.
Entnervt ließ ich Xin und Sophia den vortritt. Xin versuchte, an Liu Fengs Pflichtgefühl zu appellieren. Sophia hingegen nennt Liu Feng die logischen Fakten. Es dauerte zwar noch seine Zeit, aber schließlich hatten die beiden den Chinesen weichgeredet: Unter zwei Bedingungen wollte er Sturmtrotzende Eiches Unterricht fortsetzen. Zum einen verbot er jegliche Liebschaften (wie er es nannte). Zum Anderen mussten wir ihn Lehrer anerkennen und tun, was er verlangte. Ich konterte, dass ich ihn nicht als Lehrer annehmen würde, solange er sich nicht gewaschen hatte. Nichts einfacher als das, wenn wir für das gemeinsame Bad aufkommen würden. Ich öffnete Sturmtrotzende Eiches Geldbeutel und kramte, bis ich einige Holz und Kupermünzen beisammen hatte. Das war zwischen all dem Jade nicht gerade einfach. Liu Feng führte uns - ich war diesmal genauso vermummt wie Sophia und Simon - an ein chinesisches Badehaus. Nach den Tagen im Wald war es eine Wohltat, sich wieder richtig waschen zu können.
Keine Ahnung, wie viel Seife Liu Feng verbraucht hatte, aber das Ergebnis lies sich, zumindest für einen Chinesen, durchaus sehen. Zwar hing noch eine leichte Alkoholfahne in der Luft, aber damit konnte ich leben.


In den Fesseln von Shangri-LaBearbeiten

tbc.


It's a new dawn, it's a new day, it's a new life...Bearbeiten

Da standen wir nun: Legba hatte entschieden, dass sein Mädchen Anne-Sophia Lammet ersetzen soll. Obwohl ich ihm Hilfe anbotm wollte es nichts mehr von uns; Legba würde ihr alle Hilfe zukommen lassen, die sie bräuchte. Auch gut.

Und was taten die anderen? Sie richteten sich schon fest in der Villa in Estelle ein. Es wäre doch ein tolles Zuhause, in das man zurückkommen könne. Ja, natürlich. Im Keller fanden sich zwar Blutspuren von Opfertieren an der Wand und was dort im Garten gemacht worden war... Und ehrlichgesagt war ich auch nicht wirkich scharf darauf gewesen, im Hinterhof der Loas zu bleiben. David fand zwar den Notar, der damals die Grundstücksverträge mit der dahingeschiedenen Voodooqueen gemacht hatte, aber irgendwelche Konten oder Schließfächer gab es nicht. Und obwohl Damian etwa hundert Riesen im Haus erbeutet hatte, hätte das die Villa höchstens zwei Jahre unterhalten. Außerdem war aus Damians Verhalten zu schließen, dass man ihm das Geld nur aus den kalten, toten Fingern hätte nehmen können.

Also machte ich Nägel mit Köpfen: Mehr oder minder unauffällig schickte ich Diane, David und Damian kurzerhand zurück nach Atantic City um nachzusehen, ob Mr. Henry Gould mittlerweile mit Packen fertig war. Ich hatte schon zuvor mit dem Notar korrespondiert, und die Villa mir schreiben lassen. Anne-Sophia Lammet sah mir ähnlich genug, dass die kleinen Unterschiede zwischen uns nicht sehr auffällig gewesen waren - nicht mit Daddys Gaben. Doch nun verkaufte ich das Häuschen kurzerhand. Obwohl ich schon einen Makler engagiert hatte, war es schließlich doch ein Zufallsgeschäft geworden: Ich hatte die ältere Dame wieder im Park getroffen, die sich vor einigen Tagen pickiert über die mittlerweile dahingeschiedenen Eigentümer der Villa geäußert hatte. Ich berichtete ihr, dass wir das Häuschen erworben hatten und sie war hoch erfreut, dass die Nachbarschaft wieder ruhiger wurde. Und sie überraschte mich: ich erzählte ihr weiter, dass das Gebäude aber nun doch weniger nach meinem Geschmack war, als ich ursprünglich dachte und mit dem Gedanken spielte, sie deshalb wieder zu veräußern. Prompt meinte sie, sie würde mir die Villa abkaufen um sich selbst zu gewährleisten, dass ihre Nachbarschaft ruhig bleiben würde; und sie nannte mir einen Preis, der deutlich über dem Verkaufswert lag, den sowohl der Notar als auch der Makler veranschlagt hatten. Keine zwei Stunden später trockneten die Unterschriften auf den Papieren. Der verstorbene Mann der alten Dame hatte wohl ein glückliches Händchen beim Handel mit Wolle gehabt, sodass Geld keine Rolle mehr spielte. Sie bestand sogar auf die von ihr genannte Summe, obwohl ich bereit gewesen war, die Villa zum niedrigeren Preis zu verkaufen.

Also stand ich da, mit mehreren Millionen Dollar in der Tasche. Reisekasse.

Obwohl die ältere Dame uns weiterhin im Haus wohnen gelassen hätte, schnappte ich mir Xin und Sofia und kehrte in mein kleines Mietshäußchen in Irish Channel zurück. Nachdem sich das erste Unverständnis für meinen Schritt gelegt hatte, fingen sie trotzdem schnell mit der Verplanung des Geldes an: Sofia war sogleich Feuer und Flamme dafür, eine Farm in Tansania zu kaufen. Xin hingegen wäre wohl lieber nach Alaska. Und so ganz Unrecht hatten sie ja nicht. Nein, mitten in die Pampas wollte ich nicht. Spätestens Liu Fengs Tal hatte mir jedes Verlangen eines abgelegenen Häuschens ausgetrieben... aber irgendetwas, wohin man zurückkehren konnte... der Gedanke hatte was. Die anderen drei waren fassungslos, zumindest lasen sich ihre SMS so. Aber das Geld lag auf meinem Konto. Während sich Sofia um Josh kümmerte und Xin wieder einmal seinen Agenten kontaktierte, sah ich mich nach passenden Objekten um. Es gab da eine kleine Nachbarschaft in der Nähe von Boston und mehrere Anwesen rund um New York City. Los Angeles war von Sofia auch angesprochen worden, aber da hingen alte Erinnerungen fest. Ich liebäugelte auch kurz mit einem riesigen Areal unweit von Denver, das man mit Lodges hätte bebauen können. Da flatterte mir plötzlich ein Angebot auf den Tisch: Ein Anwesen in Portland.

Mir saß zuerst einmal ein Kloß im Hals. Portland hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt - die Stadt war zwar traumhaft, aber da lebten zu viele Menschen, die mit lieb und teuer waren. Das wäre beinahe so, als würde ich zu meiner Mum ziehen. Aber das Angebot war einfach zu gut: Eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt lag eine Villa am Fluss - zu einem Preis, bei dem ich dreimal anchfragte, ob da nicht ein Fehler unterlaufen war. Diese Entscheidung... Ich hatte schon im Alleingang Estelle abgestoßen. Ich konnte nicht einfach so etwas erwerben, womit die anderen nicht zufrieden waren. Gut, konnte ich schon, aber irgendwann würden sie dann rebellieren, vermutlcih sogar zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Als ich Xin die Bilder und die Daten des Anwesens zeigte, war er begeistert. Und selbst Sofia war fast aus dem Häuschen. Also fuhren wir nach Portland. Und es stellte sich heraus, dass sie ein Glücksgriff war. Sie würde sich eine ganze Weile selbst unterhalten können, selbst wenn wir noch zu Vielfliegern avancierten. Also brauchten wir nur für unseren eigenen Lebensunterhalt aufkommen. Und nach nach mehrmaligem Nachfragen schien kein haken an der Sache zu sein.

Somit zogen Sofia, deren Container einen hübschen Platz an der Auffahrt bekam, Xin und ich in die Villa.

Und ich suchte mir wieder einen Job.

Freunde, Verbündete und andere wichtige PersonenBearbeiten

GötterkinderBearbeiten

Sofia Nerina Hartson - beste Freundin während der Studienzeit. Bastettochter.
Louis Parée - Motorcross-Fahrer und XGames-Champion. Sohn des Hephaistos.
Marc Python - lebenslustiger Langzeitstudent. Sobeks verzogenes Gör.
Simon DuMont - zynischer Gelegenheitsarbeiter. Kalfu's Unfall.
Xin Yuang - angehender chinesischer Actionheld mit Faible für Affen. Kind des Affenkönigs.
Miguel Velasquez - muskelbepackter, kampfeslustiger Latino aus Huitzlipotchtlis Linie.


ÜbernatürlichesBearbeiten

Wildrose - Aes Sidhe
Lughs Gefolge - Sidhe, die Wildrose als Schwester betrachten. Derzeit kenne ich Tannicht, Kaltes Wasser, Donnerschrei und Blitzspeer


GötterBearbeiten

Lugh aka Luke Connolly, ihr Vater


MenschenBearbeiten

Luc Dornier - informierter Reporter bei LeParisien aus Paris
Farid Gamil Musa - Fremdenführer in Kairo mit weitläufiger Familie.
Simon Maddensen - Fotojournalist aus NY
Tom Whiteaker - aufstrebender Politiker

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